Dr. Patrick Treacy’s New Book : “Behind The Mask”

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Dr. Patrick Treacy’s New Book : “Behind The Mask”

Beitragvon Blackpearl » 5. Aug 2015, 17:57

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Einen Bericht zum Buch und den Link zum Bestellen findet ihr hier:
http://www.ghosts-of-neverland-forum.com/uber-michael-jackson/patrick-treacy-dankte-mir-fur-meine-arbeit-afrika-t3816.html

Dr. Patrick Treacy’s New Book : “Behind The Mask”
(the Irishman who became Michael Jackson’s doctor)
August 4, 2015 LMJ

Dr. Patrick Treacy is publishing a new book, “Behind The Mask” on September 15. Treacy started as Michael’s personal dermatologist but got to know him as a friend. He has defended and appreciated Michael and his work many times in public. LMJ Magazine will read the book and do a review as soon as it becomes available to us. We are delighted that Dr. Treacy already shared the introduction of the book with LMJ and agreed to share it with our readers”:

Introduction

“I have a story to tell, and if you follow me to the end of this book you will understand why I have decided to write it down. It is a story that exposes many personal intimacies, from my financial struggles as a young doctor, to my time as the personal dermatologist of the most recognised face in the universe, Michael Jackson. It is the story of how I got to know the singer as a friend and witnessed the personal agonies he suffered during the treatment of his vitiligo, of watching him cry as he took off his wig and showed me his scarred scalp. It is the story of how I smuggled cars to Turkey to finance my college studies and had to have a piece cut out of my leg to debride an HIV needle-stick from a Dublin heroin addict, in the days before there was any treatment for AIDS.

I never speak publicly about my patients, but in Michael’s case, I have decided to make an exception, because I want to defend him from his detractors. I want to show you the humane side of Michael Jackson, a person who always cared deeply about others – it’s a side of him that is not seen often enough in the media.

I want to show you the humane side of Michael Jackson, a person who always cared deeply about others – it’s a side of him that is not seen often enough in the media.

This story begins with my childhood in Garrison, a small village in rural County Fermanagh. In the early pages, I nearly lose my life in Northern Ireland’s ethno-political conflict, and I witness the death of our bread-delivery man, Jack McClenaghan, one spring day in May 1979. Retired from the Ulster Defence Regiment (UDR), he was out making deliveries when the IRA motorcyclists fired their bullets. His next stop would have been our house.

…………………..This is not meant to be an autobiography, but a memoir. As you read it, we will stand together at the Berlin Wall on the night it falls, and in Moscow on the night the Soviet Union ends. You will see how I helped start a whole new field of medicine from a small room in an apartment in Dublin’s embassy belt, and how the rich and famous of the planet eventually came to that small room. You will hear how cosmetic medicine developed into its own speciality and how, within ten years, I was invited to lecture to doctors worldwide about techniques I had pioneered in Dublin. Later, you will hear how I weathered the Great Recession.

As Ben Franklin said, ‘Out of adversity comes opportunity,’ and I wrote this book largely as a means of filling the time that the recession created for me. It has been cathartic, cleansing my mind of some memories that had been haunting me. This is the story of my personal journey, of surviving life, of how I got to where I am.”

http://www.legendarymichaeljackson.nl/d ... agazine%29

Quelle: LmJ Magazine
Zuletzt geändert von Remember MJ am 5. Aug 2015, 18:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Neues Buch “Behind The Mask” von Dr. Patrick Treacy

Beitragvon Gabi-Maus » 30. Sep 2015, 19:13

Neues Buch “Behind The Mask” von Dr. Patrick Treacy

In einem autobiografischen Buch, schreibt Dr. Patrick Treacy über seinen Werdegang und wie er sich 2006 mit dem King of Pop anfreundete. So schreibt Dr. Patrick Treacy auch von einem Telefongespräch, das Michael Jackson mit Nelson Mandela führte. Michael Jackson plante, ein grosses Charity-Konzert in Rwanda für HIV-positive Kinder zu geben. Einzelheiten, siehe hier der Artikel vom Belfast Telegraph. Das Buch, Behind The Mask: The Extraordinary Story of the Irishman Who Became Michael Jackson’s Doctor by Dr Patrick Treacy with Frances Kenny, kann hier auf Amazon.de gekauft werden.

Quelle: jackson.ch, belfasttelegraph.co.uk
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Patrick Treacy: Begegnung mit Michael Jackson, Irland 2006

Beitragvon Gabi-Maus » 21. Jan 2017, 23:08

Patrick Treacy: Begegnung mit Michael Jackson, Irland 2006 (Teil I)

Auszug aus dem Buch: „Behind the Mask: The Extraordinary Story of the Irishman Who Became Michael Jackson’s Doctor“ von Dr. Patrick Treacy

Teil I

Ende Juni 2006 ging in den irischen Medien das Gerücht um, dass man in der Nähe der Ortschaft Kinsale, im Landkreis Cork, Michael Jackson gesehen hätte. An den darauf folgenden Tagen wurden diese Sichtungen glaubwürdiger, besonders nachdem Bert Hughes, ein Reporter von RTÉ, den Besitzer des Hughes &Hughes Buchladens in Dun Laoghaire interviewt hatte, der einen überraschenden Besuch von Michael Jackson und seinen Kindern in seinem Laden bestätigte. Die Spekulation, dass Irland das Land sein könnte, das der Sänger für sich und seine Familie ausgewählt hätte, verbreitete sich, da man gehört hatte, er wolle nicht auf seine Neverland Ranch in Kalifornien zurückkehren. Während der nächsten Tage wurde über weitere Sichtungen Jacksons berichtet – auf einer Bowling Bahn und an einer Pommesbude – aber ich machte mir keine großen Gedanken darum.
Als der Sänger nicht, wie es gemunkelt wurde, bei einem Bob Dylan Konzert in Kilkenny auftauchte, waren die Fans enttäuscht, aber die Spekulationen gingen weiter. Ich war zu der Zeit kein Fan von Michaels Musik, ich mochte eher Bands wie U2, die Stones und Pink Floyd, aber auch ich erkannte, dass er ein Genie war, wenn ich ihn auf der Bühne performen sah. Seine Kreativität überschritt nicht nur Musikgenres sondern auch ethnische Grenzen, und lies uns glauben, dass wir die Welt zu einem besseren Ort machen könnten. So wie viele andere hatte auch ich vor kurzem seinen Missbrauchs-Prozess vor dem kalifornischen Gericht beobachtet und wurde durch die Medien mit den meisten Fakten vertraut.

Jacksons Probleme begannen 2002, als er einem britischen Dokumentarfilm Team unter der Leitung von Martin Bashir erlaubte, ihm über 6 Monate zu folgen. Im Februar 2003 wurde Living With Michael Jackson ausgestrahlt, und es wurde schnell deutlich, dass der Reporter alles daran gesetzt hatte, den Sänger sehr unvorteilhaft darzustellen. Nachdem die Dokumentation gesendet worden war, beschuldigte Gavin Arvizo, ein junger Krebspatient, den Sänger des Missbrauchs, und Jackson wurde verhaftet. Ich denke man kann sagen, dass man in den Medienkreisen allgemein von einer Schuld Jacksons ausging. 1993 wurde er schon einmal beschuldigt, von einem Jungen namens Jordan Chandler, und wie in den Medien berichtet wurde, hatte er diesen ausbezahlt.
Als der Arvizo Prozess voranschritt, wurde es deutlich, dass es keine Beweise gegen den Sänger gab. Seine Ankläger waren keine glaubwürdigen Zeugen, und der Prozess zeigte, dass die Familie schon zuvor versuchte Geld von Stars zu erpressen, unter anderem auch von Jay Leno. Die Eltern Arvizos hatten seine Krankheit für ihre eigenen Zwecke missbraucht. Rückblickend kann ich sagen, dass eine Sache mich gleich zu Anfang verwunderte: Die Tatsache, dass es keine weiteren Opfer gab. Wird ein Pädophiler nach Jahren öffentlich gemacht, öffnen sich normalerweise die Fluttore und eine Reihe von Opfern trauen sich schliesslich auch hervor zu kommen. Aber so etwas geschah nicht. Viel mehr war es so, dass diejenigen, die als Kinder mit Jackson zusammen gewesen waren, kategorisch jedes unangemessene Verhalten seinerseits bestritten.

Während sich die eine Hälfte der Medien in Irland damit beschäftigte, herauszufinden ob Michael Jackson sich tatsächlich in Irland aufhielt, konzentrierte sich die andere Hälfte auf die boomende Wirtschaft, darunter auch das starke Wachstum des Bereichs der kosmetischen Chirurgie. An einem Morgen im August sprach ich mit Ryan Turbridy von RTÉ in einem Interview über dieses Thema. Als ich zurück nach Ailesbury kam, war ich etwas überrascht, eine gut gekleidete Frau in meinem Wartezimmer vorzufinden, die, ohne einen Termin zu haben, schon einige Zeit dort auf mich gewartet hatte. Sie war dunkelhäutig, attraktiv, sprach mit einem weichen afrikanischen Akzent und hatte Safran farbig getöntes Haar, das ihr in kleinen Locken ins Gesicht fiel. Sie stellte sich nur als Grace vor, und fragte, ob sie für einen sehr angesehenen Klienten einen Termin ausserhalb der Öffnungszeiten vereinbaren könne.

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Grace Rwaramba mit Paris und Prince

Diese Anfrage war nicht ungewöhnlich. Viele Prominente senden einen Vertreter in die Klinik, bevor sie sich entscheiden, selbst zu kommen. Ihre größte Sorge ist, dass die Medien vor der Tür lauern und ihre Ankunft mit der Kamera in der Hand erwarten. Solches Verhalten hatte ich ein paar Jahre zuvor selbst miterlebt. Ich wurde damals angefragt, eine berühmte New Yorker Sängerin mit einer neuartigen Lasertechnik in einer Praxis in der Harley Street in London zu behandeln. Ich hatte in Ailesbury Studien mit dieser neuen Technik durchgeführt, und nur wenige hatten die Fähigkeit, sie mit den best möglichen Ergebnissen anzuwenden. Zu meiner Verärgerung hatte der Eigentümer anscheinend der Presse einen Tipp gegeben, und die Sängerin wurde fotografiert, als sie das Gebäude betrat. Er sagte mir, dass Prominente oft erwarteten, umsonst behandelt zu werden, da sie ihre Unterstützung – und die dazugehörende Publicity – als Privileg für die Klinik ansahen. So etwas fand in Ailesbury niemals statt.

Es war etwas ungewöhnlich, dass Grace, nachdem sie mit mir gesprochen und die Klinik angesehen hatte, immer noch nicht den Namen ihres Klienten nennen wollte, auch wenn sie ihn als einen sehr berühmten Sänger bezeichnete, wenn sie sich auf ihn bezog. Ich war neugierig, sogar fasziniert. Bevor sie ging sagte Grace noch, dass der Sänger über seinen Besuch keine Aufmerksamkeit seitens der Medien wolle und dass mein Ruf, das Patientenverhältnis vertraulich zu behandeln, einer der Hauptgründe dafür sei, dass er sich für die Ailesbury Klinik entschieden hatte. „Der Sänger findet es sehr schwer Menschen zu vertrauen,“ sagte sie. „Die Leute versuchen immer, etwas von ihm zu bekommen. Bitte sprechen sie mit niemand über unser Treffen. Der Sänger kennt ihre Arbeit und er würde gerne ihr Patient werden.“ Sie lächelte zustimmend, als ich sie fragte, ob der Sänger Amerikaner sei, wollte aber keine weiteren Informationen geben.
Über die nächsten Tage rätselte ich darüber, wer der Sänger sein könnte, halb in der Hoffnung, vielleicht Jay-Z oder Puff Daddy in meinem Wartezimmer vor zu finden. Zu dieser Zeit waren die Hyaluron-Dermal Filler die wir einsetzen, in Amerika nicht verfügbar, und ich dachte mir, dass das wahrscheinlich der Grund des Besuchs sein würde, da wir regelmässig Patienten aus Kalifornien und New York behandelten.

