The King of Style in deutscher Übersetzung

Neuigkeiten aus dem Bücherregal !!
auch E-Books

AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 1
Zugriffe: 662

Re: The King of Style in deutscher Übersetzung

Beitragvon Mjj forever » 30. Jan 2013, 22:25

Ich finde es auch interessant. Nachdem ich das englische bei RMJ gesehen habe - möchte ich mir die deutsche Ausgabe erst einmal ansehen.
Wenn Sie auch so toll aussieht, kaufe ich es mir auf deutsch - sonst lieber in englisch. Denn es sieht einfach super aus - finde ich.
Bild
Benutzeravatar
Mjj forever
Team
Team||
 
Beiträge: 1895
Registriert: 06.2010
Wohnort: Duisburg
Geschlecht: weiblich

Re: The King of Style in deutscher Übersetzung

Beitragvon Remember MJ » 2. Feb 2013, 23:29

Kapitel Sechs
Zeremonienmeister


Wenn du durch die Türen zum Studio gehst, um dich darauf vorzubereiten, zu filmen, wird an der Tür deine Identität geprüft. Ich war nicht länger Michael Bush. Ich war „Garderobe“. In diesem Business wirst du aufgrund deiner Stellenbeschreibung her zitiert. Wenn dein Job Haare sind, ruft jemand „Haare“, und wenn dein Job Make-up ist, dann wirst du einen weiteren Ruf nach „Make-up“ hören“! Und wie ein Hund auf eine Pfeife reagierst du. Es ist nichts Persönliches; es sind dort einfach zu viele Leute, um sich an die Namen zu erinnern, und die Drehtür des Studios macht es nahezu sinnlos zu versuchen sich an einen Namen zu erinnern. Aber mit Michael zu arbeiten war etwas anderes. 1991, ich war nun schon sechs Jahre bei ihm, zu der Zeit, als wir auf dem Set für den Black or White Kurzfilm waren, rief Michael „Garderobe!“, da hatte er sich selbst erwischt. Michael stand vor der grünen Leinwand, die Schienbeinschoner rutschten an seinen Beinen hinunter, und er hielt seine Hand vor den Mund.

Als ich auf den Ruf reagierte und niederkniete, um seine Schoner zu befestigen, griff Michael nach meinem Arm, zutiefst beschämt bei dem Gedanken so unpersönlich gewesen zu sein und entschuldigte sich übermäßig, indem er sagte: „Es tut mir so leid, es tut mir so leid. Ich weiß deinen Namen, Bush. Ich habe es nicht so gemeint.“ Wir waren zu dieser Zeit sehr enge Freunde und Vertraute dank all der vielen Zeit, die wir zusammen gereist waren und die uns sehr persönliche Unterhaltungen ermöglichten, ebenso wie Michaels Verlangen, mir seine Gefühle über seine alltäglichen Aktivitäten und langfristigen Ziele mitzuteilen. Ich wusste, dass er es nicht so gemeint hatte und konnte nicht anders, als seine Bescheidenheit zu bewundern. Es ist nicht alltäglich über eine Person von Michaels Berühmtheit zu hören, die den Fokus von sich selbst weglenkt und diejenigen anerkennt, die ihm direkt oder indirekt dabei helfen, dass sein Leben funktioniert.
„Das ist okay, Michael. Von jetzt an rufen wir dich auf dem Set The Entertainer. ‚Ist Der Entertainer fertig? Garderobe für Den Entertainer!‘“
Michael kicherte und schenkte mir diese hochgezogene Augenbraue, die sagte: „Mann, du bist in Ordnung.“ Aber ich denke, innerlich mochte er den Gedanken „Der Entertainer“ genannt zu werden. Schließlich war er der vollendete Entertainer, ein Zeremonienmeister. Und nichts stellte dies besser unter Beweis als Michaels Tourneen.

Perfekter Performer

Michael war auf dem ersten Leg seiner Bad Tour im Jahr 1987, als ich den Job als sein Ankleider übernahm. Es hatte bereits einige Störungen bei der Garderobe mit einigen Teil von Bill Whitten gegeben, und ich beurteilte seine Bedürfnisse der Basis von Auftritt zu Auftritt.

Zu behaupten Michael wäre ein Perfektionist gewesen ist eine Untertreibung. Er hatte mehrere Generalproben und nahm die ganze Zeit Korrekturen an seiner Garderobe, der Choreografie und dem Sound vor. Er sagte dann zu mir: „Ich weiß, was ich tue, aber ihr, Jungs, müsst auch wissen, was ihr tut und genauso abgestimmt sein wie ich.“ Michael lebte voll und ganz für den Live Auftritt und er wollte, dass nichts eine Show in Frage stellt. Wenn er live auftrat, konnte alles passieren; die Kostümprobe gab uns eine Möglichkeit sicherzustellen, dass der Kostümwechsel in Übereinstimmung mit dem Rhythmus der Show ablief und dass die Kleidungsstücke selbst funktionierten. Michael wusste, dass, wenn mein Team und ich nur einen Takt hinterher waren oder wenn ein Kleidungsstück auf dem Kleiderständer in der falschen Reihenfolge einsortiert war, es draußen die gesamte Show vermasseln würde. Und sogar wenn am Ende alles perfekt aufeinander abgestimmt war, gab es immer noch Unvorhersehbares. Während der Show mussten wir gegen Michael spielen. Auch wenn das Set dasselbe war, änderte er oft etwas auf der Grundlage des Feedbacks, das er vom Publikum erhielt.

Er war spontan, wenn es darum ging auf die Zurufe zu reagieren. Verschiedene Dinge setzten sein Adrenalin frei. Manchmal zerriss er sein Shirt. Andere Male hielt er eine Pose oder warf ein Kleidungsstück in die Menge. Er tanzte eventuell länger als üblich, wenn der Beat es ihm so vorgab. Oder, wenn das Publikum nicht auf etwas Bestimmtes, was er tat, reagierte, dann fand er einen Weg etwas Übertriebenes einzubauen wie sich auf den Boden fallen zu lassen und einen Schwächeanfall vorzutäuschen. Michael behauptete immer, dass „der Beat ihn tanzte“, dass er es letztlich nicht unter Kontrolle hatte, wenn die Musik ihn erst einmal bewegte. Wenn also der Beat ihm vorgab mit der Band hoch und runter zu springen oder quer über den Boden zu rutschen, dann war es das, was er tat. Und wir mussten dann in diesen Augenblicken angemessen reagieren.

Ein solches Mal fand während der Dangerous Tour statt. Bevor Michael überhaupt auf die Bühne kam, war das Publikum sehr unruhig. „Wir werden heute Abend den James Brown bringen,“ sagte Michael zu mir genau in dem Moment, bevor er zur Showeröffnung auf die Bühne ging. Ich hatte bis dahin noch nichts davon gehört, versuchte also sofort herauszufinden, was er mit diesem Rätsel meinte und an welcher Stelle der Show Michael etwas Unerwartetes einbauen würde. Michael war mitten in Man in the mirror, als er plötzlich auf den Boden sank und auf dem Bauch lag. Er sang immer noch, aber nur wimmernd, und er drehte seinen Kopf und sah zu mir im Dunkel neben der Bühne herüber. Dann legte er seinen Kopf auf den Boden, wartete einige Sekunden und formte in meine Richtung mit dem Mund die Worte „Zwanzig Sekunden“.
Ist er okay? Was läuft falsch? Was im Himmel soll ich machen?
Wie immer der Gedankenleser, sah Michael zu mir und gab mir ein Zeichen mit der Hand. Dann klickte es bei mir. James Brown war bekannt für seine kleinen Einsätze der Erschöpfung, bei denen er auf den Boden fiel, weil er so sehr getanzt hatte, dass er es einfach nicht mehr aushielt. Dies musste „der James Brown“ gewesen sein, den mir Michael vorher an den Kopf geworfen hatte. Ich entnahm seiner Handgeste, dass er wollte, dass ich ihn wieder hochziehen sollte, also zog ich los und zog ihn hoch. „Was machst du hier draußen? Du bringst meine Show durcheinander“, flüsterte Michael.
Ich machte mir fast in die Hose.
Während Michael Tausenden von Menschen eine Show lieferte, bespaßte er sich selbst damit, mich verlegen zu machen, was mich immer zum Lachen brachte, nachdem ich den ersten Schreck überwunden hatte.

Michael liebte es, das Publikum zu hören, woran er abmaß, was funktionierte und was nicht und wovon es mehr wollte. Es war nicht ungewöhnlich für Michael eine Show in einem Stadion für 120.000 Menschen, manchmal 180.000 Menschen, abzuhalten und ihre Energie in sich aufzunehmen; wodurch er sich tagelang auftankte. Wenn wir nicht direkt aufeinanderfolgende Shows machten, kam es vor, dass ich Michael manchmal ein oder zwei Tage nicht sah und er mir gestand: „Bush, ich habe immer noch nicht geschlafen.“

Michael war eine Maschine, und Maschinen haben Pannen, obwohl wir Vorkehrungen trafen ihn gesund zu halten. Beispielsweise waren Flüge immer ein Risiko, denn es bestand das Risiko krank zu werden: Er kam durch die Menschen in Asien auf die Idee, seinen Mund mit einer Maske zu bedecken. Dort schützt man sich auf diese Weise gegen Viren. Dann dachte Michael: Warum soll ich nur eine ganz einfache tragen? Michael Jackson trug nicht einfach nur eine Chirurgenmaske; er musste sie in ein modisches Accessoire verwandeln. Wir kauften eine Chirurgenmaske, nahmen davon ein Schnittmuster, um so Michaels Seidenmasken in Schwarz und verlässlich schmückenden Farben herzustellen. Nach einiger Zeit, denke ich, fühlte sich Michael hinter der Maske sicher, also entwickelte sich ihre Funktion und wurde eher zu einem Schutzschild.

Wir nahmen immer öffentliche Flüge und saßen in der First oder Business Class. Michael hatte Angst vor dem Fliegen, und er mochte es, die Zeit damit zu verbringen, sich mit seinem Team zu unterhalten, um sich von dem Gedanken an die Höhe abzulenken. Manchmal spazierte er sogar durch die Gänge des Flugzeuges, um sich darin zu üben und mitfliegende Passagiere zu begrüßen. Michael flog nicht mit Privatjets, denn er hatte die Vorstellung, dass „je größer das Flugzeug, desto weniger Turbulenzen“ zu spüren seien. Und ein großes Flugzeug war bequemer und erlaubte ihm aufzustehen und sich überall in der Kabine zu bewegen oder zu strecken. Das Essen, die Atmosphäre, die Kissen waren an jedem Ort anders. Wir mussten so sorgfältig und achtsam sein, diese Dinge zu steuern, wenigstens die, die wir kontrollieren konnten. Also nahmen wir seine gemütlichen Kissen mit, stellten sicher, dass immer genug Wasser wie für ein Kamel da war und brachten ihn zum Lachen.

Michael trank gallonenweise Wasser. Bevor Michael in einem Hotel eintraf, musste durch die Mitarbeiter sichergestellt werden, dass sich dort fünf bis zehn Kästen Evian befanden, je nachdem wie lange sein Aufenthalt dauerte. Als wir während der Bad Tour in Schweden waren, lieferten die Hotelmitarbeiter das Evian auf das Zimmer und stellten die Flaschen auf die Abstellflächen rund um die Badewanne, weil in ihrer Vorstellung niemand so viel Wasser benötigen konnte, außer diese Person würde darin baden. Und so kam es zu dem Gerücht, Michael würde nur in Evian Wasser baden.

Michael, die Maschine, hatte einen Modus. Es war dieselbe Geschichte, wie wenn Michael aufnahm – war er einmal in einem bestimmten Modus, dann gab es nur diesen einen. Wenn er schlafen konnte, dann konnte dies auf dem Boden oder auf der Couch im Studio sein, die ich so aufgeräumt wie möglich hielt, trotz der Tatsache, dass Michael seine Kleidung überall verstreute. Ich suchte zwischen den Sofakissen und hinter den Möbeln, um alle Teile aufzusammeln für den Fall, dass jemand zu Besuch kommen würde. „Ich schreibe, ich singe, ich nehme auf“, sagte er, wenn ihn jemand zum Essen oder zu sich nach Hause einlud oder ihn fragte, ob er an einem Event teilnehmen wollte. Er war ein Workaholic. Aber das war das, was ihn glücklich machte, und es war offensichtlich, dass er Spaß bei der „Arbeit“ hatte, denn manchmal bekam ich einen Scherzanruf um 3 Uhr morgens.

„Weißt du, wer hier ist?“ fragte mich ein gedämpfter, britischer Akzent.
„Ja, das bist du, Michael, du sprichst durch eine Papprolle vom Küchenkrepp.“
Click.
Und nebenbei gesagt, Michael war ein meisterhafter Stimmenimitator. Wenn wir tourten führte er die Klangtechniker, die Tänzer, die Fahrer an der Nase herum, hatte zwanzigminütige Unterhaltungen mit ihnen, bis sie heraus bekamen, dass er es war. Er fand, dies war eine der aufregendsten, komischsten Dinge der Welt. Und ich muss zustimmen, es war ziemlich lustig.
Aber es war alles Teil der Magie, der Rausch des Entertainers.
CTE.
„Lassen sie zu, dass du ihn anfasst?“ fragten mich oft Leute aus dem Business. Und ich erzählte ihnen dann, natürlich tun „sie“ das, aber jedes Mal, wenn ich das sagte, war die Reaktion Schock und Ehrfurcht. „Wow, du hast Michael Jackson berührt.“ Aber dann sahen die Fans mich wirklich, wie ich ihm auf der Bühne seine Jacke abnahm, sie über meine Schulter warf und ihm die nächste anzog. Es machte Michael etwas gewöhnlicher, wie einen von uns.

Michael Jackson auf einer Tour anzukleiden erforderte sehr viel mehr als ihm nur die Schuhe über die Füße zu ziehen. Vor einer Show begleitete ich ihn im Auto zum Veranstaltungsort, dann zog ich ihn an und stand ihm grundsätzlich für zweieinhalb Stunden zur Verfügung. Nachdem ich ihm ein Handtuch und eine Wasserflasche gegeben habe, war ich ihm dabei behilflich zurück zum Auto zu gelangen. Seine Kleidung war immer völlig durchnässt nach einer Show. Er legte so viel in jede Show hinein, weil er wollte, dass es die eine war, die einzige, die verblüffendste Show der Welt. Aus Respekt vor den Fans musste es „das Äußerste“ sein. Und so musste auch meine eigene Arbeit mit ihm während der Touren sein. Alles, was ich in Bezug auf seine Kleidung für die Auftritte zu tun hatte, musste perfekt sein.

Sein eigener schlimmster Kritiker

Zurück im Hotel half ich ihm dann aus seiner klitschnassen Kleidung und erlebte seinen Prozess der Entspannung und des Herunterkommens, wozu immer ein Bad gehörte. Während er sich ins Badezimmer verabschiedete, ging ich die enormen Mengen an Geschenken durch, die er von den Fans und Geschäftsleuten erhalten hatte. Teddybären, Kisten mit Champagner, ein Meer von Ölgemälden und Statuen. Er erhielt sogar das Kostüm eines Stierkämpfers aus Spanien. Wenn er in der entsprechenden Stimmung war, führte Michael manchmal einen kleinen Smalltalk mit mir durch die Tür und fragte: „Bush, hattest du Gelegenheit dir einige Museen anzusehen? Oder dich mit Freunden zu treffen?“ Er wollte immer sichergehen, dass ich auch meinen Spaß hatte.

Nachdem Michael gebadet hatte, zog er seinen Baumwollpyjama an, der entweder in einem Geschäft gekauft oder von Dennis und mir angefertigt worden war, und dann brachte der Koch sein Essen, das er aber nicht aß, denn er war der schlechteste Esser der Welt – sein Adrenalin machte ihn verrückt, und er hatte deswegen keinen Appetit. Dann steckten wir die Aufnahme der Show, die wir gerade beendet hatten, in das Abspielgerät und Michael begann mit seiner Überprüfung, fast sofort bemerkte er jedes noch so minutiöse Detail der Unvollkommenheit: „Was läuft da falsch? Die Lichter sind nicht genau richtig. Was ist da passiert? Was habe ich verkehrt gemacht? Warum reagiert die Kleidung so?“

Während der Wiedergabe einer der ersten Tokyo Shows auf der Bad Tour hörte Michael ein kratzendes Geräusch während Billie Jean. „Hör auf dieses Geräusch“, sagte er und drückte die Wiederholungstaste. „Wo kommt das her?“ Und dann hörte ich es auch. Kratzen. Michael gab mir den Auftrag herauszufinden, was das Problem war, und so beobachtete ich, wie Michael in schwarzen Hosen, einer bestickten Jacke und dem weißen Handschuh quer über die Bühne stolzierte. Er hatte zu der Zeit ein Mikrophon in der Hand, also mussten es die Kristallsteine auf dem Handschuh sein, die gegen das Mikro scheuerten, entschied ich, und schnitt die Steine auf der Handflächenseite des Handschuhs ab. Michael wollte immer massive Stickereien, aber für eine Show opferte er seinen Sternenstaub, um ein perfektes Konzert sicherzustellen. Von da an hatte Michael also zwei Billie Jean Handschuhe: einen Performance Handschuh mit Icing nur auf der exponierten Seite der Hand und einen Fotohandschuh – dreidimensionale Perfektion.
So abgestimmt war Michael auf den Klang. „Du musst das in Ordnung bringen“ oder dies oder jenes spulte er wie eine Schallplatte, die einen Sprung hatte, immer wieder nach dem Anschauen der gerade gelaufenen Show ab. Er sagte dies nachdenklich und fordernd in seinem für gewöhnlich ausgeglichenen und ruhigen Ton. Ich war der nicht der Einzige, der in seine nicht enden wollenden Forderungen nach Perfektion involviert war. „Der Gitarrist sollte zwei Schritte hinter mir sein“, bemerkte Michael. „Sieh her, ich habe einen Gitarrengriff genau hinter meinem Kopf. Er muss da rübergehen. Das ist mein Licht.“ So visuell war Michael. Alle seine Sinne waren mit dabei in dem Bestreben sein Publikum zu fesseln. Alles sollte perfekt sein. Das war einer seiner größten Dämonen.

Die Realitäten unterwegs

Zu lernen, wie man Kostüme so herstellt, dass sie funktionieren, wurde zu einer täglichen Entdeckungsreise, besonders während meiner ersten Bad Tour. Die Dinge konnten sich als fade herausstellen und möglicherweise eine Show ruinieren, so dass ich lernen musste, jedes Detail unter die Lupe zu nehmen. Während einer Generalprobe zum Beispiel vermaß ich Michael buchstäblich nach jeder Nummer, um zu überprüfen, wie viele Inches seines Umfanges er an jedem Punkt seiner Show durch den Wasserverlust verloren hatte. Michael hatte normalerweise eine 28-Inch-Hüfte/Taille, aber in der Mitte der Show, dann wenn er bereit war für den Magic Act erster Wahl, genau vor Beat it, hatte er bereits fünf Pfund an Wasser verloren, und seine Taille fiel zurück auf 27 ¼. Seine Kleidung musste ganz genau passen, andernfalls würde sie herunterrutschen, was bedeutete, dass ich darauf vorbereitet sein musste, während der Show Änderungen vornehmen zu müssen. Michael hatte absolut keine Hüften. Er war gerade wie ein Brett, wenn wir also keine Kleidungsstücke auf der Stange hatten, die zunehmend schmaler wurden, riskierten wir, dass wir ihm eine Hose anzogen, die ihm mit jeder rhythmischen Bewegung seines Körpers etwas mehr auf die Knöchel rutschte. Und darin liegt bestimmt keine Magie!