An dem vereinbarten Abend kamen meine Krankenschwester Carmel und ich gegen 21:00 Uhr zurück in die Klinik. Sie vermutete, es sei ein schwarzer Sänger und scherzte mit mir darüber, ob sie wohl ein Autogramm bekommen würde, wenn es Jay-Z wäre. Wir verbrachten etwas Zeit damit, aufzuräumen und dann, genau um 22:00 Uhr, klingelte es. Bemüht, professionell zu bleiben, sahen wir auf den schwarz-weiß Bildschirm und konnten darauf Grace und eine größere, männliche Gestalt erkennen. Carmel führte sie schnell durch die Klinik und ich wartete an der Rezeption. Einen Augenblick später öffnete sich die Tür, und die Besucher kamen herein. Grace küsste mich zur Begrüßung und wollte den Mann hinter ihr vorstellen. Bevor sie jedoch etwas sagen konnte, steckte er schon die Hand aus und schüttelte meine: „Hi Dr. Treacy, ich bin Michael Jackson.“
Es geschah so schnell, dass ich völlig unvorbereitet war. Nie hätte ich damit gerechnet, dass er durch meine Tür kommen würde. Einen überraschten Momentlang dachte ich, warum er es überhaupt für Notwendig hielt, sich vorzustellen – es gab sicher nur sehr wenig Menschen auf diesem Planeten, die ihn nicht erkennen würden. Michael war etwas größer, als ich es erwartet hätte: schlank, aber nicht zu dünn. Er trug einen schwarzen Fedora, sein welliges Haar war hinten zusammengebunden und er hatte ein so ansteckendes Lächeln, dass es unmöglich war, nicht mit ihm warm zu werden. Seine Jacke war aus samtigem Wildleder und darunter trug er ein enganliegendes weißes T-shirt. An beiden Handgelenken trug er kleine Bändchen, von der Sorte, die man im Urlaub am Strand in Griechenland bekommt.
Wir standen neben den Glastüren des Empfangsbereich der Klinik und er drehte sich zu mir um: „Grace haben sie ja schon kennengelernt, und sie sagte mir, dass sie sich sehr für Afrika interessieren.“
„Ja, wir trafen uns vor ein paar Tagen,“ sagte ich, und mit einem Lächeln in ihre Richtung: „Ich dachte mir, dass sie aus Afrika stammen. Aus welchem Land sind sie?“
„Ich wurde in Rwanda geboren aber wuchs in Kampala in Uganda auf,“ antwortete sie.
„Kampala… Ich war noch nie dort, traf aber vor kurzem Dr. Alex Coutino und seine Frau,“ sagt ich. „Er beschäftigt sich mit der Forschung von HIV an der Makerere Universität.“
„Ich kenne Makerere – sie ist sehr berühmt,“ antwortete sie. „Ich verlies Uganda nachdem sich die Zustände nach Idi Amin dort verschlimmerten, und wuchs dann in den USA auf.

Ich hatte Alex 2003 beim UNA-USA Global Leadership Awards Dinner in New York kennengelernt, bei dem er für seine Pionierarbeit geehrt wurde. Er arbeitete daran, HIV-infizierten Menschen eine bessere Versorgung von lebensverlängernden Medikamenten zu ermöglichen. Ich erzählte Michael, dass Bono Dr. Coutino den Global Leadership Award überreicht hatte.
„Ich weiß, dass sie in Afrika an Humanitären Projekten gearbeitet haben,“ sagte er.
„Woher wissen sie das“? fragte ich, und dachte, dass er bei seiner Recherche sicher ein paar meiner YT Videos gesehen hatte.
Natürlich fühlte ich mich geschmeichelt, wußte ich doch, dass Jackson mit Lionel Richie die Single „We Are The World“ geschrieben und alle Gewinne daraus für die Bedürftigen in Afrika gespendet hatte. Durch fast 200 Millionen verkaufte Singles wurden Millionen für die Hungerhilfe aufgebracht und der Song wurde zu einem der meist verkauften Singles aller Zeiten.

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Michael Jackson & Lionel Richie mit einem Grammy für We Are The World, 1986

Ich war völlig erstaunt, als Jackson ein altes Health & Living Magazin aus der Innentasche seiner Jacke zog und begann, laut daraus vor zu lesen. Etwas verwundert hörten wir zu. Es war ein Artikel, denn ich ein paar Jahre zuvor geschrieben hatte. Ich hätte nie erwartet einen Auszug davon von Michael Jackson vorgelesen zu bekommen, während er im Wartezimmer meiner Klinik stand.
„Es liegt eine immer gleichbleibende Magie in der Landschaft Afrikas, später jedoch kamen wir an leeren Dörfern und verlassenen Hütten vorbei, die wie ein Testament der vernichtenden Kraft der Seuche sind, deren Spuren wir folgen,“ las er.
Ich drehte mich um zu Carmel. Sie sah mich mit großen Augen an. Jackson fuhr fort:
„Diese verlassenen Dörfer verfolgen mich, und in dem steten Wind, der das blaue Gras der Savanne aufwirbelt, lausche ich in der Erwartung, die Geräusche spielender Kinder oder bellender Hunde zu hören, aber es gibt keine Geräusche.“
Er lies das Magazin sinken. „Wissen sie,“ sagte er zu mir, “als ich diesen Artikel las, musste ich weinen. Er fängt die Zerstörung Afrikas durch HIV ein.“
Einen Moment lang dachte ich, dass er sicher jemand meinen Background hatte überprüfen lassen, aber dann wurde mir klar, dass Grace diesen Artikel wohl von einem Stapel auf dem Tisch im Wartezimmer mitgenommen hatte. Manchmal beschwere ich mich darüber, wenn Patienten einfach die dort ausliegenden Magazine mitnehmen, aber in diesem Fall machte ich eine Ausnahme.
„Ich spiele mit dem Gedanken, in Rwanda ein großes Konzert zu geben, für all die Kinder, die unter HIV leiden,“ sagte Jackson. „Vielleicht sollten wir dort zusammen etwas unternehmen.“ Ich dankte Michael für seine netten Komplimente über meinen Artikel, der schon ein paar Auszeichnungen bekommen hatte, weil er das Thema HIV einem großen Publikum näher gebracht hatte. Einen Moment lang war ich mit nicht sicher, ob er mein Patient werden wollte oder ob er wollte, dass wir zusammen ein Benefiz-Konzert in Afrika planen. Mit der Erkenntnis, dass es sich wohl eher um ersteres handelte, führte Carmel Michael und Grace in das Wartezimmer um ein paar Formulare zu seiner bisherigen Krankheitsgeschichte auszufüllen. Dann kam Grace zu mir zurück und sagte: „Heute werden wir nur besprechen, welche Behandlungen Michael möchte, damit sie sich etwas besser kennenlernen.“ Michael kam zu uns. Er sagte: „Grace meint, ich könnte in einem Stadion in Kigali, mit Platz für 50.000 Zuschauer ein Konzert geben, oder alternativ auf einem verlassenen Flugfeld.“ Ich antwortete ihm, dass ich ihm sehr gerne helfen würde, ein HIV Benefiz- Konzert in Afrika zu planen, aber ich sei mir nicht sicher ob Rwanda der ideale Ort dazu sei. Ich schlug dann vor, dass es vielleicht besser sei, das Konzert in Cape Town, Südafrika, zu veranstalten. Als ich das sagte, achtete ich darauf, Grace nicht zu verletzen, indem ich ihr Heimatland als Veranstaltungsort in Frage stellte, und wußte auch nicht, wie weit das Projekt tatsächlich schon geplant war. Bevor sie antworten konnte, sprach Michael: „Nein, wir machen es in Rwanda und fliegen dann mit meinen Privatflugzeug runter nach Südafrika und besuchen Nelson Mandela.“
Die Idee, zusammen mit Michael Jackson etwas gegen HIV in Afrika zu planen, war eine sehr attraktive Vorstellung für mich. Mit seiner Hilfe könnten sich viele meiner Träume und Vorstellungen verwirklichen. Ich hatte das Gefühl, die Probleme dieses Kontinents schon seit Jahren zu vernachlässigen, auch wenn ich in den Medien immer auf all diese Dinge aufmerksam machte. Die Einladung mit einem der berühmtesten Menschen der Welt ein Konzert zu organisieren, und die Vorstellung, Nelson Mandela zu treffen, gab mir das Gefühl, dass alles was ich bisher in meinem Leben getan hatte schliesslich zueinander fand. Ich versuchte, meinen Enthusiasmus zu dämpfen. Schliesslich kannte ich ihn gerade erst seit 40 Minuten, und es war mir klar, dass er auch seine Pläne ändern könnte – aber ich hoffte, er würde es nicht tun.

Ich persönlich wußte nicht sehr viel über den Sänger, ausser dass er Millionen für wohltätige Zwecke gespendet hatte – etwas, das ich sehr bewunderte. Er hatte das schon in sehr jungen Jahren getan, während er noch Mitglied der Jackson 5 war und seinen Anteil der Konzerteinnahmen spendete. Er tat es immer ohne viel Trara oder öffentliche Aufmerksamkeit, wie andere in seiner Position es vielleicht getan hätten. Er hatte mit Luciano Pavarotti Benefiz Konzerte organisiert und die Einnahmen an Projekte wie dem Nelson Mandela Children’s Fond gespendet. Er hat sich dafür eingesetzt, Projekte zu verwirklichen und hat entschieden dieses nicht mehr von den USA aus zu tun. Hätte man ihn dort für schuldig befunden und ins Gefängnis geschickt, hätte das all seine Wohltätigkeiten gestoppt und Wohltätigkeitsorganisationen auf der ganzen Welt, besonders die, die HIV Opfern in Afrika helfen, hätten diese Auswirkung ganz direkt zu spüren bekommen.

In der Klinik war es an der Zeit zum geschäftlichen zu kommen – der ärztlichen Beratung – deshalb ging sich Grace mit Carmel ein paar Kosmetika ansehen, und Michael kam mit mir in mein Sprechzimmer. Etwas sehr faszinierendes ging von ihm aus. Er nahm seine dunkle Sonnenbrille ab, legte seinen Hut auf meinen Tisch und setzte sich mir gegenüber hin. Es war ein unwirklicher Augenblick – ich wußte, dass es sicher nicht der selbe Hut war, den er sonst bei einem Konzert auf dem Kopf hatte und am Ende ins Publikum warf, aber es fühlte sich so an.

Ich kam um den Tisch herum um das Gesicht des Sängers näher zu betrachten. Seine Lippen schienen mit einem hellen rot gefärbt zu sein, sicherlich ein Semi-Permanent Make Up. Es musste erst vor kurzem gemacht worden sein, da dieses Art Tattoos innerhalb weniger Wochen zu einem mehr natürlichen Ton verblassen. Seine Augenbrauen und Wimpern waren rabenschwarz; angesichts seines Alters nahm ich an, dass sie gefärbt waren. Ein besonderes Merkmal war seine Hautfarbe, ein künstlich aussehendes Pfirsich-weiß, stark überdeckt mit beiger Foundation und Rouge und gesprenkelt mit Bartstoppeln. Über seine Nase trug er einen hautfarbenen Pflasterstreifen von dem ich annahm, dass er Schäden von vorhergegangenen Operationen in diesem Bereich verdecken sollte.
Das ganze hatte den Effekt einer Fusion mit David Bowies Ziggy Stardust und Michael Jackson in einer Art Kabuki Make Up. Auch wenn ich dafür bekannt bin, in meinen Ansichten zu einem ästhetischen Aussehen immer ehrlich zu sein, fand ich es in dem Fall sinnvoller, zu diesem Zeitpunkt keinen Kommentar zu Michael Jacksons Aussehen zu geben. Er unterbrach meine Gedanken in dem er sich in seinem Stuhl nach vorne beugte, sich räusperte und verlegen sagte: „Ich habe schon viel von ihnen gehört, und würde gerne ihr Patient werden.“ Seine Falsetto-Stimme unterstützte dabei den theatralischen Effekt noch zusätzlich. Es war einer dieser Augenblicke in denen du mit einem Patienten alleine bist und hören kannst, wie ihre Emotionen sich in ihrem Atmen ausdrücken. Ich hatte das Gefühl, er wollte über etwas sprechen, war aber zu schüchtern, es zu sagen.
In den nächsten 30 Minuten sprachen wir über seine bisherigen Erkrankungen. Er war nervös und zurückhaltend, als er über bestimmte Aspekte sprach, aber nachdem ich seine Ängste milderte, war er offener und entspannter. Er sprach über verschiedene kosmetische Prozeduren, denen er sich eventuell unterziehen wollte und wir sprachen über jede davon. Nach meiner medizinischen Beratung beschlossen wir, mit einer kosmetischen Behandlung seines Gesichts zu beginnen.
„Ich werde die Queen treffen, und möchte möglichst gut aussehen,“ sagte er.
„Fantastisch! Wann werden sie sie treffen?“, fragte ich.
„In ein paar Monaten, in London.“
Michael erzählte mir, dass die Queen und Prince Philip an der Premiere des Films Casino Royale am Leicester Square teilnehmen würden, und dass er zu der Premiere eingeladen war, wo er ihr vorgestellt werden würde. Es schien ihn etwas nervös zu machen. Aber bis dahin waren es ja noch ein paar Monate, und ich dachte, dass er ausser seinem perfekten Aussehen noch andere Bedenken hatte.