Kristallsteine auf Michaels Kostümen mussten auf jeder Seite genau gleich verteilt sein. Das war Physik. Wenn Michael sich drehte, dann drehte er sich so sehr, dass, wenn ein Ärmel schwerer als der andere war, ihn die Schwungkraft aus dem Gleichgewicht brachte, was eine suboptimale Drehung zur Folge hatte – und Unvollkommenheit war für Michael nicht akzeptabel.

Dann musste ich mir aneignen, Michael im Dunkeln anzukleiden. Vor der Dangerous Tour beendete Michael einen Song und wechselte während des Applaus‘ seine Kleidung in einem Umkleideraum hinter der Bühne. Anders als andere Künstler lehnte Michael es ab, dass in der Zwischenzeit Musik gespielt würde. Er ließ lediglich zu, dass der Applaus weiter ging, bis er fertig war mit dem Umziehen. Wenn der Beat ihn mitten auf der Bühne ergriffen hatte und er musste zum Umziehen von der Bühne laufen, dann verloren wir wertvolle Sekunden, die sich wie Minuten und Stunden anfühlten.

Aber während der Dangerous Tour dachte er darüber nach und sagte zu mir: „Warte eine Minute, wenn ich in diesem Umkleideraum bin, dann verpasse ich, was hier draußen mit dem Publikum passiert. Ich versäume es. Bush, du musst herauskommen und meine Kleidung wechseln.“
„Michael, ich habe ein großartiges Gesicht für’s Radio, aber ich bin kein Bühnenmensch“, protestierte ich.
Er lachte nicht. „Bush, wenn ich dich herauskommen lasse, und ich bin im Scheinwerferlicht und du im Dunkeln, dann werden sie dich niemals bemerken. Und dann rennst du einfach weg. Simsalabim! Ich bin umgezogen, und das ist magisch.“

Die nächste Sache also, die ich noch weiß, ist, dass ich eine Show später am Rand des Scheinwerferlichts stand und Michael in seine Motown Medley Jacke half. Solange wir im Dunkeln standen, dachte ich, würde es für mich okay sein. Ich hatte Lampenfieber seit ich mich erinnern kann und Sprechen in der Öffentlichkeit ist nicht gerade meine Stärke, aber es war gar keine Zeit, darüber nachzudenken. Ich kam heraus, bewaffnet mit allem von dem ich dachte, Michael könnte es brauchen. Hinten im Umkleideraum hatte ich ein Arsenal an lebensnotwendigen Gütern auf meinem Ankleidetisch – Handtuch, Wasser, Nähzeug, Haargummis – aber nun hatte ich nur eine Möglichkeit, sicherzustellen, dass ich alles dabeihatte.

Ich hatte die nächste Jacke in meiner Hand, ein Handtuch in meinem Mund, um seinen Schweiß abzuwischen und Nähzeug in meiner Gesäßtasche. Dann trat Michael einen Schritt heraus aus dem Scheinwerferlicht und sagte: „Ladies and Gentleman, Michael Bush!“ Und er fiel fast auf den Boden und krümmte sich vor Lachen.

Nach der Show war ich nicht gerade glücklich und je mehr ich seinen Versuchen zur Unterhaltung auswich, desto lustiger wurde der ganze Spaß für ihn, bis es mehr als ein Spaß wurde und er entschied: „Du wirst jetzt Teil meiner Show, Bush.“ Denn für Michael konnte auch das Wechseln der Kleidung zur Show werden. Er hatte diese Art eine Jacke anzuziehen. Er streckte seine steifen Arme leicht hinter sich gerade in Richtung Boden, beugte sich zurück und hielt das Kinn hoch. Er hatte diese Magie an sich, nur für dich zu performen, sogar während er seine Jacke wechselte. Danach kam ich oft auf die Bühne und begann auf diese Art eine Verbindung zu den Fans aufzubauen, denn sie sahen nun, dass ich ihn wirklich berührte – und ich nehme an, das verlieh mir stellvertretend etwas von Michaels außerordentlicher Verbindung mit ihnen.

Aber sogar in der Nähe des Scheinwerferlichts stand ich außerhalb davon, so dass ich die Kleidungsstücke ausrüsten musste, damit ich sie im Dunkel sehen konnte. Die grundsätzliche Art, dies zu erreichen, ist, ein weißes Futter einzunähen, so dass alles, was Michael in der rabenschwarzen Umgebung zu tun hatte, seine Arme nach hinten zu halten, und die Jacke würde einfach über ihn gleiten. Er musste sich nicht abmühen, die Öffnung zu finden, und dieses nahtlose Ankleiden und Umziehen ohne Hinzugucken und die Kleidung anzufassen kam zum Mysterium Michael noch dazu.

Dann war da noch die Sache mit dem Öffnen der Reißverschlüsse im Dunkeln. Da ist ganz sicher keine Magie dabei, an einem Reißverschluss herumzufummeln, also fügten wir eine Reißverschlussmarkierung hinzu – ein kleines Stück Leder, dass etwa ein Inch lang vom Reißverschlussanhänger herunterhing. Michael liebte es so sehr, weil es lang genug war, sich von selbst zu bewegen, wenn er ging. Alles, was sich bewegte, war lebendig, und das erfreute Michael. Er bat uns, diese Reißverschlussmarkierungen auch an seine Alltagskleidung anzubringen. Er quetschte sie, drehte sie, zog an ihnen und die Angewohnheit wurde ein Teil seiner Zip-Zip, Chew-Chew Nummer (Anm.: geräuschvolles Reißverschluss-auf-und-zuziehen und dabei ebenso geräuschvoll Kaugummikauen). Etwas so Einfaches gab ihm das Gefühl, dass er etwas hatte, was einzig und allein für ihn an seiner Kleidung war, ein Detail, das niemand sonst bemerkte, von dem niemand wusste.
Michael musste ein Mal während seiner Show von der Bühne gehen, um seine Hosen zu wechseln. Er begann die Show in schwarzen Spandex-Hosen, aber in der Mitte musste er seine Billie Jean Baggies und bestickten Socken anziehen. Manchmal hatten wir kontrastierende goldfarbene oder weiße Velcrostreifen an der Seite seiner Billie Jean Hose, so dass wir diese einfach abreißen und es so aussehen lassen konnten, als würde er eigentlich drei Hosen statt zwei während der Show tragen. Die Requisiten wurden genauso wichtig für die Garderobe wie das Kostümieren selbst. Und weil Michaels Show so vielschichtig und vielseitig war, mussten Dennis und ich Showkleidung entwerfen, die nicht versagen durfte, während sie die Illusion von Michaels Magie ermöglichte.

Der magische Anzug
The Magic Suit


Jeder, der Michael Jackson in einem Konzert auf seiner Solotour erleben durfte, weiß, dass er einen magischen Akt, einen Akt des Verschwindens in jede Show einbaute. Die magische Nummer tauchte in der Mitte der Show auf, immer genau vor Beat it, wofür er jedes Mal stürmischen Beifall erntete. Diese magische Einlage diente dazu, Michael in sein Beat it Outfit zu befördern, ohne dass er seine Garderobe wechseln musste. Wir mussten sein Outfit übereinander schichten, so dass er darunter seine Billy Jean Hosen und sein weißes T-Shirt tragen konnte, was gleichzeitig als Beat it Outfit diente, ganz gleich, was er während der vorherigen Songs darüber trug. Die Art, dies zu erreichen, war, einen Anzug anzufertigen, den man auseinander reißen konnte, und weil er ihn immer vor und während seiner Zaubernummer trug, wurde er The Magic Suit / Der magische Anzug getauft.

Der Magic Suit umfasste mehrere Teile, die statt durch Nähte durch Velcro (Klettverschluss) zusammengehalten wurden, ohne dass ein Zuschauer das geahnt hätte. Die vielen Teile trafen auf der Mitte der Vorderseite zusammen und erzeugten somit den Eindruck einer Jacke, die zu einer Hose getragen wurde, im Grunde genommen aber war es ein Overall. Jedes Velcroteil und jede Naht war Teil dieses ungewöhnlichen Einfalls, also war alles, was ich tun musste, Michael in den Nacken zu greifen und zu ziehen und violà, das gesamte Outfit fiel herunter.


Gefertigt aus nicht reißendem Nylon, demselben Material, aus dem Fallschirme genäht werden, verzierten wir diesen auseinanderreißbaren, einteiligen Anzug mit Nieten
und einem dicken Gürtel, um den Effekt von zwei Teilen herzustellen. Michael stieg in diesen Anzug hinein, der auf der Vorderseite durch Velcro zusammengehalten wurde.
Das gesamte Outfit allerdings fiel an vier Nähten auseinander, während es ein einziges Stück Stoff blieb, das man für die nächste Show rechtzeitig wieder zusammenfügen konnte.

Nach jeder Anfertigung eines Magic Suit machten Dennis und ich einen Test damit. Eine Zeit lang hatten Michael und ich dieselbe Größe, also zog ich den Anzug an und Dennis riss ihn von hinten herunter. Funktionierte es? Viele Male tat es das nicht. Ich streckte mich, lehnte mich nach vorne, trat so hoch wie möglich, verdrehte meinen Körper auf Arten, die ich nie für möglich gehalten hatte, nur um zu sehen, ob eine Naht aufreißen würde, was viele Male der Fall war. Und diese Vorgehensweise half uns zu herauszufinden, wo das Problem lag. Das Velcro war möglicherweise zu dick in der Mitte oder nicht dick genug an der Seite. Wir mussten prüfen: Wird es an dieser Stelle halten, wenn Michael sein Bein beugt, oder wird das Velcro auseinandergehen und die Kleidung sichtbar machen, die er darunter trägt? Wo sind die Belastungspunkte? Wird es auseinanderreißen, wenn er sich hinunter beugt, um die Hand eines Fans zu schütteln oder über den Bühnenboden rutscht? Hier also gab ich mein Bestes als Michael Jackson Imitator, während Dennis zog und schob, die Velcronähte genau beobachtete und die Zeit mit einer Stoppuhr nahm, um zu messen, wie schnell der Anzug auseinander riss.

Und dann machten wir das Ganze noch mal im Dunkeln. Und dann im Dunkeln während wir rannten, denn während einer Show, da kam es drauf an und das war es, was wir tun mussten, als wir den Anzug herunterziehen und Michael seine Beat it Jacke anziehen mussten.

Michael performte Working day and night aus Off the Wall genau vor dem magischen Akt. Unter dem Magic Suit, der abhängig von der Show variierte (denn es nahm einige Zeit in Anspruch, all die Velcroteile wieder zusammen zu stecken), trug Michael seine hochgerollte Billie Jean Hose und ein weißes T-Shirt.

Für die Nummer des Verschwindens während der Dangerous Tour, brachte Michael David Copperfield ins Spiel (manchmal auch Siegfried and Roy), um ihm dabei behilflich zu sein, die Täuschung durchzuführen. Und der Magic Suit war Teil der Strategie. Wie konnte Michael auf der einen Seite der Bühne sein und etwas tragen, das wie ein Paar weiße und blaue Nylonhosen mit einer passenden blauen Jacke schien und schon Sekunden später auf der entgegengesetzten Bühnenseite wieder auftauchen und einen schwarzen Windmantel tragen, bereit das Publikum mit Beat it fertig zu machen? Jeder auf der Tour musste eine Vertraulichkeitserklärung unterschreiben, die besagte, dass wir nicht die Geheimnisse verraten würden, in die wir nun eingeweiht waren.

Es ist nur fair zu sagen, dass Beleuchtung und Explosionen die besten Freunde eines Illusionisten sind. Auf der Bad Tour stieg Michael einige Stufen hinunter, die zu einem Weg unter der Bühne führten. Sobald er den Boden erreicht hatte, musste Michael durch die Dunkelheit zur anderen Seite der Bühne lossprinten, während ich hinter ihm her rannte, um Rohre und Metallgitter herum, während ich an seinem Nacken zog, den auseinandergerissenen Anzug hinter mir lassend. Auf der anderen Seite angekommen rollten wir die Säume seiner Billie Jean Hose herunter, warfen ihm seine Beat it Jacke und den Windmantel über und stellten ihn auf die Cherry Picker Plattform, die ihn hoch über den Bühnenboden auf die andere Seite des Stadions hob … das Ganze in mal eben elf Sekunden.

Wenn ich Zeit dazu gehabt hätte, wäre ich ausgeflippt. Es gab nicht immer die Gelegenheit, diese magische Nummer in jeder Stadt der Tour zu proben – 123 Shows in sechzehn Monaten durch fünfzehn Länder. Und sogar wenn die Infrastruktur des Veranstaltungsortes überraschend war, blieb ich irgendwie konzentriert. Ich musste es einfach. Ich wusste, dass ich Michael bei einem bestimmten Beat an einem ganz bestimmten Ort unter dieser Bühne haben musste. Wenn ich das nicht schaffte, war alles total verkorkst. Michaels Magie musste perfekt sein. Wenn die Lichter angingen und es gab kein „Ta-da“, dann gab es von da kein Zurück mehr. Es hätte Michaels Vorstellung von Magie zerstört.

Ein Mal verpassten wir den Einsatz. Immer wenn Michael und ich uns in einer sehr angestrengten Situation befanden, verfielen wir in unkontrollierbare Lachkrämpfe, wenn wir uns nur den kleinsten Blick zuwarfen, also war es ein ungeschriebenes Gesetz, dass wir uns während dieser Nummer nicht ansahen. Wegen der Dunkelheit unter der Bühne, dachte ich, es wäre hilfreich für mich, eine von diesen Fahrradlampen aufzusetzen, die man am Kopf befestigen kann, so dass ich etwas von dem so nötigen Licht bereitstellen konnte, während ich trotzdem die Hände frei hatte. Nun, in dem Moment, in dem Michael unterhalb der riesigen Bühne auftauchte, warf er einen Blick auf mich und sagte: „Ich wusste nicht, dass Doc von den Sieben Zwergen jetzt hier arbeitet.“

Nun, das war mehr als genug für uns, das Ta-da zu verpassen. Michael gackerte in sein Mikrophon, das an seinem Revers befestigt war, bis wir ihn auf den Cherry Picker hochhoben, und dann war wieder Showtime.
„Mach das nie wieder mit mir, Bush!“ warnte Michael mich, während er auf dem Rücksitz des Autos auf der Rückfahrt zum Hotel immer noch lachen musste. Es war offensichtlich, dass sogar Perfektion ab und zu eine kleine Dosis Humor aushalten konnte.

Quelle: MJJ Forever / Lilly
Bild
Benutzeravatar
Remember MJ
Forum Admin
Forum Admin||
 
Beiträge: 5910
Registriert: 06.2010
Wohnort: Neverland
Geschlecht: weiblich

Re: The King of Style in deutscher Übersetzung

Beitragvon Gabi-Maus » 3. Feb 2013, 12:35

:winki_22: Danke liebe RMJ :give_rose: schön dass wir hier alles so nachlesen können. Bin richtig gefangen von der Michael-Magie. :0337rainbow: :ggg55: :Engel:

:knuddlerrot: Grüße von Gabi-Maus Mike 1 :MJrot: Mike 2
Bild
Benutzeravatar
Gabi-Maus
Team
Team||
 
Beiträge: 3035
Registriert: 06.2010
Wohnort: Neverland
Geschlecht: weiblich

Re: The King of Style in deutscher Übersetzung

Beitragvon Remember MJ » 3. Feb 2013, 19:17

Bedankt Euch nicht bei mir, sondern den fleißigen Übersetzern vom MJJForever Forum, Maja und Lilly.... :jc_doubleup:
Werde es aber gerne weiter geben. :give_rose:

Knuddelgrüße
RMJ
Bild
Benutzeravatar
Remember MJ
Forum Admin
Forum Admin||
 
Beiträge: 5910
Registriert: 06.2010
Wohnort: Neverland
Geschlecht: weiblich

Re: The King of Style in deutscher Übersetzung

Beitragvon Remember MJ » 4. Feb 2013, 22:48

Kapitel Sieben
Das Nächste


Regelmäßig und ohne Vorwarnung rief Michael mich an, und fragte, ob ich sofort zur Neverland Ranch kommen könne, um Dinge zu besprechen. Ich fuhr 3 Stunden von meinem Haus in Los Angeles, manchmal, um konkrete Instruktionen zu erhalten, manchmal, um nur eine kryptische, rhetorische Frage gestellt zu bekommen.

Michael bevorzugte direkte Treffen, denn sie gaben ihm die Möglichkeit, die Leute "zu lesen". Er besaß eine scharfe emotionale Intelligenz, die es ihm ermöglichte Körpersprache und Gesichtsmimik zu interpretieren. Wenn er dich ansah, konnte er sagen, ob du gelangweilt, mit der Sache beschäftigt oder von einer Idee begeistert warst. Am Telefon konnte er nicht feststellen, ob du mit anderem beschäftigt warst, oder zu seinen neusten Vorschlägen die Augen rolltest, und das mochte er nicht. Wenn er mit dir Blickkontakt hatte, wusste er, dass deine Aufmerksamkeit ungeteilt war und er konnte das Gespräch besser kontrollieren. Michael war auch sehr auf die Wahrung seiner Privatsphäre bedacht. Zu den seltenen Gelegenheiten wo wir Gespräche am Telefon führten, begann er den Anruf mit "Hört man mich über Lautsprecher?" oder "Wer ist gerade bei dir?" Ich vermutete, bedingt dadurch, dass er eine so große Familie hatte, Michael nie viel Privatleben hatte und es deshalb so herbeisehnte.

Egal was, ich fuhr beschwingt zur Neverland Ranch, angetrieben von dem Gedanken "was kommt jetzt?"

1990 verlieh Präsident G.W. Bush Michael den Titel Entertainer Of The Decade, und die Ehrung wurde begleitet durch eine Preisverleihungs-Zeremonie durch die American Cinema Awards. Kurz danach, bei einem meiner Besuche der Neverland Ranch, war ich mit Michael in seiner Bücherei und wir sahen uns ein Buch an, was er aus seiner ausgedehnten Sammlung von Büchern über Geschichte, Philosophie und Kunstbüchern herausgesucht hatte. Darin, auf einer Hochglanzseite, gab es ein Foto der königlichen Staatskrone von England - ein Teil der Kronjuwelen von England. Die kunstvoll verzierte Krone, die nur von der Königin getragen wird, blendet mit den wertvollsten Steinen. Michael sprach weiter mit mir, hatte aber seine Nase immer noch in dem Buch. Es war Zeit für ein angemessenes Stück, um diesen Meilenstein zu feiern.

Nicht lange danach stiegen ich und Dennis in ein Flugzeug nach London, um einen genauen Blick auf die Kronjuwelen zu werfen, die Im Jewel House im Tower von London zu sehen waren. Heute hätte man einfach das Internet benützen können, um die Krone zu sehen, aber ich denke, Michael hätte uns trotzdem hingeschickt. Es war ihm wichtig, dass wir Spaß hatten und uns voll einbezogen fühlten in den Prozess. Von den Ansichten, Geräuschen und der Kultur Englands inspiriert zu werden, war dafür essentiell. Leider waren die Ansichten, Geräusche und die Kultur nur so unmittelbar, wie wir bei dieser Reise an die Kronjuwelen herankamen. Als wir im Jewel House ankamen, stand an der kugelsicheren Scheibe, wo sie sein sollten, ein kleiner Vermerk: "Für zwei Wochen nicht ausgestellt". Wir schnappten einen Moment nach Luft, wegen so einem Pech, aber es gab keinen Grund zur Panik. Wir zogen durch London und kauften jedes Buch und sahen uns andere Juwelen in Museen an. Zur zusätzlichen Inspiration hatten wir auch den Blick auf den Buckingham Palast, vom Fenster unseres Zimmers im Hilton, von wo aus man einen Blick über den Hyde Park hatte.