Er lenkte seine Aufmerksamkeit auf ein Bild an meiner Wand, das er eingehend betrachtete. Es war ein Foto einer jungen Ärztin, Sneha Ann Philip, die nach den World Trade Center Anschlägen vermisst wurde. Ich hatte das Bild von einem Besuch in New York mitgebracht und es als Collage mit der amerikanischen Flagge und einer Metall Struktur eingerahmt. Ich hatte es ausgewählt, weil sie im St Vincent’s Krankenhaus in Manhattan gearbeitet hatte, wo die meisten der Opfer hin gebracht wurden. Während meines Aufenthalts in New York schrieb ich 2 Artikel über die medizinischen Aspekte der Terrorattacke, auch darüber, wie das Krankenhaus mit den Notfällen umging. Ich hatte auch viele der Angestellten interviewt, und man zeigte mir ihr Zimmer, in das sie nie zurückgekehrt war. Der Besuch in ihrem Zimmer und dieses Poster verbanden mich auf direkte Art auf menschlicher Ebene mit diesen schrecklichen Ereignissen. Vieles war mir in den Jahren danach passiert, aber was jetzt geschah, war bemerkenswert. Ich dachte wieder an New York zurück und beobachtete, wie Michael aufstand, das Bild von der Wand nahm und es eingehend betrachtete. Sein Gesichtsausdruck hatte sich völlig verändert, und seine Augen wurden traurig als er das Bild der Vermissten vor dem Hintergrund der Gebäudereste ansah. Es bestand kein Zweifel daran, dass er eine sehr empathische Person war.

„Es ist entsetzlich traurig,“ sagt er mit schwermütiger Stimme. „Waren sie in New York und haben geholfen?“ Ich sagte ihm, das ich nach de Tragödie dort war, weil ich dachte, auf meine Weise irgendwie helfen zu können. Er nahm einen hörbaren Atemzug, als ich ihm erzählte, dass ich ihr Zimmer im St. Vincent Hospital besucht hatte, wo mir ihre Kollegen bestätigten, dass sie nie zurück gekommen war, und ich davon ausging, dass sie eines der Opfer war.
„Es war so furchtbar – all die Menschen,“ antwortete er. Er schüttelte leicht den Kopf und erinnerte sich an den Horror von 9/11 und dann erzählte er:
„Ich war in New York. Ich dachte, die Terroristen würden die ganze Stadt in die Luft sprengen.“
„Es muss eine beängstigende Erfahrung gewesen sein“, erwiderte ich und nahm ihm das Bild ab, das ihn etwas zu verstören schien.
„Ja,“ sagte er, „das war es, aber wir alle sind Gottes Kinder und wir müssen für eine Zukunft beten, in der wir uns alle wieder gegenseitig lieben können.“
Ich fragte: „Sie haben ein Konzert für 9/11 gegeben, oder?“
„Ja, ich habe in Washington D.C. ein Konzert gegeben, aber das bringt auch niemand mehr zurück, oder?“ entgegnete er mit einer Stimme, die nur noch ein Flüstern war.

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United We Stand, Washington D.C., 2001

„Bei diesem Konzert gab es auch eine Verbindung zu Afrika“, sagte ich, in dem Versuch, die Stimmung wieder etwas aufzuheitern und weil ich mich an Grace erinnerte, die draussen auf uns wartete.
„Gab es die?“ fragte er, als ob er einen wichtigen Teil des Konzerts verpasst hätte.
„Der Song What More Can You Give wurde doch ursprünglich für Nelson Mandela geschrieben, oder?“ „Stimmt“, antwortete er mit einem Lächeln und deutete mit dem Finger auf mich, „Sie kennen ihre Musik.“
„Nein, ich kenne Mandela, ich habe einst für seine Entlassung demonstriert,“ entgegnete ich lachend.
„Ah, sehr gut. Nelson ist ein guter Freund von mir,“ antwortete er, als ob er einen Namen eines Nachbars erwähnen würde.
Ich dachte, nach dieser neuen Verbindung und nachdem er sich weiter geöffnet hatte würde er mich jetzt sicher fragen, was ich von seiner Musik hielt. Stattdessen aber wurde er sehr nachdenklich.

::::::

Vor dem Fenster meines Büros sah ich einen Anwohner einparken und etwas aus seinem Kofferraum holen. Ich schloss die Jalousien um sicherzustellen, dass niemand hinein sehen könnte und ging zu Michael. Die Tür zur Bibliothek stand etwas offen und ich fand dort ihn Anthony Viviers 630-Seiten starken Atlas of Clinical Dermatology lesend vor. Er saß ganz still und fuhr mit den Fingern die Zeilen entlang. Auf der Seite, die er aufgeschlagen hatte waren größtenteils schwarze, Afrikanische Erwachsene und Kinder abgebildet, manche mit Lepra, aber alle befanden sich in unterschiedlichen Stadien der Hyperpigmentierung. Eine der Abbildungen, von einem Kind, das einen großen weißen Fleck auf dem Bauch und weitere auf den Beinen hatte, schien seine Aufmerksamkeit zu erregen. Er sah es lange Zeit an, bevor er laut aus dem Buch zu lesen begann:
„Vitiligo ist meistens symmetrisch, aber kann manchmal auch segmental auftreten. Die Flecken sind vollständig de-pigmentiert und scheinen weiß zu sein, aber im Anfangsstadium nicht immer.“ Er hielt inne und drehte sich zu mir: „Keiner weiß, wie verheerend sich dieses Kind fühlt. Diese Bilder zeigen nur einen kleinen Teil der Geschichte. Sie können niemals die Emotionen zeigen, die das Kind hier drinnen fühlt,“ sagte er und presste seine Faust fest an seine Brust. Er schob eines seiner Hosenbeine nach oben und sagte: „Sehen sie, ich habe auch Vitiligo!“

Ich war sehr erschrocken, als ich das Ausmaß seiner Erkrankung sah. Eine Zeitlang sprach keiner von uns, weil wir uns nicht wagten, unsere Gedanken in Worte zu fassen. Konnte es sein, dass die Welt Michael Jackson Unrecht tat, in dem sie ihn beschuldigte, seine Rasse zu verleugnen und er in Wirklichkeit eine Krankheit hatte, die seine Haut weiß aussehen lies?
Ich fragte: „Wie schlimm ist es?“ Er schien einen Augenblick lang über die Antwort nachzudenken und lehnte sich dann im Stuhl zurück. Er hielt schüchtern die Hände an sein Gesicht und hob dann sein T-Shirt um mir die porzellanweißen Flecke auf seinem Körper zu zeigen, und sagte: “Es ist ziemlich schlimm.“

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Michael Jacksons Vitiligo – hier deutlich zu erkennen

Dann zog Michael seine Hose aus und ich konnte sehen, dass seine Beine so schlimm betroffen waren, dass sie aussahen wie die Beine eines weißen mit großen, braunen Flecken, manche mit einem Durchmesser von etwa 6 – 8 Zentimetern. Die Krankheit überzog seinen ganzen Körper, so dass ich davon ausging, dass er schon seit vielen Jahren daran litt. Im Durchschnitt bricht Vitiligo im Alter von Mitte 20 aus, kann aber in jedem Alter auftreten. Es neigt dazu, sich mit der Zeit zu verschlimmern, und immer größere Areale der Haut verlieren die Pigmente. Bei manchem Menschen mit Vitiligo sind auch die Haare vom Pigmentverlust betroffen. Er erzählte mir, dass er die vergangenen 20 Jahre bei einem kalifornischen Arzt namens Arnold Klein war, der seine Akne und die durch Vitiligo verursachte Depigmentierung behandelte.

Ich sah ihn an und dachte an all die Zeitungsberichte, in denen er beschuldigt wurde, seine Hautfarbe zu verleugnen. Er tat mir sehr leid. Jemand der unter einer Krankheit wie Vitiligo leidet, hat mit genügend psychologischen Problemen zu kämpfen, denn ihr Leben ist von so vielen kleinen Dingen beeinträchtigt, die wir uns nicht einmal vorstellen können. Das völlige Fehlen von Melanin bedeutet, dass man auch anfälliger für Hautkrebs ist und sich ständig vor der Sonne schützen muss, auch im Winter. Seit Jahren trug Michael Hüte, Handschuhe und Schals und benutzte einen Schirm, egal, ob es regnete oder die Sonne schien. Ausser dem erhöhten Krebsrisiko, hielt ihn die entstellte Haut auch davon ab T-Shirts zu tragen, oder ohne komplette Bekleidung in einen Pool zu springen. Ich hatte Aufnahmen von ihm gesehen, in denen er vollständig bekleidet in seinen Pool sprang, aber niemals mit Badekleidung. Er lebte mit dieser Erkrankung seit dem er ein junger Mann war. Eine zeitlang unterhielten wir uns über die Krankheit. Er erzählte mir, dass er früher versuchte, die Erkrankung zu verstecken, weil er dachte, seine Fans würden nicht mehr seiner Musik zuhören, wenn er nicht perfekt aussah. Anfangs versuchte er die Flecken mit dunklem Make-up abzudecken, aber mit der Zeit breitete sich die Krankheit aus und es wurde einfacher, die kleinen verbliebenen dunklen Flecke im Gesicht und auf den Händen auszubleichen.

Ich fing an zu glauben, dass die Welt Michael grausam behandelt hatte. Als er in meiner Bibliothek über die emotionalen Auswirkungen von Vitiligo bei dem afrikanischen Kind auf dem Foto sprach, verstand er die psychologischen Aspekte dieser Krankheit auf einer wesentlich tieferen Ebene als ich mir vorgestellt hatte. Ich versuchte mir vorzustellen wie es sein musste, von den Medien beschuldigt zu werden, seine Abstammung zu verleugnen, während man ganz alleine solch eine Bürde zu tragen hatte, die Haut mit Cremes behandeln musste um eine Krankheit in Schach zu halten und nicht, um seine Rassen zu ändern. Als er schliesslich den Mut fand, der Welt von seine Erkrankung zu erzählen, wurde es als unwahr hingestellt, als Entschuldigung dafür, die Hautfarbe zu ändern.
Er fragte mich, ob er Anthony du Viviers Buch behalten dürfe, aber ich sagte, es sein das einzige Exemplar davon, das ich hatte. Er sagte dann, dass er gerne über medizinische Themen lese, und ich bot ihm ein kleineres Buch an, in dem es auch viele Informationen zu Vitiligo gab, aber er lehnte es ab.

„Hier ist meine private Mobil-Nummer, damit sie mit mir in Kontakt bleiben können. geben sie sie niemand anderem,“ sagte er. „Oh, und ausserdem brauche ich einen Anästhesist wenn wir die Behandlung im Gesicht durchführen. Die Region im Bereich meiner Nase ist sehr empfindlich. Können sie das arrangieren?“
Ich hielt das für eine eher unübliche Anfrage, aber er hatte erklärt, dass er nach einem verpfuschten Eingriff an seiner Nase eine Hypersensibilität im Gesicht entwickelt hatte. Ein paar meiner Patienten bevorzugten eine Vollnarkose wenn sie invasive Eingriffe hatten, und wir hatten immer einen Anästhesist auf Abruf. So entschied ich, seiner Anfrage nachzukommen. „Das sollte kein Problem sein,“ sagte ich.
Nachdem er gegangen war, dachte ich darüber nach, dass er ein sehr sensibler Mensch war. Wir teilten einige Interessen und es wäre schön, ihn besser kennenzulernen und dabei zu helfen, ein Konzert für die HIV Hilfe in Afrika zu organisieren. Gerne hätte ich jemanden von meinem Treffen mit dem Star erzählt, aber das konnte ich natürlich nicht. Fast hätte ich dem Drang, meinen Bruder Sean anzurufen nachgegeben, aber die Vernunft hatte sich dann doch durchgesetzt. Es hatten schon einige Prominente aus Irland und Übersee meine Klinik besucht, aber jetzt hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, diese Neuigkeit gerne mit jemanden zu teilen. Aber stattdessen durchstöberte ich das Internet, um so viel wie möglich über meinen renommierten neuen Patienten herauszufinden.