Dennis begann, auf einem gelben Notizblock zu zeichnen, weil es das war, was er gerade zur Hand hatte. Für Dennis war jedes Papier, auf das man zeichnen konnte, wertvoll, er war in Sachen Papier nicht wählerisch. Mit seinem Bleistift Nr.2 begann er die Imperial State Crown aus einem Buch ab zu skizzieren. Aber sein Talent lag nicht im Designen, es lag in der technischen Umsetzung - darin, alles für Michaels Körper passend zu machen. Dennis wusste, er könnte eine erstaunliche Replik der State Crown herstellen, aber könnte Michael sie auch tragen? Das war sein Anliegen. Deshalb war Dennis in erster Linie bestrebt, die Größe der Juwelen anzupassen, denn wenn Michael diese Krone tragen sollte, mussten die verwendeten Juwelen skaliert werden, damit sie auf Michaels Kopf passten, anstatt auf den der Queen.

Anhand von Michaels Maßen gestaltete Dennis unter Einbeziehung von mathematischen Größenverhältnissen. Als wir wieder zuhause waren, begann sein Lieblingsteil des Prozess: der Teil, in dem er die Materialien mit seinen Händen berühren konnte. Für Dennis übertraf die Freude, wirklich etwas herzustellen, bei weitem die Freude an der Recherche oder der Konzeption.
Das Erste, was Dennis machte, als wir zurück in LA waren, war löten zu lernen. Mit Hilfe von Büchern und der Methode „Versuch und Irrtum“, brachte er sich bei, wie man lötet und Metall sandstrahlt, so wie ein Juwelier es tun würde, um eine Krone aus Sterlingsilber herzustellen. Er platzierte falsche Steine und Perlen dorthin, wo bei den echten Kronjuwelen die Rubine, Saphire und Diamanten waren. Vorne in der Mitte der State Crown Of England befindet sich der „Star Of Afrika“ und Dennis setze an diese Stelle, als persönliches Zeichen Michaels, sein sandgestrahltes „Dancing Feet“ Logo.

Dennis brauchte 6 Wochen nonstop, um dieses Teil herzustellen. Als es an der Zeit war, es Michael zu geben, hielt er sich in seiner Wohnung im Wilshire Corridor/Westwood auf. Michael begrüßte uns in seiner nachlässigen Aufmachung und in Slippern, und obwohl er äußerlich ganz entspannt wirkte, sagte uns die Geschwindigkeit, mit der er sprach, dass er diesem Moment entgegengesehen hatte, seit dem Tag, da er uns damit beauftragte.

"Bush, zeig es mir nicht einfach so. Mach ein Show daraus." Darauf waren wir vorbereitet. Wir gaben Michael nie etwas, "einfach nur so"; wir präsentierten es. Die Show fand auf einer roten Samtdecke statt, die über seinen Esstisch gelegt wurde. Die Krone platzierten wir auf einem roten Samtkissen und deckten sie mit einem Tuch aus weißem Satin ab. Dann kam die große Enthüllung. Die Ehre der Enthüllung war an Dennis, und wir alle drei standen ehrfürchtig darum und bewunderten, was wir kreiert hatten.
Michael sagte nichts. Alles was er tun konnte, war zu Klatschen. Dennis wurde in dem Moment verdientermaßen gefeiert. Wir fragten Michael, ob er die Krone aufsetzen wollte, aber er sagte, es sei nicht der richtige Zeitpunkt. Michael begleitete uns hinaus, und sobald wir im Flur waren hörten wir, dass sich die Tür schnell schloss und das Sicherheitsschloss einrastete. "Du weißt, dieses Teil ist jetzt schon auf seinem Kopf", sagte ich zu Dennis. Und Michael bestätigte mir später, dass ich Recht hatte.

Als Dennis und ich damit begannen, Dinge von Michaels Wunschliste zu kreieren, die weit über seine Kleidung hinausging, bewunderten wir, wie er darauf achtete, Vorkommnisse seines Lebens zu würdigen. Auch wenn es keine Krönung war, war "Entertainer Of The Decade" dennoch eine Leistung, und eine, für die Michael unserer Hilfe in Anspruch nahm, um sie zu würdigen, so wie er es auch oft zu anderen Gelegenheiten und aus anderen Gründen - ob groß oder klein - tat. Durch dieses Verhalten lehrte er uns, dass es in Ordnung war, sich selbst zu feiern. Michael war demütig, aber Demut ist nicht das Gegenteil davon, um die Wichtigkeit zu wissen, sich an wichtige Ereignisse/Leistungen zu erinnern. Denn so toll sich Errungenschaften auch in dem Moment, wo sie passieren anfühlen, sind diese Augenblicke doch flüchtig. Michael hielt die Magie dieser Momente fest, und die Krone war einer seiner Tricks, um das zu erreichen.

Eine englische Tradition kommt auf die Straße
Der Prozess, für Michael zu designen, lief oft mit Hilfe des Ausschluss-Verfahrens ab: Was hat er noch nicht getragen. Was haben wir noch nicht getan? Und als Michaels Interesse an britischer Heredität und Rebellion noch markanter wurde, mussten wir auch dieses bei unserem nächsten großen Design-Projekt berücksichtigen.
Als unsere unermüdliche Suche mich und Dennis zum Besuch von „Fencing Academies“ führte – und ich meine damit nicht „Maschendrahtzaun Fabriken“, (Anmerkung: Wortspiel, nicht zu übersetzen – weil „Fence“ Fechten und Zaun bedeutet…) ich spreche über die Fechtkunst der Renaissance, weil dieser Fechtsport sowohl Romantik, als auch flüssige und kantige Bewegung beinhaltet. In Fechtschulen in LA studierten wir für drei Tage die Körperbewegungen der Schüler, während des Trainings und während Kämpfen. Fechten bot sich uns dar, als eine intensive Arbeit mit den Armen, kombiniert mit beeindruckender Fußarbeit und ruckartigen Bewegungen, was sich nahtlos auf Michaels Tanzstil übertragen lies. Und ein zusätzliches Plus: Fechten ist ein alter englischer Sport und passte gut zu Michaels Passion für alles Britische.

Wir kauften also einen original Fechtanzug aus weißem Leinen und schickten uns an, etwas Historisches, Traditionsreiches und in Ehren gehaltenes in „Streetwear“ umzuwandeln. Michael würde diesen Look zum ersten Mal anlässlich des Sony-Publicity-Shootings mit dem renommierten Fotografen Herb Ritts zeigen.
Die traditionelle Fechtuniform wird nicht vorne in der Mitte des Körpers geschlossen. Die Knopfleiste befindet sich seitlich und ist mit einer Lasche bedeckt. Der obere Teil der Uniform wird bis oben hin geschlossen, um den gesamten Oberkörper und den Hals zu schützen. Im Schritt wird die Uniform mit einem Band justiert, und sie wird über hochgeschnittenen, weißen Leinenhosen getragen. Die Hosenbeine enden direkt unterhalb der Knie, (dieser Stil nennt sich „Capri-Hosen“) und werden ergänzt durch lange, weiße Strümpfe. Sich von dem traditionellen weiß abzuwenden, wäre rebellisch – deshalb machten wir unsere Uniform aus schwarzem Leder.
Unsere Interpretation des Fechtanzugs konnte bis oben hin zugeknöpft werden, aber für das kleine Extra an Rebellion integrierten wir eine Art Stoffklappe, die aufgeklappt einen Blick auf Michaels eingerissenes weißes T-shirt ermöglichen würde. Michael mochte diese Klappe, weil sie sich bewegte. Wenn er aggressiv ging oder tanzte, flatterte das Material synchron dazu. Als letzten Schliff fügten wir noch unsere eigenen Veränderungen hinzu, indem wir die traditionellen langen Strümpfe durch kniehohe Lederstiefel ersetzten und die Maske mit schwarzem Leder überzogen. Ebenso fertigten wir schwarze Handschuhe anstatt der traditionell weißen an. An den Stiefeln brachten wir Schienbein-Schoner an, um die Dimension optisch zu vergrößern. Es war, als ob Michael Verkleiden spielen würde und er war wie in einem Rausch. Auch die weiblichen Fans wurden bei diesem Teil verrückt, denn es lies viel Raum für Fantasie.

„Ich möchte das auf der Tour tragen“, sagte Michael nach dem Shooting. Wir mussten also herausfinden, wie dieses Outfit für den Einsatz auf der Dangerous Tour umgesetzt werden konnte: es musste wasserfest sein, leicht zu reinigen und dehnbar. Und vor allem musste es leicht genug sein , um über anderen Kleidungsstücken getragen werden zu können, um einen schnellen Kostümwechsel während der Show zu gewährleisten, und dabei trotzdem auf der Bühne solide wirken – metallisch und schwer. Wir stellten das Outfit aus dehnbarem Spandex her, in verschiedenen leuchtenden Farben - golden, rot, silbern , orange, Limonen-grün und pink – und fotografierten diese, um festzustellen, was am besten funktionieren würde. Gold war der Gewinner.
Fechten ist ein britischer, aristokratischer Sport, so wie Polo, ein Sport der Könige. Europäer erkannten dieses Outfit sofort als Fechtanzug, aber wenn man die Fan Reaktionen betrachtet, nachdem Michael diese Uniform bei der Eröffnungs-Nummer seiner Dangerous Tour trug, war den Amerikanern nicht klar, was dieses Teil beeinflusst hatte. Die Amerikaner regten sich über den „Schwanz“ auf, das verstellbare Band auf der Rückseite von Michaels Fechtanzug. Fechtanzüge werden hinten auf Höhe des Steißbeins zugeschnallt, je enger man das Band anzieht, desto länger war der Schwanz. Es „fiel auf“, oder es „sah wie ein Fehler aus“ und es war „verwirrend“. Aber nichts, was wir für Michael machten, war ein Fehler. Es entspricht genau der traditionellen Tragweise einer Fechtuniform. Es war sogar so, dass der „Schwanz“ für Michael der liebste Teil dieses Outfits war. Er bewegte sich wie verrückt, wenn er tanzte und wurde wie eine Verlängerung von ihm, aber vor allem war es das Detail, bei dem er sich gefragt hatte, ob irgendwer es bemerken würde. Und zu seinem Vergnügen wurde es bemerkt.