Zu meiner Überraschung erhielt ich wenige Tag später einen Anruf von Michael. Er fragte, ob er mich sehen könne da er noch über ein paar Dinge sprechen wollte. Es war schon dunkel, als er in einem kleinen schwarzen VW Transporter eintraf. Sein amerikanischer Fahrer Frank wartete am Parkplatz auf ihn. Wir sprachen über seine Vitiligo, während er die Titel der Bücher in den Regalen durchging. Dann fragte er, ob ich etwas über die Behandlung von Verbrennungen von Kindern hätte. Es überraschte mich etwas, und ich fragte, warum er über dieses Thema lesen wollte.
Er nahm eine Doppelseite der Irish Times und faltete sie auf dem blauen Granit meines Tresens aus. Ich war überrascht, dass er diese Zeitung las und dachte, dass ich wohl noch einiges über ihn zu lernen hätte. Den Artikel, den er mir zeigte, berichtete über zwei Kinder, die in Myoross, Limerik, im Westen Irlands, im Fond eines Autos in Brand gesetzt worden waren. Ihre Mutter, die einen Freund besucht hatte, war von zwei Jugendlichen gefragt worden, ob sie sie mit nehmen könnten. Sie hatte das abgelehnt und sie sind dann, nach einigen Beleidigungen, gegangen. Kurz darauf kamen sie jedoch zusammen mit einem Freund und einer Plastikflache mit Benzin zurück. Sie steckten einen Lappen in den Flaschenhals, zündeten ihn an und warfen die Flasche ins Auto. Die beiden Kinder im Auto waren schnell inmitten eines Infernos. Gavin, 5 Jahre alt und Millie, 7 Jahre alt, krümmten sich vor Qual vor den Augen ihrer entsetzten Mutter. Sheila Murray gelang es dann ihre Tochter, Millie, aus dem Auto zu ziehen, während Nachbarn, darunter auch einer der Täter, der Schmiere gestanden hatte aber nicht realisiert hatte, dass Kinder in dem Auto sassen, Gavin retteten. Beide Kinder mussten unter Narkose gesetzt werden, bevor man sie ins Kinderkrankenhaus Mid-Western-Regional Hospital to Our Lady’s in Crumlin brachte.

„Oh Patrick, ich denke immerzu an diese armen Kinder“, sagte Michael. „Sie müssen unglaubliche Schmerzen haben. Sie geben ihnen Morphium, oder?“ „Ja, wahrscheinlich haben sie eine Morphium Infusion. Ich habe sogar schon in diesem Krankenhaus in der Unfallstation und der Orthopädie gearbeitet. Es wird sich bestimmt sehr gut um sie gekümmert.“
Während des Gesprächs wurde Michael immer aufgeregter. Es war eine entsetzliche Geschichte, und ich konnte mir vorstellen, dass er sie nicht aus dem Kopf bekam, aber irgendetwas war anders – es war so, als könnte er ihre Schmerzen tatsächlich spüren.
„Kennen sie das Krankenhaus? Können sie mich bitte zu einem Besuch mit dorthin nehmen, damit ich sehen kann, dass es ihnen gut geht?“ fragte er.
Ich zögerte, weil ich dachte, es sei unklug wenn er, so kurz nachdem er des Kindesmissbrauchs beschuldigt worden war, diese Kinder besuchen würde, noch dazu, weil eines der Kinder den gleichen Vornamen trug, wie sein Ankläger. Ich sagte: „Ich glaube das ist keine gute Idee, Michael.“ „Patrick, ich weiß welche Schmerzen sie durchmachen. Es ist entsetzlich – einfach entsetzlich. Vielleicht kann ich ihnen irgendwie helfen,“ antwortete er.
„Ich bin sicher, dass die Ärzte alles tun, damit sie möglichst wenig leiden müssen,“ sagte ich und wusste nicht, wie ich meine wirklichen Bedenken anbringen sollte: dass die Medien einen großen Tag mit seinem Besuch haben würden.
„Warum denkst du, dass ich nicht dorthin gehen sollte?“ fragte er ruhig. Mir war klar, dass er abschätzen wollte, wie ich den Ausgang seines Prozesses empfand, und ich dachte sorgfältig über meine Antwort nach. „Warum denken sie, dass ich nicht dorthin gehen sollte?“ fragte er noch einmal.
„Weil die Medien denken werden, dass es nicht angemessen ist, wenn sie ein Kinderkrankenhaus besuchen,“ sagte ich. Er war sehr still und ich spürte, dass meine Antwort ihn enttäuscht hatte. Ich hätte das nicht sagen sollen, aber ich konnte es nicht mehr zurücknehmen.

Zu dem Zeitpunkt war mir nicht bekannt, dass er, wenn er auf einer Tour war, viele Kinderkrankenhäuser besucht hatte, besonders Verbrennungsstationen für Kinder überall auf der Welt. Oft verbrachte er Zeit mit diesen Kindern nach seinen Konzerten, wenn die meisten Künstler entweder ausgelaugt waren, und schlafen wollten, oder noch voller Energie und in Partylaune waren. Michael hatte auf seinen Tourneen jeder Klinik in jeder Stadt, die er besuchte, einen wichtiges, teures Ausrüstungsteil gespendet. Ich hätte ihm eine andere Antwort geben müssen, ich hätte sagen sollen, dass die Medien herausfinden würden wo er sich aufhielt und ihn und seine Kinder verfolgen würden. Meine Antwort musste für ihn so klingen, als würde ich den Ausgang des Prozess nicht glauben.
„Denkst du, ich würde Kinder anrühren?“ fragte er mit Tränen in den Augen.
„Nein, ich glaube, du bist so etwas wie Jesus unserer Zeit“, antwortete ich ihm ehrlich.
Das strahlende Licht in seinenAugen war jetzt erloschen, und seine Schultern schienen in sich zusammenzufallen, als er sich in seinem Stuhl nach vorn beugte. Seine ganze Person schien sich aufzulösen, und die energetische Persönlichkeit verschwand vor meinen Augen. Dann nahm er seine schwarze Perücke ab und zeigte mir seinen Skalp. Sein natürliches Haar war kurzgeschnitten, an manchen Stellen dünn, mit kahlen Stellen und einer langen Narbe am Scheitel seines Kopfs.
„Deshalb möchte ich dort hingehen; deshalb wollte ich heute mit dir sprechen,“ sagte er. „Ich habe auch Verbrennungen und ich weiß, wie es sich anfühlt.“

Mir fehlten die Worte, also besann ich mich auf das, was mir am meisten liegt – Medizin. Ich stand auf und fragte, ob ich seinen Skalp untersuchen dürfe. Ich legte meine Hand auf seine Schulter, und konnte die entstandene Spannung spüren. Mein Mund war trocken und ich wußte, dass ich zögerte. Ich wußte einfach nicht, was ich sagen sollte.
Er erzählt mir, dass 1984, während des Drehs eines Pepsi Werbespots, ein fehlgeleiteter Feuerwerkskörper auf seinen Kopf gefallen war und seine Haare in Brand gesetzt hatte. Es war offensichtlich, dass er Verbrennungen 2. und 3. Grades davon getragen hatte. Erst später erfuhr ich, dass er auch die 1,5 Millionen $ Schmerzensgeld der Versicherung an eine Verbrennungsstation für Kinder in Los Angeles gespendet hatte. Das Brotman Medical Center in Culver City, das später die Verbrennungsstation zu Ehren Michaels umbenannte, kaufte mit dem Geld modernste Ausstattung zu Behandlung von Verbrennungsopfern.
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Michael im Brotman Medical Center, 1984

Als ich die Untersuchung seines Kopfes abgeschlossen hatte, sprachen wir über eine Behandlung des Bereichs mit Haarimplantaten. Michael erzählte mir, dass er Ballonimplantate hatte, um die Haut zu dehnen, damit die Narben herausgeschnitten werden konnten, und das Haar sich so regenerieren könnte. Diese Behandlung zog sich über Jahre, und er gestand, dass er die Hoffnung aufgegeben hatte, diesen Bereich zu regenerieren und deshalb dazu übergegangen war, eine Perücke zu tragen.
Das Ereignis war jedoch noch um so dramatischer weil Michael, wie ich später herausfand, während dieser Zeit von Schmerzmitteln abhängig geworden war. Das war nachvollziehbar, weil auch viele ganz normale Menschen Schmerzmittel nehmen, wenn ihnen etwas furchtbares zugestossen ist, und dann Schwierigkeiten haben, sich selbst wieder davon zu entwöhnen. Mein Gefühl war, dass es in Michaels Fall durch das Einmischen der Medien noch schwieriger war. Als er sich selbst in eine Reha-Klinik einwies, hatte ein verdeckter Reporter mehr als 40.000$ gezahlt, um die Chance zu bekommen, vielleicht mit Michael Jackson in einer Gruppentherapie zu sitzen.
Angesichts des vorhandenen Narbengewebes, das durch die misslungenen Versuche, eine Verbesserung herbeizuführen entstanden war, entschied ich ziemlich schnell, das Michael kein geeigneter Kandidat für Haarimplantate war. Ich dachte daran, wie ein einzigerVorfall das Leben eines Menschen für immer verändern konnte. Er tat mir leid.

Ich sagte zu ihm: „Michael, ich werde morgen persönlich die Klinik besuchen um für sie herauszufinden, wie es diesen Kindern geht, aber ich denke immer noch, dass es nicht so gut wäre, wenn sie selbst dort hin gehen würden.“
„Gibt es etwas, das ich für sie tun könnte, damit es für sie angenehmer wird?“
„Lass mich mir erst einen Überblick über die Situation verschaffen,“ antwortete ich, und dachte daran, vielleicht mit den Eltern sprechen zu können, um herauszufinden, ob die Kinder alt genug waren, um Michaels Musik und auch ein Besuch zu schätzen.
Michael setzte seine Perücke wieder auf, richtete sie in einem kleinen Spiegel und fasste sich wieder. Ich fühlte mich immer noch unbeholfen. Aus irgendeinem Grund dachte ich, dass ich ihn im Stich gelassen hätte. Bevor er ging versicherte ich ihm noch einmal, dass ich am nächsten Morgen die Klinik aufsuchen und ihn über die Situation der Murray Kinder berichten würde.
Am nächsten Morgen holte ich, wie versprochen, Informationen über die Kinder ein. Viele der Ärzte, die ich auf den Korridoren traf, waren damals in den Achtzigern zusammen mit mir Assistenzärzte gewesen, es war wie eine Zeitreise in die Vergangenheit, nur, dass wir alle älter geworden waren. Gavin, der Junge, hatte fürchterliche Verletzungen davongetragen. Seine ältere Schwester Millie hatte 30% ihres Körpers verbrannt, darunter ihr Gesicht, der rechte Arm, das rechte Bein und der untere Rückenbereich.
Ich entschied, dass es nicht sehr klug wäre, wenn Michael das Krankenhaus besuchen würde. Die Möglichkeit, dass sein Besuch unentdeckt bleiben würde, bestand nicht, und es war so gut wie sicher, dass auch die ausländische Presse davon erfahren würde. Sie würden keine Ruhe geben, bis sie herausgefunden hätten, wo er wohnte. Für die Murray Kinder wurde gut gesorgt, sie waren ruhiggestellt und man versuchte, es ihnen so angenehm wie menschenmöglich zu machen. Ich dachte auch, dass sie zu ihrer Genesung ihre Ruhe haben und nicht möglicherweise Objekte eines Medienzirkus werden sollten. Nun musste ich diese Neuigkeiten nur noch Michael mitteilen.
Ich rief ihn an und erzählte ihm, wie es den Kindern ging. Er war entsetzt über das Ausmaß ihrer Verletzungen und wollte sie immer noch besuchen, aber er hatte auch über das, was ich gesagt hatte, nachgedacht, und zugegeben, dass es stimmte – das Medien Interesse wäre zu viel. Ich war erleichtert und sagte ihm, dass ich seine Entscheidung richtig fand.
„Für Eltern gibt es nichts schlimmeres, als wenn deinen Kindern etwas zustößt,“ sagte Michael. „Ich wünschte wirklich, dass ich sie besuchen könnte.“ Dann sprach er darüber, wie sehr er die viele Zeit, die er jetzt mit seinen Kindern verbringen konnte, genoss: „Ich fühle mich wirklich gesegnet, dass ich diese Zeit in Irland mit meinen Kindern verbringen kann. Weißt du, heute unternahmen wir einen Ausritt mit den Pferden. Ich liebe diese Abgeschiedenheit der irischen Landschaft.“ Er erzählte, wegen all der frischen Luft würden sie schlafen wie die Murmeltiere, sobald ihr Kopf das Kissen berührte.

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Prince, Paris und Blanket, Irland 2006

Ich fragte: „Vermissen sie nicht das sonnige Wetter Kaliforniens?“
„Nein, nicht wirklich. Ich mag den Nebel und den Regen, besonders, nachdem ich im Bahrein gelebt habe. Wir sind von dort abgereist und werden nicht zurückgehen. Ich würde mich gerne in Irland niederlassen.“
„Wo genau würden sie gerne wohnen?
„Wicklow gefällt mir und im Moment sehen wir uns auch andere Anwesen an.“
„Vielleicht sollten sie sich Fermanagh ansehen, wo ich aufgewachsen bin,“ sagte ich. „Es ist voller Schlösser und Seen.“
„Schlösser und Magie – das würde den Kindern gefallen.“
Michael erwähnte, seine Kindern sollten ein ungestörtes Privatleben haben. Er erzählte, dass Prince William und Prince Harry nach dem Tod ihrer Mutter auch aufwachsen durften, ohne Übergriffe der Medien. Er fragte sich, ob man in Irland für seine Kinder durch eine ähnliche Vereinbarung auch diese Art Freiheit erreichen könnte. Sie wurden Eltern, und er wußte, dass es an der Zeit wäre, sie in eine normale Schule zu schicken, damit sie ausserhalb ihrer Familie soziale Kontakte knüpfen und eigene Freundschaften aufbauen könnten. Sie schienen es sehr zu geniessen, mit den irischen Kindern an dem Ort irgendwo mitten in Irland, an dem sie wohnten, zu spielen.