Der nächste „Handschuh“

Michael nahm von allem Notiz und das bezog auch die Welt des Sports mit ein, was ungewöhnlich war, weil er es eigentlich nicht mochte, bei Sportwettkämpfen zuzusehen. Mehrmals versuchten Leute Michael dazu zu bringen, ein Basketball Spiel anzusehen, aber Michael hielt das Ansehen von Sportveranstaltungen für Zeitverschwendung. Selbst zu spielen war etwas anderes, und er tat das manchmal mit seinen Brüdern auf dem Spielfeld auf seiner Ranch. Aber wenn es um das ging, was die Spieler trugen, war Michael sehr interessiert.
Während den Aufnahmen für sein Dangerous Album, 1990, observierte Michael die Trikots, die von den Fängern beim Baseball getragen werden. So wie er es sah – wenn Baseball DER amerikanische Zeitvertreib schlechthin war, und jeder schon zu irgendeiner Zeit eine Baseball Kappe besessen hatte - warum musste die von Baseball beeinflusste Kleidung sich dann nur auf den Kopf beschränken? „Wer sagt denn, dass nur die Fänger Schienbein Schoner tragen dürfen? Warum kann das nicht jeder?“ fragte er. Und wir antworteten, in dem wir ihm ein paar Schienbein Schoner aus Metall anfertigten, die ihm den besonderen Reiz und das Gefühl von Rebellion vermittelten und zudem noch eine ähnliche Beschaffenheit aufwiesen, wie ein Ritterrüstung.
Mit Hilfe unserer Freunde von Prop Masters in LA, stellten wir anhand eines Sets von gewöhnlichen Plastik Schonern Formen her, und füllten sie mit Kupfer. Wir wählten dieses Material, weil Silber- Gold- und Chrome-Beschichtungen gut auf Kupfer haften. Typische Beinschoner aus Plastik sind flach und werden mit Hilfe von fünf Laschen hinten am Bein befestigt. Unsere Formen waren jedoch nicht flach. Wir hatten sie mit Einbuchtungen und Auswölbungen, Erhöhungen und Kurven versehen, alles, um mehr Tiefenwirkung zu erzielen und um das Licht auf der Bühne besser einzufangen. Die Formen mussten auch an Michaels Körper angepasst werden. Die Schützer der Major League, nach denen wir unsere Formen herstellten, werden normalerweise von 190 Pfund schweren Männern getragen, aber Michael wog nur 120 Pfund, was bedeutete, dass sie für seinen Körperbau skaliert werden mussten, oder sie würden auftragen, etwas , was Michael mit allen Mitteln vermeiden wollte, um seine Tänzer-Shiluette auf der Bühne beizubehalten. Am Ende unserer Produktion befestigten wir an den Schonern noch neun bis zwölf Befestigungslaschen, obwohl eigentlich nur drei notwendig gewesen wären.
Er trug sie zu jeder Gelegenheit, und sie wurden so bezeichnend für ihn, wie der Billie Jean Handschuh. In dem Sinne wurden die Schienbein Schoner die „nächsten Handschuhe“.

Einen Pharao finden

Eines Tages im Jahr 1992, als ich meinem ganz normalen Geschäft nachging, raus zu Michaels Ranch zu fahren um Michaels Schlafanzüge abzuholen und abzugeben, die er immer mit seinem Logo versehen haben wollte, und ich gerade wieder gehen wollte, fragte mich Michael: „Ist Ägyptischer Schmuck nicht wunderschön?“ Er gab mir dann ein Kunstbuch in Museeums-Qualität, über Ägyptische Kultur, was er zufällig in seiner Bücherei hatte. Michael deutete auf ein paar der markierten Seiten und sagte: „Der Grund dafür, dass die Fotos von dem ägyptischen Schmuck so gut sind ist, weil er aus echtem Gold ist, oder?“
Auch wenn ich zustimmend nickte, wusste ich eigentlich weder viel über ägyptische Kultur noch über Schmuck, und ich sah die Seiten, auf die er sich bezog auch nur für wenige Sekunden. Ich war wohl abgelenkt, denn ich ließ das Buch da und suchte ein paar Kleider von Michael zusammen, die etwas Pflege brauchten und fuhr nachhause.
Ein Monat ging vorüber und ich wieder zum Abliefern und Einsammeln dorthin fuhr, erzählte Michael mir, dass er gerade seinen nächsten Kurzfilm entwickele: Thema Ägypten. Ich griff mir im Stillen an die Stirn, und fragte mich, warum ich den Wink, den er mir den Monat zuvor gab, nicht verstanden hatte und alles über Ägypten studiert hatte, für das, was später einmal sein Remember the Time Kurzfilm werden sollte.
Ich fuhr nachhause und erzählte Dennis, „das Nächste“ sei, Michael in einen Ägypter zu verwandeln und dass wir einen Monat Zeit hätten, für Recherche, Design, Herstellung und das Ausschmücken. Um nach Ägypten zu reisen war die Zeit zu knapp, deshalb begannen wir sofort mit unserem üblichen Recherche-Methoden: Bücher, Museen-Besuche, Filme und Interviews mit Experten.

Wie immer - als Impulsgeber für den Prozess - rief Michael an und fragte, ob wir wüssten, wie Yul Brunner im Film The Ten Commandments (Die Zehn Gebote) aussah. „Ich werde euch ein Band schicken.“
Wir spielten es ab und hielten unsere Augen in jeder Szene auf Yul gerichtet. Es gab Dutzende verschiedene Looks – welchen meinte Michael? Wir drückten auf Pause, ließen das Band zurücklaufen und überlegten, was Michael wohl dazu inspiriert haben könnte, uns diesen Film zu schicken. Und dann sahen wir es: Yul Brunner als Pharao Ramses II, in seiner von Sklaven getragenen Sänfte und mit dem bekleidet, was – wie wir später lernten – „Gorgerine“ heißt, eine Konstruktion aus Metallscheiben, vor der Brust getragen. Das war ganz und gar typisch Michael, und wir wussten, dass er genau das in seinem Kurzfilm tragen wollte.

Nach dem Vorbild von Yul Brunners Gorgerine, konstruierten wir eine für Michael, ganz mit 18 Karätigem Gold bedeckt. In der Goldauflage saßen rote Kunststeine, die gesamte Gorgerine war jedoch aus Blechstücken gefertigt, um sie leicht zu machen. Wir dehnten die Linien der Gorgerine aus, damit Michaels Brust breiter wirkte, und benutzten verschieden geformte, sich überlappende Teile, um einen Eindruck von Federn zu erzielen. Er war begeistert, als wir sie ihm zeigten und rief: „Ich kann nicht glauben, dass ich das tragen werde!“
Bei unserer Recherche hatten wir gelernt, dass wegen der großen Hitze in der ägyptischen Wüste, Männer und Frauen am Oberkörper nur wenig Kleidung trugen. In dem Kurzfilm Remember TheTime sind die Tänzer und Schauspieler (darunter Eddie Murphy) nur knapp bekleidet, aber wegen Michaels Hautkrankheit mussten wir ihn bedeckter halten. Der Regisseur des Films, John Singleton, wollte, dass Michael etwas Ähnliches trage wie die restliche Besetzung, auch wenn sein Outfit noch detaillierter sein würde. John wusste, dass wir für Michaels Ausstattung zuständig waren, während die restlichen Kostüme von anderen gestaltet wurden, und sagte uns, dass er Michael in vollständiger ägyptischer Aufmachung sehen wolle, inklusive eines traditionellen ägyptischen Kopfschmucks in Anlehnung an König Tut, wozu Michael nur sagte: „Vergiss es, Bush!“

Wir machten es trotzdem, aber am ersten Drehtag wurde der Kopfschmuck vermisst. Ein ganzer Schwarm Leute streifte suchend über das Gelände der Universal Studios, während ich panisch Dennis anrief, der zuhause die Einfahrt absuchte, weil ich dachte, dass ich das Stück vielleicht dort, am Weg zum Set, verloren hätte. Nach 20 Minuten mussten wir aber schließlich mit den Dreharbeiten beginnen, und taten es ohne die Kopfbedeckung. Als die Szenen im Kasten waren traf ich Michael in seinem Trailer, um ihn umzuziehen und sah den Kopfschmuck auf einem Stuhl neben seinem Bett liegen. „Was wir nicht haben, kann ich nicht anziehen“, hatte Michael sich wohl gedacht, und ihn versteckt.
Während dem Dreh seines Kurzfilms hatte Michael sich auf Gold fixiert, weil er entschieden hatte, dass Blech billig aussieht und auch leicht anlief. „Wenn es echt aussehen soll, muss es echt sein“, erklärte er. Ägypter trugen echtes Gold, und dieser Umstand setzte den Prozess in Gang, Elemente mit 18 Karätiger Goldauflage auf Michaels Kleidung an zu bringen.
Von da an war es so, dass du, wenn eine Verzierung wie Gold aussah, sicher sein konntest, dass es auch Gold war. Seine Polizeiabzeichen und andere Orden waren nicht länger aus Blech, oder bemaltem Plastik. Stattdessen stellten wir sie aus Kupfer mit Echtgoldauflage her und man kann sich die zusätzlichen Materialkosten vorstellen. Wir erhielten regelmäßig Anrufe von Leuten, die versuchten Michaels „goldene“ Ideen in Grenzen zu halten, aber wir mussten zugeben, sie wurden zu einem effektiven und magischen Hingucker. Und all das half dabei, zu Michaels Überlebensgroßem Image beizutragen – wenn wir optische Vergrößerungen wollten, einen Tanzschritt besonders hervorheben wollten, oder von einem fehlenden ablenken wollten: Gold wurde zu einer wichtigen Sache bei unseren Kostümen.
Nehmen wir zum Beispiel die HIStory Tour, die 1996 in Prag begann. Michael lief mehr [als er tanzte] – wer würde das nicht tun, nach zweieinhalb Stunden Singen, Tanzen und Magie? Die Idee war, die Illusion zu schaffen, dass Michael jedoch immerzu tanzte, in dem die Aufmerksamkeit des Publikums auf seine Beine gelenkt wurde. Das hört sich etwas widersprüchlich an, weil man denken würde, um von den Beinen abzulenken, sollte man eher im oberen Körperbereich etwas Auffälliges platzieren. Aber in der Art, wie Michael über die Bühne stolzierte, manipulierten mit 18 Karätigem Gold belegte Schützer das Licht so, dass die Illusion entstand, als ob die „Tanzmaschine“ niemals stoppte.
Ein unerwarteter Vorteil der goldenen Schienbein Schützer war zudem, dass sie sehr futuristisch aussahen, was sich gut in das Thema der HIStory Tour einfügte und es funktionierte sehr gut, als Abschlusselement der Zeitreise, die Michael in der Show mit einem Chrom-Outfit begann, in dem er in einer Kapsel durch Raum und Zeit reiste. Es war einfach eine Modernisierung der Schützer, die Michael während des Dangerous Albums eingeführt hatte, aber es veränderte seinen vertrauten Look vortrefflich.