Nach einer Weile kamen wir auf den World Music Award zu sprechen, an dem Michael im November teilnehmen sollte. Er wußte, dass die britischen Tabloids schon proklamierten, dass er bei dieser Veranstaltung ein triumphales Comeback liefern würde.
„Wann war ihr letztes Konzert in London?“ fragte ich.
„Das letzte Mal, dass ich in London gesungen habe, war anlässlich des Brit-Awards 1996,“ antwortete er. „Das ist keine angenehme Erinnerung, weil so ein britischer Typ auf die Bühne gesprungen ist.“
Zehn Jahre waren seit dem vergangen und ich hatte vergessen, dass seine „Earth Song“ Performance durch Jarvis Cocker, Sänger der Gruppe Pulp, gestört worden war, der damit dagegen protestieren wollte, dass Michael auf der Bühne als eine Christus ähnliche Figur herüberkam.

>> Fortsetzung folgt in Teil II <<

Dr. Patrick Treacy ist Facharzt für kosmetische Medizin und Gründer der Ailesbury Clinic in Dublin. Sein biografisches Buch, in dem ein Kapitel seiner Freundschaft mit Michael Jackson gewidmet ist, schrieb er 2015.

Quelle: Behind the Mask: The Extraordinary Story of the Irishman Who Became Michael Jackson’s Doctor

Quelle: all4michael.com
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Re: Dr. Patrick Treacy’s New Book : “Behind The Mask”

Beitragvon Gabi-Maus » 8. Feb 2017, 22:50

Patrick Treacy: Begegnungen mit Michael Jackson, Irland 2006 (Teil II)

Zu der Zeit, als die langen Sommertage kürzer wurden, war es mir und Michael zur Gewohnheit geworden, uns zwanglos zu unterhalten, manchmal für mehr als eine Stunde, bevor ich mit der Behandlung begann. Er rief mich fast täglich an, und ich freute mich auf unsere Gespräche. Mit der Vertiefung unserer Freundschaft, eröffneten mir diese Gespräche Einblicke in seine Gedankenwelt. Ab und zu erwähnte er noch das HIV Konzert in Afrika, aber meist war er mit den Gedanken bei seinem neuen Album, an dem er mit dem amerikanischen Sänger Will.I.Am arbeitete. Er sagte, er sei so glücklich wie seit langem nicht mehr, und er geniesse das Leben im ländlichen Irland und die Ausritte in die Berge mit seiner Familie. „Ich muss dir mein Haus zeigen, es wird dir gefallen,“ sagte er.

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Michael mit seinen Kids und Carrie Fisher, Weihnachten 2008, L.A.

Nun kam Dr. Klein ans Telefon und Michael sprach ein paar Worte mit ihm, bevor er ihn an mich weiter gab.

„Hallo, Dr. Treacy? Hier spricht Arnie Klein.“ Michael sass links von mir und hörte mit geneigtem Kopf unserem Gespräch zu und schien sich für jedes Wort zu interessieren. Als wir uns darüber geeinigt hatten, was zu tun wäre, begannen Dr. Klein und ich zu fachsimpeln – zwei Kollegen aus der gleichen Branche, die darüber sprachen, was sie auf ihrem Gebiet erreicht hatten.

„Hast du meinen Artikel im Journal of Dermatological Surgery gelesen?“ fragte er. „Er hiess Minimal Invasive Esthetics: My Life’s Journey.“ Zum Glück hatte ich den kompletten Artikel gelesen; im selben Magazin war auch ein Artikel von mir, über Bio-Alcamid Gesichts-Implantae für von Gesichts Lipoatrophie betroffene HIV Patienten. Wir sprachen eine zeitlang über HIV und ich vergaß Michael, der geduldig auf das Ende des Gesprächs wartete. Ich erklärte ihm die Vorteile von Bio-Alcamid, und er fragte: „Hast du in Irland viele HIV Patienten?“ „Ich antwortete: „Ich hatte viele, aber es werden weniger, weil jetzt auch die Krankenhäuser ästhetische Behandlungen durchführen.“ Michael stand auf und lief hin und her, anscheinend von dem Gespräch gelangweilt, das wohl länger dauerte, als er gedacht hatte. Ich wußte, dass er wegen dem kommenden Event in London beunruhigt war und brachte das Telefongespräch zu einem Ende.

Er fragte: „Was ist HIV Lipotrophie? Mir gefällt, was du mit diesem neuen Produkt für die HIV Patienten tust. Ist es eine Art Filler? Könnte man es auch in Afrika einsetzen?“

Ich erklärte ihm dass Lipotrophie eine Art Fettschwund im Gesicht ist, wahrscheinlich eine Nebenwirkung der Medikamente, die eingesetzt werden, um HIV Patienten am Leben zu erhalten. Weil afrikanische Patienten, besonders in der Sub-Sahara Region, diese Medikamente von ihrer Regierung vorenthalten bekommen, besteht dort kein großer Bedarf an Fillern. „Und was ist mit HIV Patienten in Uganda? Fragt er, und nahm sein Mobiltelefon aus seiner Jackentasche.

„Ich habe in der Tat schon Dr. Alex Coutinho in Kampala angerufen, und mit ihm über eine Versuchsreihe mit dortigen Patienten gesprochen. Aber es gibt Probleme mit der italienischen Herstellerfirma des Produkts, und er war nicht sehr glücklich mit ihren Antworten,“ sagte ich.

Michaels Telefon klingelte und er nahm das Gespräch an. Mit leuchtenden Augen reichte er das Telefon an mich weiter. „Sprich mit ihm!“ sagte er. „Mach nur, es ist mein Freund. Er wird uns mit dem Konzert in Afrika helfen.“ Ich seufzte und nahm das Telefon. Es war nicht wirklich der richtige Zeitpunkt mit jemanden zu sprechen, von dem ich annahm, dass es ein Konzertveranstalter sei. Im Hintergrund hörte ich eine markante Stimme, und ich nahm an, dass die Person sicherlich Afrikaner sei.

„Sie werden also Michael und mir dabei helfen, das Konzert in Afrika zu organisieren?“ fragte ich.

„Ja, wie geht es ihnen? Wir können alles hier in Südafrika möglich machen,“ sagte der Mann am Telefon. „Also ich glaube, das Konzert wird in Rwanda stattfinden“, antwortete ich und sah scharf zu Michael hinüber. Diese Person schien nicht einmal zu wissen, wo das Konzert stattfinden sollte!

Ich fragte: „Von wo sprechen sie?“ „Von Kapstadt“ „Oh, ich habe einmal in Kapstadt gelebt“, sagte ich freundlich und war bemüht, meine Verärgerung zu vergessen.

Michael begann zu lachen. Mit dem Gefühl, dass ich gerade veralbert wurde, fragte ich den Mann am Telefon, wer er sei. „Ich bin Madiba“, lachte er. „Wer ist Madiba?“ fragte ich abwesend und versuchte mich zu konzentrieren. Michael nahm das Telefon wieder an sich, gerade in dem Moment, als mir klar wurde, dass die markante Stimme am Ende der Leitung Nelson Mandela war. Ich konnte nicht glauben, dass der Mensch, den ich einst auf meine bescheidene Art in seinem Kampf um Freiheit unterstützt hatte, gerade mit mir gesprochen hatte und ich so kurz angebunden war. Michael fuhr fort, mit ihm zu sprechen und trotz all der Gesten, die mit meinen Händen machte, wollte er mir nicht noch einmal das Telefon geben. Vielleicht war das nur Michaels Art zu sagen, dass er etwas verärgert war, weil ich so viel Zeit mit Dr. Klein am Telefon vertrödelt hatte, jedenfalls beendete er das Gespräch und steckte das Telefon wieder in die Tasche.

„Ich wollte ihm noch mein Beileid zum Verlust seines Sohnes, der vor kurzem an AIDS gestorben war, ausdrücken“, sagte ich.

„Keine Sorge,“ antwortete er, als er meine Enttäuschung bemerkte, „er würde sich wahrscheinlich sowieso nicht daran erinnern. Es wissen nicht viele Leute, aber er ist im Anfangsstadium von Alzheimer. Wir müssen mit seinem Sohn zusammenarbeiten, um das Konzert zu organisieren. Aber ich verspreche dir, dass wir ihn persönlich treffen werden, wenn wir in Afrika sind.“

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Michael Jackson & Nelson Mandela

„Vor ein paar Jahren ging zum Thema HIV die Geschichte herum, dass du nicht den Blarney Stone küssen wolltest, aus Angst, dir AIDS oder etwas anderes einzufangen.“ Er sagte: „Das meiste davon ist Quatsch. Aber es waren andere Zeiten, als die Leute noch dachten, man könnte durch küssen AIDS bekommen, und es dafür noch kein Medikament gab.“

„Ich weiß – ich wurde einmal mit einer HIV infizierten Injektionsnadel gestochen“, antwortete ich und zog mein Hosenbein nach oben, um ihm meine Narbe an der Stelle zu zeigen, an der ich versehentlich injiziert wurde. Er sah sich schweigend die Narbe an und wußte nicht, was er sagen sollte. „Es ist alles ok“, sagte ich. „Ich lief in den Operationssaal und lies mir ein Stück aus dem Bein schneiden. Ich wurde nie positiv getestet – es ist fast 20 Jahre her.“

„Dann bedeuten die afrikanische Kinder mit HIV für dich das selbe, wie die Fotografien in deinem Buch für mich“, sagte Michael. Das war ein sehr philosophisches Statement, und wir umarmten uns fest. Eine zeitlang sprach keiner von uns. Es gab keinen Grund dazu. Ich hatte meinen Gegner geschlagen, indem ich einen emotionalen Preis zahlte, während Michael immer noch seinen Alptraum durchlebte. Dennoch waren unsere Schicksale durch diese Ereignisse verbunden: Ohne meine Verletzung durch die infizierte Nadel, hätte Afrika mich nicht so angezogen, und ohne meinen HIV Artikel über Afrika, wäre Michael Jackson wohl nie mein Patient geworden.

Ich war in meinem Büro, als Carmel mich rief: „Du musst nach oben in den Glas-Raum! Er nimmt all unsere Cremetuben und steckt sie in seine Taschen.“ Der Glas-Raum war ein Bereich der Klinik, der fast vollständig aus Glas gebaut war, mit von hinten beleuchteten Regalen, in denen wir unsere teuren Kosmetik Artikel ausstellten. Der Raum war groß genug, um ein Beratungsgespräch abzuhalten, war mit Tisch und Stühlen, sowie mit Hautanalyse Geräten ausgestattet. Ich ging nach oben und sah Michael mit dem Rücken zu mir, wie er sich streckte, um an die oberen Regale zu gelangen und von dort noch mehr teure Flaschen zu nehmen und in seine Taschen zu stecken. Als diese voll waren, sammelte er eine Auswahl an medizinischen Hautcremes auf einem Stuhl und steckte sie dann in eine Plastiktüte, die er in einer der Schubladen gefunden hatte.

„Dir ist schon klar, dass ich dir das berechnen muss, oder?“ fragte ich ihn. Er drehte sich zu mir um, sah mich verlegen an, und stellte einige der Flaschen und Tiegel vorsichtig zurück in die Regale, und tat so, als hätte er diese poliert. Seine fliessenden Bewegungen waren beeindruckend, vor allem, da er schon in den 40ern war. Als er sich entschieden hatte, von welchen Produkten er sich trennen konnte, und diese zurück in die Regale gestellt hatte, drehte er sich zu mir um und zeigte die Dinge, die er noch in den Händen hielt, und sagte: „Die hier werde ich mitnehmen.“

Ich war von seiner Impulsivität überrascht, aber ich nehme an, dass er dachte, er könne sich alles nehmen, was er brauchte, wenn er eine Klinik besuchte, weil er Michael Jackson war.

„Es wird nichts für die irischen Ladies übrigbleiben“, erwiderte ich ernst.

Natürlich hatte ich Reportagen in irischen Zeitungen gelesen, in denen man Michael einen „Kind-Mann“(child-man) nannte, aber das war weit von der Wahrheit entfernt. In Wirklichkeit war es so, dass er, wenn er entspannt war, kindgleich (childlike) wurde. Und zwischen den beiden Phrasen besteht ein riesiger Unterschied. Der Mann, den ich kennenlernte, war ein intelligenter, redegewandter, künstlerischer und unglaublich fokussierter Mensch, der gleichzeitig auch sehr sanft und freundlich war.

Als er mich am nächsten Tag anrief und mich zu der Grouse Lodge einlud, war ich nicht wirklich überrascht. „Wenn ich dir einen Fahrer schicke, könntest du heute Abend zu mir nach hause kommen?“ fragte er. „Ich würde dir gerne mein Zuhause zeigen.“

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Grouse Lodge

Der Fahrer hiess Ray O’Hara. Er hatte als DJ mit Phantom Radio gearbeitet, deshalb hatte ich seine Stimme schon einmal gehört. Ray war der primäre Fahrer Michaels in Irland, es gab aber auch andere. Wir unterhielten uns während der Fahrt und er erzählte mir, dass er für Paddy Dunning, dem Besitzer des Grouse Lodge Recording Studios, als Chauffeur arbeitete. Über die Jahre hatte er alle möglichen Bands vom Flughafen abgeholt und sie sicher zur Lodge gebracht. Wir kurvten eine Weile durch die irische Landschaft, und als Ray sicher war, dass uns keiner folgte, machten wir uns auf den Weg nach Rosemount im Bezirk Westmeath. Anscheinend sind ein paar Nächte zuvor ein paar Leute auf dem Grundstück herumgeschlichen, die man aufgriff und hinaus befördert hat.

„Gerade jetzt ist Will.I.Am dort. Ich habe ihn vom Flughafen her gebracht,“ sagte Ray. „Sie arbeiten zusammen an einem Album.“ Ray erzählte mir auch, dass Billy Bush von Access Hollywood vor kurzem Michael im Aufnahmestudio interviewte und anschliessend jedem, den er traf, erzählte, wo er wohnte. Seitdem waren viele Reporter ins Dorf gekommen und fragten die Bewohner danach, ob sie etwas gesehen hätten. „Die Dorfbewohner sagen nichts!“ Sie sind klasse,“ sagte er.

Wir erreichten den Eingang des Anwesens. Die Sonne wurde langsam von der Landschaft verschluckt, und über die nahen Hügel legten sich schnell der Schatten. Ich sah ein paar kurvige Wege, umrundet von einer niedrigen Steinmauer, und der Fahrer deutete auf die Sicherheitsleute, die das Grundstück bewachten. Wir kamen an dem Studio vorbei, indem Michael sein Album aufnahm und fuhren weiter zum Coolatore House.

Die Abgeschiedenheit des Anwesens hatte schon zuvor Dichter und Musiker angezogen, wie z.B. den Nobelpreisträger Seamus Heaney. Die beiden Weltklasse Studios wurden von R.E.M. über Snow Patrol bis hin zu Shirley Bassey von jedem gern genutzt.

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Der Eingang zur Grouse Lodge

In dem gedämpft beleuchteten Vorbau wartete Grace, um mich zu begrüßen. Es war eine ziemlich kalte Novembernacht, und wir redeten kurz über das Wetter, bevor sie mir meinen grünen Mantel abnahm, um ihn aufzuhängen. Es war der Mantel, den meine Mutter mir geschenkt hatte, bevor sie gestorben war, und er war mir kostbar. Kurz danach kam Michael und trug meine Arzttasche hinein. Wir unterhielten uns eine Weile in einem der Zimmer im Erdgeschoss, das mit altmodischen Möbeln und einer hohen, neu gestrichenen Decke ausgestattet war. Kurz darauf stand er unerwartet auf und sagte, dass er wohl besser die Kinder ins Bett bringen sollte. Er sagte, ich solle mit ihm in eines der Schlafzimmer kommen, in dem Prince Michael schon im Bett lag. In dem gedämpften Licht beugte Michael sich über ihn und gab ihm einen gute Nacht Kuss.

„I love you Daddy,“ sagte das Kind.

„I love you too,“ erwiderte Michael.

Diesen Augenblick in dem schwachbeleuchteten Zimmer in mitten des irischen Hinterlandes mitzuerleben, war aussergewöhnlich.Hatte die ganze Welt diesen Menschen verkannt? Und lag ich falsch damit, ihn nicht in das Krankenhaus mitzunehmen, damit er die Murray Kinder besuchen konnte? Michaels ganze Persönlichkeit, seine Wärme und sein Mitgefühl waren ganz klar in der Verbindung zwischen ihm und seinen Kindern zu sehen.

Michael und ich gingen dann die Treppe hinunter in einen der anderen Wohnräume, in dem Paris und Blanket, zugedeckt mit einer Jacke, auch schon eingeschlafen waren. Michael nahm eines der Kinder in seine Arme um es nach oben zu tragen und bat mich, das andere zu nehmen. Ich trug das schlafende 4-Jährige Kind in meinen Armen zum Bett. Da ich es nicht wußte und nur die langen Haare sah, dachte ich, ich trage ein Mädchen. Auf halbem Weg drehte ich mich zu Michael um und sagte: „Sie ist ein süßes Kind.“

„Lass ihn das bloss nicht hören“, entgegnete Michael lachend. „Er ist mein jüngster Sohn!“ Das war also Blanket, das Kind, das Michael für seine Fans über den Balkon des Adlon Hotels in Berlin gehalten hatte. Ich erinnerte mich immer noch an die Tabloid-Bilder des 9 Monate alten Kindes in einem blauen Strampler und einem Tuch über dem Kopf, die begannen, meine positiven Eindrücke von Michael anzufressen. Was war die Wahrheit? Der liebevolle Vater oder das unberechenbare Individuum, wie es die britische Klatschpresse zeigte? Mein Innerstes schrie, es sei ersteres und einen Augenblick lang dachte ich daran ihn zu fragen, was in dieser Nacht wirklich passiert war. Aber es schien nie der richtige Zeitpunkt zu sein, ihm solche Fragen zu stellen.

Ich fragte: „Warum hast du ihn Blanket genannt?“

„Das ist ein Spitzname – sein wirklicher Name ist Prince Michael Joseph Jackson II. Blanket ist sein Kosename und bedeutet ‘Segen’.“

Wir legten die Kinder in ihre Betten. Paris kuschelte sich an ihn und er küsste sie zart auf die Stirn. Ich hatte immer gedacht, Michael Jacksons Element wäre die Bühne, aber das hier war sein Element! Die Liebe und Normalität, die diese Szene ausstrahlte, berührte mich. Er war ganz augenscheinlich ein hingebungsvoller Vater, von seinen Kindern heiss geliebt und sehr weit entfernt von dem Bild, das die Medien von ihm zeichneten. Mehr als einmal hatten diese angedeutet, dass er seinen Kindern Schaden zufüge, indem er ihre Gesichter hinter Schleiern verstecke und sie zuhause unterrichten lasse.

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Grouse Lodge – Interieur

Als er sicher war, dass die Kinder schliefen, brachte er mich nach oben in ein anderes Zimmer. Eine zeitlang sprachen wir über die Fortschritte, die die Murray Kinder machten und wie er mit seinen Kindern den Tag verbracht hatte. Dann kamen wir auf einen geplanten Eingriff zu sprechen.

„Wie stark werden die Schmerzen sein?“ fragte er.

„Es ist schon etwas schmerzhaft““ antwortete ich. „Aber wenn du gerne ein Narkose möchtest, kann ich es selbst tun und ich bestelle einen Anästhesisten von einem Krankenhaus in der Nähe auf Abruf.“ Ich hatte kein Problem damit, es selbst zu handhaben, da ich durch meine Arbeit mit dem Royal Flying Doctor Service in Australien und in Unfallstationen und Notaufnahmen sehr viel Erfahrung mit IV-Narkose gesammelt hatte. Bevor er etwas darauf entgegnete, dachte er einige Zeit darüber nach.

Dann sagte er: „Ich werde es ohne Narkose machen. Ohne die Anwesenheit eines Anästhesisten möchte ich keine Narkose bekommen.“

Auch wenn diese Aussage zu der Zeit keine große Bedeutung hatte, hörte ich sie in den Jahren nach seinem Tod oft deutlich in meinem Kopf. Während des Prozesses gegen die Person, die beschuldigt wurde, seinen Tod verursacht zu haben – Dr. Conrad Murray – riefen die Anwälte der Verteidigung Dr. Paul White als ihren Star Zeugen auf. Er lieferte eine Expertise, in der er den berühmten Sänger beschuldigte, seinen Tod selbst verursacht zu haben. Er sagte aus, Michael Jackson hätte sich selbst Propofol injiziert, nach dem die Wirkung der von Murray verabreichten Dosis nachgelassen habe. Das widerspricht jedoch völlig dem, was ich in jener Nacht in Irland hörte. Mein Patient erklärte mir gegenüber, dass er sich keiner Narkose unterziehen würde, wenn sie nicht durch einen Anästhesisten verabreicht würde. Ich sah in Michaels Haus niemals Medikamente und er wollte nie etwas von mir verschrieben haben, das stärker als Diätpillen war. Wie ein Kardiologe dazu kam, ihm in seinem Haus, in der Nähe seiner Kinder, selbst Propofol Infusionen zu verabreichen, kann ich mir absolut nicht erklären.

Michael fragte mich, ob ich es eilig hätte, zurück nach Dublin zu fahren. Aber ich war nicht in Eile. Ich wollte ausserdem noch mit ihm über seine offenen Rechnungen sprechen. Er antwortete: „Es tut mir wirklich Leid, Patrick, ich fürchte, du musst noch warten, bis ich aus London zurück bin. Mein Geld ist momentan noch fest angelegt, aber meine Leute arbeiten daran.“ Da mir nichts anderes übrig blieb, stimmte ich zu, zu warten. Es muss sehr schwer für ihn gewesen sein, nicht über flüssiges Geld zu verfügen, nachdem er doch sein ganzes Leben lang so viele Millionen verdient hatte. Manche Prominente hatten die Einstellung, dass ich doch dafür dankbar sein könne, sie behandeln zu dürfen – aber da ich nicht über sie sprechen durfte, hatte ich keinerlei Nutzen davon. Michael hatte diese Einstellung jedoch nicht – ihm war diese ganze Situation fremd und ungewohnt.

Er sagte: „Ich muss meine Finanzen wieder unter Kontrolle bringen. Ich möchte nicht als einer dieser verarmten, schwarzen Künstler sterben, während andere an mir profitieren.“ „Nunja, diese Gefahr besteht ja zum Glück nicht, weil du gesund wie ein Fisch im Wasser bist.“ entgegnete ich. „Gesund wie ein Fisch im Wasser“, wiederholte er und lachte dann über diesen Ausdruck. „Das gefällt mir.“

Michael öffnete eine Flasche Wein und wir tranken ein paar Gläser. „Vermisst du Neverland?“ fragte ich ihn.

„Nein, Neverland ist Vergangenheit. Die Medien wundern sich wahrscheinlich darüber, dass ich überleben kann, ohne täglich mit meinem Riesenrad fahren zu können. Sie sind dumm!“

Er fuhr fort zu erklären, dass Neverland seinTraum gewesen sei, dass er es lange Zeit geliebt habe, aber es in etwas Schmutziges verwandelt worden sei. Sein Zuhause war immer viel mehr, als nur ein Freizeitpark. Es diente dazu, tausende von Kindern zu unterhalten: nicht nur kranke, sondern auch welche, die aus unterprivilegierten Schichten stammten und dort eine Pause von ihrem Alltag finden konnten.

„Ich erbaute ein Zuhause, in dem Kinder sich sicher fühlen konnten, eine Art Zufluchtsort,“ sagte Michael.

Er liess sich in den Sessel fallen und seufzte. Ich kam nicht umhin zu denken, dass viel von der negativen Presse nicht stattgefunden hätte, hätte er keine Vitiligo gehabt. Er sah seltsam aus, ergo musste er auch seltsam sein – auf diese Art schien es zu laufen, und als diese Vorstellung einmal im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert war, fütterten die Medien weiter den Wahnsinn, den sie selbst erschaffen hatten.

„Es gibt viele verrückte Leute in Amerika,“ sagte Michael. „Ich verschleiere meine Kinder, damit sie ihre Zeit unbehelligt verbringen können, wenn sie mit ihrer Nanny unterwegs sind. Indem ich ihre Bilder aus den Zeitungen fernhalte, sinkt die Wahrscheinlichkeit dass sie zum Ziel der Medien werden.“

„Kannst du dir vorstellen, hier eine neue Heimat zu finden?“ fragte ich ihn.