Vom Außergewöhnlichen zum Außerirdischen
Das Kostüm, über das am meisten geredet wurde und von dem die Fans weltweit am meisten schwärmten, war das Chrom-Outfit, was Michael zur Eröffnung seiner Konzerte der HIStory Tour trug. Das Konzert begann mit einem Kurzfilm, in dem Michael gezeigt wurde, wie er in einer Raumkapsel durch Raum und Zeit reiste, über Darstellungen der 7 Weltwunder und wichtiger historischer Ereignisse hinwegfegt, um schließlich im Jahr 1996 zu landen, wo Michael zum Sound seiner kreischenden Fans aus seiner Zeitmaschine aussteigt. Michael wollte futuristisch aussehen, war aber gegen Astronautenanzüge und Helme, weil diese zu sehr auftragen würden und nicht in der Lage wären, seinen Körper oder eine Choreografie richtig zu betonen. Inspiriert vom „Dancing Machine“- Video der Jackson 5 aus dem Jahr 1973, in dem ein aufreizender weiblicher Roboter als Tanz- Maschine gezeigt wurde, sagte Michael: „Ich möchte ein geschmeidiges Stück aus Chrom, von Kopf bis Fuß, in dem ich tanzen kann.“ Die Idee bekam sofort Gegenwind von anderen, die ihre Bedenken zum Ausdruck brachten, dass Michael nicht in einem Anzug tanzen könne, der aus Metall hergestellt sei. Das war zu gefährlich. Sogar Dennis und ich sagten ihm, ein Anzug, vollständig aus Chrom, sei zu starr und könnte ihn verletzten. Aber Michael war davon überzeugt, dass es funktionieren würde, wenn er etwas genau Maßgefertigtes tragen würde. Also begannen wir nachzudenken. Es muss noch eine andere Möglichkeit geben. Warum muss es überhaupt aus Metall sein? Michaels Neigung dazu, Nein nicht als Antwort zu akzeptieren war auch zu unserer geworden.

Zur Inspiration gab uns Michael eine Auswahl von Büchern des Japanischen Künstlers Sorayama, der eine organische Roboter Version kreiert hat, aus der schließlich der berühmte Hund „AIBO“ und wurde, der heute Teil der Sammlung des Museums of Modern Art und des Smithsonian Institute of Technology ist. Sorayama machte in den späten 1970ern auf sich aufmerksam durch die Gestaltung verschiedener weiblicher Roboterwesen, die anatomisch korrekt waren aber aussahen als seine sie mit geschmolzenem Silber überzogen. Um sie zu beschreiben, wurde der Ausdruck „sexy robot“ geprägt. Dennis und ich wussten, wenn wir erreichen würden, dass Michael aussähe, als hätte er eine zweite Haut aus Metall, in der Art wie Sorayama es mit den “sexy robots“ getan hatte, hätten wir nicht nur „das Nächste“ erreicht, sondern wären darüber hinausgegangen.
Wir fanden ein folienbeschichtetes, in zwei Richtungen dehnbares Spandex, was auf Michaels Maße zugeschnitten und auf seinen Körper angepasst wurde. Das Material war so dünn wie ein Tissue, wog nichts und duplizierte ein mit Spuke poliertes Chrome. Im Scheinwerferlicht sah Michael aus, als sei er mit Chrome und Silber bemalt, genau wie ein Sorayama Roboter.
Von all unseren Tour Kostümen mussten wir von dem Chrome-Outfit die meisten Duplikate anfertigen, weil die Folie auf dem Stoff schon nach kurzer Zeit zerriss, den Glanz verlor und das blaue Spandex darunter durchscheinen lies. Aus Angst, uns könnte das Material ausgehen oder es würde nicht mehr hergestellt, kauften wir alles auf, was wir bekommen konnten – etwa 100 Meter. Wir mussten sicher gehen, dass das Material für die gesamte Tour reichen würde und eventuell sogar auch für Michaels ganze Karriere. Würde das Chrome Outfit ein so bezeichnendes Teil werden, wie die Thriller oder Beat It Jacke, mussten wir sicher sein, auch für eine Tour in zehn Jahren noch genügend Material zu haben; ich hätte sonst kein Auge mehr zu bekommen.
Wir wollten das Outfit damit vervollständigen, indem wir noch eine harte Außenhülle erschufen. Geplant war ein Brustpanzer, der so passgenau wäre, dass man nicht auf die Idee käme, dass er aus Plastik sei. Wir wählten dazu einen metallischen, vakuumgeformten Kunststoff und sägten ihn anhand einer Form nach Michaels Maßen aus. Danach schliff und polierte Dennis ihn und lies es mit Chrome beschichten. Zuvor probierte Michael die weiße Plastikversion an und tanzte darin seine aggressivsten Moves und seine höchsten Kicks, damit ich sehen konnte, wo man etwas Material hinzu geben oder wegnehmen musste. Wenn Michael wieder still stand, markierte ich das weiße Plastik mit einem schwarzen Marker und gab Instruktionen für Dennis darauf an, damit er die Form verändern konnte. Auch wenn er ein langweiliges weißes Plastikteil trug, glänzten Michaels Augen schon in Erwartung dessen, was das Endergebnis sein würde.
Dann fragte er plötzlich: “Bush, wann darf ich mal?“
„Was dürfen?“ Ich markierte gerade eine Linie in Höhe des Zwickels.
„Wann darf ich auf dich malen?“
Michael nahm mir den Marker aus der Hand und schüttelte ihn, als wäre es eine Spraydose. Als wir also fertig waren mit der Anprobe, tauschten wir die Plätze. Ich stand mit ausgestreckten Armen da und Michael nutzte seine Gelegenheit mit dem Marker selbst das Plastik zu bemalen. Er hatte riesigen Spaß daran, mich zu imitieren und auf einer Oberfläche zu zeichnen, auf der er noch nie vorher gezeichnet hatte. Auch in etwas so banalem, wie eine Anprobe, fand Michael Staunen und Spaß.

Einen Brustpanzer für Michael anzufertigen war für uns nicht die eigentliche Herausforderung. Das wirkliche Problem war, ihn so zu machen, dass Michael ihn ganz leicht abnehmen könnte. Für die Eröffnung der Show platzt Michael in die Szene, bekleidet mit einem Helm und dem Brustpanzer, aber nach etwa 30 Sekunden müsste er beides selbst ausziehen können. Wir mussten die Teile so gestalten, dass Michael sie ausziehen könnte, ohne damit zu kämpfen, deshalb konstruierten wie es so, dass sie mit einem Ruck nach vorne abzuziehen wäre. Innen an dem Brustpanzer war ein Haken, um ihn an einen Gürtel zu befestigen, der um Michaels Taille ging und an der linken Seite mit einem Klettverschluss zu schließen war. Zuviel Klettband hätte es für Michael schwierig gemacht, den Panzer mit einem Ruck abzuziehen, zu wenig davon, hätte nicht lange genug gehalten. Das Klettband war genauso bemessen, dass der Panzer schon abfallen würde, wenn Michael nur tief einatmete. Michael musste also sehr vorsichtig mit seinem Kostüm umgehen, damit die Magie wirken könnte.
Hatte Michael den Brustpanzer abgerissen, schmiss er ihn von der Bühne zu mir oder einer Stagehand. Es stresste mich jedes Mal. Wenn er ihn nicht richtig warf (was möglich war) und ich ihn nicht fing (was noch eher möglich war) würde die Chromebeschichtung auf den Boden knallen. Aus dem Grund hatte Dennis davon drei Kopien angefertigt.