„Patrick, ich liebe Irland, es wäre ein wunderbarer Ort, um meine Kinder groß zuziehen. Wir machen hier vieles gemeinsam. Ich arbeite noch daran. Ich muss mein Leben und meine Finanzen sortieren und dann kann ich hier ein Zuhause gründen. Sicherlich wäre es mir nicht möglich, das ganze Jahr über hier zu leben, aber bestimmt einen großen Teil davon.“

Wir unterhielten uns ein bisschen über die World Music Awards. Ich sagte ihm, dass Andrea Bocelli dort sein würde. Ein paar Jahre zuvor hatte ich Bocelli und Pavarotti innerhalb einer Woche gesehen. Ich erzählte ihm auch, dass ich Pavarotti Backstage getroffen hatte, und dass diese ganze Woche für mich aussergewöhnlich gewesen war, weil ich auch noch ein U2 Konzert in München besucht hatte. „Bono tut auch viel für Afrika. Wenn du dich hier niederlässt, könntet ihr beiden euch zusammentun,“ sagte ich scherzhaft.

„Ich glaube nicht, dass Bono mich mag,“ entgegnete er.

Ich fragte ihn nie nach, warum er das dachte.

Er fragte mich: „Woher kommst du? Hast du schon immer in Dublin gewohnt?“

„Nein, eigentlich stamme ich aus Fermanagh in Nord Irland.“

„Oh ja, stimmt, du hattest das schon zuvor erwähnt. Wie viele seid ihr in eurer Familie?“

„Ich habe 3 Brüder und 3 Schwestern.“

„Fast wie bei mir. Aus welchem Teil von Fermanagh kommst du genau? Ich habe gehört, es gibt dort ein paar sehr schöne Grundstücke.“

„Aufgewachsen bin ich in Garrison, einem kleinen Ort am Rande von Lough Melvin. Du magst doch Charlie Chaplin. Er hat einmal in diesem See geangelt.“

„Ich liebe Charlie Chaplin! Das ist klasse! Wir müssen unbedingt dahin fahren, und dem See einen Besuch abstatten.“

„Es wird dir da gefallen, es ist wunderschön dort.“

Ich erzählte ihm, dass ich gerade ein Video von Lough Melvin auf You Tube hochgeladen hatte, und erklärte ihm, dass wir dort einen Laden, eine Tankstelle und eine Werkstatt besessen hatten, und ich im Sommer immer im See schwimmen war.

Er sagte: „Das klingt nach einer wunderbaren Kindheit. Hattest du ein gutes Verhältnis zu deinem Vater?“

„Oh ja“, entgegnete ich. Ich erzählte ihm dann, dass mein Vater schon vor ein paar Jahren verstorben war, aber das er ein guter Mensch gewesen sei, den jeder mochte.

„Ich hoffe, dass meine Kinder das über mich auch eines Tages sagen werden, Patrick.“

„Ich habe euch zusammen erlebt und bin sicher, dass sie das sagen werden, Michael.“

„Danke, mein Freund.“

Er hatte mich an meinen Vater erinnert und ich begann, über die guten Zeiten zu erzählen, die wir zusammen verbracht hatten, und dass er immer für alle von uns da war. Ich erzählte ihm eine Geschichte von meinem Vater aus der Zeit, in der ich noch am St. Michaels College in Enniskillen war. Ich hatte in diesem Jahr am Irish Aer Lingus Biochemist of the Year Wettbewerb teilgenommen und hatte eine Studie über die Auswirkungen verschiedener Tonschwingungen auf das Wachstum von Mungbohnen erstellt. Für dieses Projekt brauchte ich besondere hölzerne Lautsprecherboxen mit einer speziellen Aukustik-Dämmung, um sicherzustellen, dass die Pflanzen von anderen Schallwellen isoliert sein und nur von denen beeinflusst würden, die ich mit einem Schwingungsoszillator erzeugte. Die Materialien dazu war sehr teuer und ich ging eines Abends zu Bett und war deprimiert darüber, dass ich nicht das Geld hatte, um sie mir zu kaufen, erklärte ich Michael.

„Und was geschah dann?“ fragte er.

„Nunja, am nächsten Morgen wachte ich auf und stellte fest, dass mein Vater mir in der Nacht diese Lautsprecherboxen gebaut hatte. Er hatte das große Holzdisplay, das aussen an der Werkstatt war, abmontiert und die ganze Nacht durch gearbeitet, um dieses Vorhaben fertigzustellen.“

Ich erklärte ihm, dass dieses Werbedisplay etwa 4,5 x 3 m groß gewesen war, und es einmal sehr viel Geld gekostet hatte. Michael war von der Geschichte ganz begeistert und klatsche in die Hände und wollte wissen, was denn aus dem Projekt geworden war. Er war fasziniert, als ich ihm sagte, dass die Pflanzen fast 4 Mal so groß gewachsen waren, wie normalerweise und dass ich den Wettbewerb gewonnen hatte.

„Das ist unglaublich!“ sagte er. „Was denkst du, sind die Gründe dafür? Haben sie auf einen bestimmten Sound reagiert, der ihnen gefallen hat?“

Als ich ihm von den unterschiedlichen Wellenlängen erzählte, die ich eingesetzt hatte, hörte er gespannt zu und nickte enthusiastisch. Ich konnte mir schon fast vorstellen, dass er diese zukünftig für einen Song zur Rettung der Erde einsetzen würde. Ich wußte, er hätte gerne gehört, dass die Pflanzen auf ein bestimmtes Geräusch reagierte hätten, und aus dem Grund besser gewachsen waren. Aber in Wirklichkeit war es nicht ganz so romantisch. Die Pflanzen waren wohl nicht besser gewachsen, weil sie einen bestimmten Sound mochten, vielmehr reagierten sie auf das Ethylengas, das aus der Erde strömte, wenn die Schallwellen sie in Schwingungen versetzte. Das war die plausibelste Erklärung, die ich zur Zeit des Experiments dazu abgeben konnte. Michael schien von meiner trockenen, wissenschaftlichen Begründung enttäuscht zu sein, und ich bekam den Eindruck, dass er dachte, ich würde Blödsinn reden. Zu dem Zeitpunkt glaubte ich jedoch, ihn schon gut genug zu kennen, um das Gespräch etwas humorvoller zu gestalten. Deshalb sagte ich: „Michael, hätte ich dich damals schon gekannt, dann hätte ich den Pflanzen sicher den Earth Song vorgespielt.“ Er sah mich kurz nachdenklich an und lachte dann los. „Nein,“ sagte er, „diese Pflanzen hätten eher Beat It zuhören sollen, und zwar ziemlich laut! Mitsamt Eddie van Halen an seinem Marshall Verstärker, das hätte sie zum Wachsen gebracht!“

Wir lachten eine Zeit darüber und tranken ein paar Schlucke Wein.

„Du musst doch heute keine Patienten mehr behandeln, oder?“

„Nein.“

Michael schwieg einen Moment.

„Das war wirklich klasse, was dein Vater getan hat,“ sagte er dann. „Ich glaube nicht, dass Joe das für mich getan hätte. Hat dein Vater dich jemals geschlagen?“

„Oh mein Gott, nein! Er hat niemals gegen uns die Hand erhoben, er hätte das nie..“

„Joe tat es, ständig,“ unterbrach mich Michael. „Er wollte einmal Profiboxer werden. Wenn er dich geschlagen hat, dann hast du es richtig bekommen.“

Der Gedanke daran, dass der Mann einmal vorhatte, Boxer zu werden, machte die Vorstellung, dass er seine Kinder geschlagen hatte noch schlimmer. Mir war klar, dass es damals andere Zeiten waren, in denen körperliche Züchtigung noch akzeptiert wurde, aber laut Michael hatte Joe wohl auch zu der Zeit schon die Grenzen der Akzeptanz überschritten.

„Ich versuche es zu verstehen“, sagte Michael. „Manchmal denke ich, dass er wohl glaubte, das sei das Beste, was er mit so vielen Kindern und in einer schlechten Gegend tun konnte.“

Michael machte ein Pause und versuchte, seine Worte vorsichtig auszuwählen.

„Er wollte Musiker werden, musste aber seine Kinder durchfüttern. Vielleicht war es gescheiterter Ehrgeiz, vielleicht sah er unser Talent, und trieb uns unermüdlich an, immerzu…. Ich hatte Angst vor ihm. Manchmal denke ich, wir waren einfach nur sein „Meal ticket“. Vater zu sein, kann anstrengend sein, aber ich hoffe, meine Kinder werden schönere Erinnerungen an mich haben.“

„Das werden sie ganz sicher,“ entgegnete ich.

„Meine Mutter war ganz anders,“ sagte Michael. „Sie ist eine ganz besondere Frau: freundlich, sanft und viel zu vertrauensvoll. Sie ist die Matriarchin der Familie und ich habe meine Stimme von ihr.“

Wenn Michael von seiner Familie sprach, wurde er defensiv. Er sagte: „Ich mag meine Familie nicht besonders. Trotzdem wünschte ich mir eines Tages ein besseres Verhältnis zu meinem Vater zu haben.“

Mir war bekannt, dass seine Schwester La Toya, zu der Zeit, als er der beschuldigt wurde, Kinder zu belästigen, ein Presse Statement abgab, in dem sie sagte, sie könne seinen Umgang mit Jungen nicht länger billigen. Er war noch immer enttäuscht von ihr. Er sprach etwas von seinen Brüdern, hörte aber schnell damit auf.

Als ich später darüber nachdachte, verstand ich Michael etwas besser. Seine Mutter Katherine hatte Polio als sie noch recht jung war, und hinkte seit dem. Er hatte die Auswirkungen dieser Krankheit seit seiner frühsten Kindheit miterlebt. Er wurde von einem gewalttätigen Vater erzogen und dachte, Jesus sei der Erlöser. Sein Schicksal war es, berühmt, aber dennoch ohne Geld und von anderen abhängig zu sein. Seine Menschlichkeit hatte ihn Millionen für andere spenden lassen, während er selbst momentan nicht einmal ein paar Hautcremes bezahlen konnte. Es war keine Überraschung, dass er versuchte, alles besser zu machen und die Welt heilen wollte.

Als wir beide noch etwas mehr getrunken hatten, begann er über den Prozess (von 2005) zu sprechen und wies deutlich darauf hin, dass er hereingelegt wurde.

„Ich würde niemals ein Kind verletzen – jeder, der mich kennt, weiß das. Sie sagten mir, ich solle einen Teil meines Musikkatalogs abgeben, oder sie würden diesen Fall gegen mich vor Gericht bringen.“

Ich fragte: „Wer sagte das? Dein Plattenverlag?“

Jetzt, im Nachhinein, weiß ich, dass dieses Gespräch für die Öffentlichkeit von Bedeutung war, aber er hat diese Frage nie wirklich beantwortet. Er sagte, er bekam einen Anruf und bekam das unheimliche Gefühl, dass er sich sehr vor jemanden zu fürchten hatte.

„Sie beobachten dich, sie beobachten uns alle,“ sagte er.

Ein kalter Schauer überkam mich und ich fiel automatisch in die Rolle des Arztes, der am Bett seines Patienten sitzt, und ihn aufmuntert, sich alles von der Seele zu reden. In Amerika glaubte man also immer noch weitverbreitet daran, dass er schuldig war, trotz des Freispruchs, weshalb er sich von seinem eigenen Volk im Stich gelassen fühlte – sogar von denjenigen, für die er sich immer eingesetzt hatte. Er sprach auch über Martin Bashir und dann verstummte er. Ich sah ihm in die Augen und sah, wie sie sich mit Tränen füllten. Er wischte sie mit dem Handrücken fort, und sagte für lange Zeit nichts mehr.

„Es wird Zeit für mich wieder nach Dublin aufzubrechen,“ sagte ich.

„Ich hoffe, du musst heute Nach keine Patienten mehr besuchen. Danke für das Gespräch,“ sagte er und schüttelte meine Hand.

„Kein Problem, „ entgegnete ich. „Sieh mal in den Spiegel – die Filler sind schon verschwunden.“ Er holte einen Spiegel und sah sich sein Gesicht an. „Wunderbar! Genau so hatte ich es mir vorgestellt,“ sagte er. Wir standen auf und ich wollte meinen grünen Mantel holen, aber er hing nicht mehr im Flur. Wäre es irgendein anderer Mantel gewesen, hätte ich Michael einfach gebeten, ihn beim nächsten Besuch in der Klinik mitzubringen. Michael und ich suchten die unteren Zimmer ab, konnten ihn aber nirgends finden. Wir baten sogar Ray, im Auto nachzusehen, für den Fall, dass ich ihn garnicht mit hineingebracht hätte, obwohl ich mir ziemlich sicher war, dass ich es hatte. Schliesslich fanden wir ihn hinter dem Sofa des Zimmers, in dem Blanket geschlafen hatte. Michael versuchte vergeblich nicht zu lachen, als er ihn mir überreichte und sagte mit einem fürchterlichem irischen Akzent: „Er ist wohl ein kleiner Dieb, ganz wie sein Vater!“

Ein paar Tage danach flog Michael nach London um bei den World Music Awards aufzutreten. Es war sein erster Auftritt in England seit fast zehn Jahren, und er wurde mit dem Diamond Award für den Verkauf von mehr als 100 Millionen Alben ausgezeichnet. Ein paar Jahre zuvor war er schon mit dem Millenium Award ausgezeichnet worden, für den Verkauf einer drei viertel Milliarde Alben im Laufe seiner Karriere. Obwohl der Applaus bei seinem Erscheinen auf der Bühne unbeschreiblich war, lief es später nicht mehr so gut, als das Publikum merkte, dass er wohl nicht mit Chris Brown zusammen Thriller singen würde. Die Zuschauer waren nicht davon beeindruckt, dass er nur eine Version von We Are The World zusammen mit einem Kinderchor performte, wobei der Chor den größten Teil des Liedes sang. Michael sang nur den Refrain bevor er sich an sein Publikum wandte und ihm „I Love You“ zurief.*

Die Britischen Medien waren gnadenlos mit ihren Kritiken. Der Daily Mirror schrieb: „Als er aufhörte zu singen, verstand keiner warum. Aber als er dann herumrannte, verloren viele Leute die Geduld. An dem Punkt begann das Ausbuhen, das lauter und lauter wurde, bis er die Bühne verlies.“ Die letzte Zeile des Berichts fasste dann zusammen: „Das sollte das große Comeback des King Of Pop sein, aber es endete im Chaos.“

Als Michael nach Irland zurückkehrte, tat er mir leid. Nach ein paar Tagen gestand er mir, dass er sich nicht mehr zutraue die Queen zu treffen, nachdem was nach de World Music Award passiert war. „Ich habe das wohl vermasselt,“ sagte er. „Ich werde die Zeitungen erst garnicht lesen. Ich weiß, dass sie mich hassen.“

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World Music Award, London 2006

* World Music Awards, London 2006 – was wirklich geschah

Es gab Zeiten, da spürte ich, dass Michael einsam war und einen Freund zum reden brauchte. Sicher hatte er Grace, aber es gab noch andere Dinge, die sein Leben schwer machten. Er fürchtete, seine Fans würden ihn im Stich lassen und er würde isoliert werden, weg von seinem Zuhause, seinen Freunden und seiner Arbeit. Er wollte ein neues Album aufnehmen, aber seine Zuversicht war angeschlagen, und ich konnte ihm dabei auch keine Hilfe sein. (…)

Gegen Ende November machte ich eine weitere Reise mit Kostas Giotas, dem Direktor von Direct Hair Implant, nach Abu Dhabi, um dort 20 Patienten zu behandeln, die an dieser Methode interessiert waren. Wir flogen über Manchester, wo ich noch für ein paar Ärzte einen Vortrag über Bio-Alcamid Implantate bei HIV Patienten hielt. Während des Vortrags rief Michael an, um zu fragen, wie es mir geht, und er fragte die erstaunte Dame, die während meiner Rede mein Telefon festhielt, ob er mich sprechen könne. Er wünschte mir alles Gute und fragte, ob ich ihm als Souvenir eine Menü Karte des Emirates Palace in Abu Dhabi mitbringen könnte.

„Und wenn du aus Abu Dhabi zurück bist, möchte ich mit dir noch über ein paar weitere kosmetische Behandlungen sprechen. Ich hasse es, älter zu werden und ich werde wohl für immer in Irland bleiben müssen, damit du mich jung bleiben lässt,“ sagte er lachend.

Als ich aus den Emiraten zurück war, rief Michael wieder an um zu fragen, ob ich mit Blanket zum Zahnarzt gehen könnte. Er sagte, er sei den ganzen Tag im Studio und könne seinen Sohn deshalb nicht begleiten, würde ihn aber mit einem Fahrer nach Dublin schicken. Michaels Kinder waren liebenswerte, anständige Kinder – eine Anerkennung die ihm gebührt. Blanket war der stillste, aber er erinnerte mich sehr an Michael. Auch wenn er nicht viel sprach, erstaunte es mich immer wie wachsam er war, er nahm alles auf, was um ihn herum vorging. Sein Vater sagte, zuhause sei er nicht so still, aber er brauche eine Weile um mit neuen Menschen warm zu werden. Mich hatte er schon mehrmals getroffen, deshalb war ich für ihn kein Fremder mehr.

Als Blanket gebracht wurde, holte ich ihn vom Auto ab, nahm ihn an der Hand um ihn zum Zahnarzt zu begleiten. Wie immer sah er tadellos aus. Er erweckte immer den Eindruck, als sei er frisch gebadet. Seine glänzendes schwarzes Haar, das zu einem Zopf gebunden war, umrahmte sein blasses Gesicht und die dunklen, intelligenten Augen. Die Ailesbury Klinik lag nur ein paar Schritte von der Zahnklinik entfernt, deshalb brachte ich ihn mit meiner Arztkleidung hinüber. Er sah sehr klein aus, in dem großen Behandlungsstuhl und er lies mein Gesicht nicht aus den Augen.

Als die Behandlung beendet war, nahm ich ihn mit in meine Klinik und setzte ihn auf das Sofa im Wartezimmer, wo er völlig fasziniert die blinkenden Lichter des Weihnachtsbaums ansah. Ich sagte ihm, dass er kurz fernsehen könne, während ich mich umziehen würde, um zum Mittagessen zu gehen. Es dauerte nur ein paar Minuten, und als ich zurück zum Wartezimmer ging, sagte man mir, dass sein Fahrer da sei. Blanket stand jetzt bei dem Kamin, genau neben einem Schneemann aus Holz, der viel größer war, als er. Seinen Arm hatte er um den Hals des Schneemanns gelegt. Ich stand in der Tür und sagte ihm, dass der Fahrer jetzt da sei. Er blieb wo er war. Ich streckte meine Hand aus und signalisierte ihm, dass er kommen solle, aber er bewegte sich nicht. Er kniff die entschlossen die Lippen zusammen, hielt den Schneemann noch fester, und hielt den Atem an.

„Warum nimmst du deinen Freund nicht einfach mit?“ fragte ich ihn. Man konnte sehen, wie er erleichtert ausatmete und mir dann ein wunderbares Lächeln schenkte, das sein ganzes Gesicht aufleuchten lies und mich an seinen Vater erinnerte. Er ging in meine Richtung, wurde aber von dem Gewicht des Schneemanns, den er neben sich her schleppte, behindert. Ich wollte ihm tragen helfen, aber er zog ihn von mir weg – niemand ausser ihm sollte ihn anfassen! Blanket kämpfte sich mit dem Schneemann aus der Tür, wo der Fahrer ebenfalls versuchte, ihm zu helfen, aber auch das wollte er nicht. Es war lustig zu sehen, wie der kleine Kerl fest entschlossen seinen neuen Freund zum Auto schleppte, ein Bild, das ich nie vergessen werde.

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Blanket, Dezember 2006- zurück in in Las Vegas

Ich sprach Michael noch einmal auf seine Rechnung an und er sagte, er würde einen Fahrer nach Dublin schicken. Der Fahrer kam und hatte, wie erwartet, Dollarbündel dabei. Als Weihnachten näher kam, schien er wieder sehr glücklich zu sein. Er hatte seine Familie um sich und sich überlegte, welche Geschenke er für sie kaufen wollte.

In der ersten Dezemberhälfte zog ein atlantisches Tief über Irland, und brachte viel Regen mit sich. Gegen Ende des Monats war es frostig kalt, und Michael rief mich an um zu sagen, dass er zurück in die Staaten gehen würde, um dem kalten Irischen Winter zu entkommen. Ich schätzte, es war schon lange her, dass er während des Winters in einer kalten Klimazone gelebt hatte, obwohl er in Gary, Indiana, aufgewachsen war. Am Weihnachtstag starb die Soul Ikone James Brown, und ich schickte Michael eine Nachricht, um mein Mitgefühl auszudrücken. Ich erhielt nie eine Antwort und nahm an, dass Michael sein Irisches Telefon nicht mehr benutzte. Später kontaktierte er mich jedoch, und teilte mir mit, dass er in Las Vegas wohne und so bald wie möglich nach Irland zurückkehren wolle. Die Jahre vergingen und viele andere Dinge passierten in Michaels Leben. Er kam nie zurück nach Irland.

Übersetzung: M.v.d.Linden

Dr. Patrick Treacy ist Facharzt für kosmetische Medizin und Gründer der Ailesbury Clinic in Dublin. Sein biografisches Buch, in dem ein Kapitel seiner Freundschaft mit Michael Jackson gewidmet ist, schrieb er 2015.

2011 hielt Dr. Patrick Treacy anlässlich des Festakts zur Wiederenthüllung von Michael’s Namen am Auditorium der Gardener School, Los Angeles, eine Rede. Hier ein paar Auszüge daraus:

Elie Wiesel, ein Holocaust Überlebender, sagte 1999 in einer Rede vor dem Weissen Haus: „Dankbarkeit ist, was die Menschlichkeit eines Menschen auszeichnet.“

Und Dankbarkeit ist das, was wir heute einem schwarzen Jungen aus Amerika zeigen sollten. Sein Name ist Michael Jackson, und ich habe die Ehre, ihn einen Freund nennen zu dürfen. Oft stand er ganz alleine auf, um sich für die Kinder der Welt, oder für Opfer von Krankheit und Ungerechtigkeit einzusetzen.

Michael war sehr betrübt über das Elend, das er überall auf der Welt sah, aber noch mehr betrübte ihn die Gleichgültigkeit, die diesem Elend entgegen gebracht wurde.

„Ich danke dir, dass du dich für Afrika eingesetzt hast“

Ohne Starallüren, ohne Glanz und Gloria, galt seine Sorge allein dem Leben anderer Menschen, die auf einem anderen Kontinent lebten und auf dem keiner von uns beiden geboren war.

(…)

In seiner Rede sagte Elie Wiesel auch ein paar Worte zur Gleichgültigkeit. Er sagte: “Gleichgültigkeit gegenüber den Leidenden der Welt ist, was die Menschen unmenschlich macht.”

Für eine gleichgültige Person ist der oder die Nachbar(in) unwichtig. Ihre Leben sind bedeutungslos, weil Gleichgültigkeit einen anderen zu etwas Abstraktem reduziert. Gleichgültigkeit schafft immer einen Vorteil für den Aggressor – nie für sein Opfer, dessen Schmerzen noch vermehrt werden, wenn er oder sie sich vergessen fühlt.

Michael Jackson fühlte diesen Schmerz, nicht nur den der hungrigen Kinder, sondern auch seinen eigenen, als die Menschen Amerikas gegenüber der Ungerechtigkeit, der er ausgesetzt war, gleichgültig blieben. Er wurde zu einem Gefangenen in seinem eigenen Land und floh deshalb in den Mittleren Osten und schliesslich nach Irland, meine Heimat.

Welche Ironie, dass der Mensch, der sich so sehr um die Menschheit sorgte, von dieser zurückgewiesen wurde. Es schmerzte ihn sehr, und einmal sprach er mit mir darüber, meistens jedoch wollte er nicht darüber reden und ich sprach ihn deshalb nie auf diese schmerzhaften Erinnerungen an.

Michael Jackson war niemals gleichgültig. Er brachte Licht, wo Dunkelheit war, Hoffnung, wo Verzweiflung war, er wandte sich nie von Grausamkeiten ab, wenn er Mitgefühl zeigen konnte. Wir haben gerade erst ein neues Jahrhundert begonnen, ein neues Jahrtausend. Die ersten 10 Jahre waren einige der brutalsten Zeiten denen der Planet je gegenüberstand. Das Jahrhundert begann mit den Terror Attacken auf das World Trade Center und das Pentagon. Diese Aktionen brachten dieses große Land in Konflikte mit dem Irak und Afghanistan. Es gab Kriege in mehr als 20 Ländern, was einen dunklen Schatten auf die Menschlichkeit wirft: So viel Gewalt, soviel Schmerz…

Wenn es heute eines gibt, um das Andenken an Michael Jackson zu bewahren, ist das, nicht gleichgültig gegenüber dem Leid zu bleiben, das wir überall in der Welt sehen.

(…)

Lasst uns Gott dafür danken, dass er uns einen Engel wie Michael schickte, der für eine Weile unter uns lebte, und lass uns nicht dem Unrecht, das wir um uns herum sehen, gleichgültig gegenüber stehen. Wenn Michael etwas von uns erwarten würde, das ihn glücklich machen würde, wenn er heute auf uns herunter schaut, dann wäre es, dass wir uns nicht von den Opfern von Unterdrückung und Gewalt abwenden und wenn wir jemals im Unklaren darüber sind, wie wir zu handeln haben… überlegt einfach:

“Was würde Michael tun?”

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Quelle: all4michael.com
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