Wir hatten auch drei Kopien von Michaels Helm, denn das war das erste Teil, was von der Bühne flog, und es bestand das Risiko, dass etwas abplatzte. Der Helm besteht eigentlich aus sieben mit Chrome überzogenen Teilen: eins für jede Hälfte der Vorder- und Rückseite, dem Visier über den Augen und den Stücken über den Ohren, damit das Visier beweglich war. Wir benutzten einen von Michaels Kopfformen, die noch aus Thriller-Tagen übrig war, um die Größe des mit Vakuum geformten Kunststoffs festzulegen und Dennis formte danach das Design aus. Der Kopf sollte futuristisch, sexy und schnittig aussehen, aber sein erster Prototyp sah nicht menschlich aus, weshalb er ihm noch Lippen formte. Wenn man das Visier schloss, sah es nicht mehr nach einem Ball aus sondern als ob ein Mensch darunter wäre. Der Helm war so eng, dass man einen Schuhlöffel brauchte, um ihn vor der Show auf Michaels Kopf zu bringen; er sollte so dicht wie möglich an seinem Gesicht sitzen, um den Look zu erreichen, den er haben wollte: „Ich möchte nicht wie ein Mann im Raumfahreranzug aussehen. Ich möchte aussehen wie eine Menschengestallt aus Chrome.“
Damit Michael ihn wieder problemlos abziehen konnte, schnitt Dennis die Rückseite höher aus als der Nacken, so dass er eher wie eine Maske saß wie ein Helm, was es ihm möglich machte ihn vom Kinn über den Kopf ab zu ziehen, ohne dass sich er am Schädel verkanten würde. Michael wusste genau, wie weit er den Kopf nach rechts oder links drehen durfte, wenn sein Publikum ihm zujubelte, ohne seinen Trick preiszugeben.
Eines der kniffeligsten Probleme war den Chrome Helm so auszuformen, dass Michaels Headset darunter passen würde. Und weil jeder Veranstaltungsort anders war, waren auch die zur Verfügung stehenden Headsets unterschiedlich. Wir mussten als bei der Konstruktion vom „Worst Case“ ausgehen. Wir suchten das unförmigste, komplizierteste Headset heraus, platzierten es am Kopf des Dummies, und schnitten danach die Form aus. Für die Herstellung des ganzen Anzugs, inklusive Arm und Bein-Schonern und Helm, hatten wir etwa einen Monat Zeit, und testeten schließlich den Prototyp in Bukarest (1996). Wir hatten es mit hartem Plastik zu tun, deshalb war es unerlässlich zu sehen, ob Form und Funktion auch vor einem Live-Publikum funktionieren würden. Zum Glück lagen wir schon beim ersten Versuch richtig. Ich rief Dennis zuhause in LA an, um ihm die gute Nachricht mitzuteilen und ihm grünes Licht zu geben, von jedem Teil drei Kopien herzustellen.
Was keiner über das Chrome-Outfit weiß, genauer gesagt über den Brustpanzer,ist, dass wir auf der rechten Seite in Höhe des Schritts ein Loch von etwa 1 cm Durchmesser hineingebohrt haben. Michaels Absicht war es, einen Schlauch von seiner Raumkapsel in seinen Schritt zu führen und mit Hilfe eines integrierten Ventils das Publikum mit Rauch zu besprühen. „Die Fans werden das lieben“, sagte Michael aufgeregt, als er in Bukarest während der Tour auf diese Idee kam, „und so etwas hat vorher noch niemand gemacht.“ Ja tatsächlich, ich frage mich nur, warum. So seltsam es sich auch anhörte, war es doch typisch Michael. Ich freundete mich damit an, dass es geschehen würde, und es wäre auch passiert, wenn der Pyrotechniker nicht Bedenken gehabt hätte. Aber auch wenn diese Idee nicht verwirklicht wurde, war es kein Grund für Michael, nicht weitere verrückte Ideen mit uns zu teilen. Und wir sind sehr froh darüber, denn weil es Michaels Drang war die Grenzen zu verschieben, wurden Dennis und ich immer dazu aufgefordert, nach „dem Nächsten“ zu suchen.

Quelle: MJJforever / Maja und Lilly
Bild
Benutzeravatar
Remember MJ
Forum Admin
Forum Admin||
 
Beiträge: 5910
Registriert: 06.2010
Wohnort: Neverland
Geschlecht: weiblich

Re: The King of Style in deutscher Übersetzung

Beitragvon Gabi-Maus » 4. Feb 2013, 23:05

:10hallo2: :air_kiss: :ggg55: :give_rose:

Danke für die Fortsetzung liebe RMJ.
:knuddlerrot: Grüße von Gabi-Maus Mike 1 :MJrot: Mike 2
Bild
Benutzeravatar
Gabi-Maus
Team
Team||
 
Beiträge: 3035
Registriert: 06.2010
Wohnort: Neverland
Geschlecht: weiblich

Re: The King of Style in deutscher Übersetzung

Beitragvon ILoveMichael » 6. Feb 2013, 14:50

warum macht man sich die mühe das buch zu überstezen ?

im märz komt es doch soweiso in deutsch heraus
Benutzeravatar
ILoveMichael
 
Beiträge: 87
Registriert: 06.2012
Geschlecht: männlich

Re: The King of Style in deutscher Übersetzung

Beitragvon Blackpearl » 6. Feb 2013, 18:05

danke liebe rmj fürs reinstellen flirty
wenn mein äuglein wieder gut ist, kann ich auch dann wieder Bild
Bild
Benutzeravatar
Blackpearl
Team
Team||
 
Beiträge: 1112
Registriert: 06.2011
Wohnort: Mainz
Geschlecht: weiblich

Re: The King of Style in deutscher Übersetzung

Beitragvon MJ5stars » 7. Feb 2013, 16:41

danke für die Übersetzung, :jc_thankyou:
mir schauderts mit dem Bericht über Remember in Ägypten- bei der Hitze und
------' Michael brauchte Kleidung, um die HAUTKRANKHEIT ZU VERDECKEN;'' --- Mike 4
Benutzeravatar
MJ5stars
 
Beiträge: 68
Registriert: 06.2011
Geschlecht: weiblich

Re: The King of Style in deutscher Übersetzung

Beitragvon Remember MJ » 12. Feb 2013, 13:58

Kapitel Acht
Grenzenlos

Michael vertrat uns gegenüber regelmäßig die Meinung, dass „wir unsere Kunst zeigen“ und „die Welt wissen lassen sollten, wem sie den Dank für all diese Kreationen schuldet“, aber Dennis und ich waren ziemlich zurückhaltend, wenn es darum ging, dass unsere Namen genannt werden sollten. Mit Ausnahme von ein paar erlesenen Stücken für Elizabeth Taylor und der Anfertigung des roten Overalls für Britney Spears und ihr Oops … I Did It Again Video arbeiteten wir ausschließlich exklusiv für Michael. Das Ergebnis war, dass Bush/Tompkins den Studioleuten aus Hollywood, den Prominenten oder sogar dem Museumskurator des Grammy Museums in Los Angeles, das im Februar 2009 damit begann einige von Michaels Kostümen auszustellen, nicht leicht über die Lippen kam.

Wir trafen den Museumsdirektor bei der Ausstellung. Sie war vor weniger als einem Monat eröffnet worden, und Dennis und ich hatten gehört, dass einige der von uns entworfenen und hergestellten Teile ausgestellt wurden. Wir fragten uns, wie es sein würde, wenn wir unsere Entwürfe hinter Glas statt zwischen den Millionen Teilen in unserer Werkstatt betrachten könnten, also gingen wir hin, kauften zwei Eintrittskarten und taten eine Zeitlang so, als wären wir Touristen. Mit dem Unterschied, dass wir vertraut waren mit den Geschichten hinter den ausgestellten Kleidungsstücken, wie dass die Schienbeinschoner aus achtzehnkarätigem Gold von der HIStory Tour ein nicht zueinander gehörendes Paar waren; und wie Michael uns dazu gebracht hat, die Fransen von den Ärmeln der mit Kristallsteinen bestickten Adlerjacke zu entfernen, bevor er darin im Oktober 2001 auf einem 9/11 Benefizkonzert im RFK Stadion in Washington D.C. aufgetreten ist; oder wie eine der ausgestellten Jacken durch das schillernde Einwickelpapier eines Ice Breakers Kaugummis inspiriert worden war. Den ganzen Weg, den Dennis und ich durch das dicke, erleuchtete Glas auf einige unserer ausgestellten Stücke warfen, bemerkte der Museumsdirektor unser besonderes Interesse an Michaels Garderobe und stimmte eine Unterhaltung an. Er fragte uns, ob wir Fans seien.
Dennis war nicht so sehr der Witzbold, aber dies war ein Moment, den auch er nicht so verstreichen lassen konnte. „So in der Art könnte man es ausdrücken“, antwortete er trocken.
Der Direktor nahm dies zum Anlass, uns einige seiner eigenen Ansichten über Mode und wie sie bei Michael Jackson zur Anwendung gebracht wurde, zu präsentieren. „Ist es nicht interessant“, fragte er, „wie sich das Bild von Michael über die Jahre entwickelte, er jedoch immer noch Michael Jackson war?“
Dennis und ich tauschten einen Blick und bekamen es irgendwie hin, nicht laut loszulachen. „Warum, ja“, entgegnete Dennis und engagierte sich völlig bei dieser Scharade. „Ja, das ist es sicherlich! Haben Sie jemals die Designer getroffen?“
„Nun, ich weiß, dass Bill Whitten verstorben ist.“ Der Direktor zeigte auf die Fantasy Handschuhe, die Bill Whitten 1984 entworfen hatte. „Aber Bush/Tompkins? Ich habe nie auch nur ein Interview mit ihnen gesehen. Es ist so, als wären sie unsichtbar. Ich vermute, sie sind unerreichbar.“
Unerreichbar? Wir? Wir konnten nicht anders, als dieses Bild von uns, dass wir mysteriöser seien als wir tatsächlich waren, zu genießen. Die simple Wahrheit war, dass wir Workaholics waren, die ihren unglaublichen Job unterwegs und zuhause liebten und die Anonymität genossen, die es mit sich brachte, die Schatten hinter der Leinwand zu sein.
Wir hatten unseren Spaß mit dem Museumsdirektor, aber es war nun Zeit, sich zu zeigen und auszupacken. Dennis streckte seine Hand aus und begann mit der verspäteten Vorstellung: „Tompkins. Und Bush. Es ist uns ein Vergnügen.“

Du hättest denken können, der Direktor hätte gerade Michael Jackson höchstpersönlich getroffen. Weg war sein ruhiges Auftreten und es stürmte ein Gestöber von Fragen und mehr Komplimente als Perlen an einer Kette auf uns ein, bis er uns liebenswürdigerweise einlud etwas später in derselben Woche auf dem Empfang der Stifter zu sprechen. Der Gedanke vor so vielen Menschen zu sprechen war beunruhigend, aber die Möglichkeit, einige unserer Hinter-den-Kulissen-Geschichten und Vorgehensweisen zu teilen, war zu verführerisch, als dass wir uns diesen inspirierenden Trip auf der Straße der Erinnerungen entgehen lassen konnten.

Michaels Outfits, so wunderschön zusammengestellt und ausgestellt in dem Museum waren wie Schnappschüsse unseres Lebens mit ihm. Michaels Kleidungsstücke waren normalerweise in vielen Teilen in unserer Werkstatt verstreut, von Michael selbst nach einer Live Performance ausrangiert oder geschrubbt und wieder getrocknet und zurückgelassen in einem Hotelzimmer irgendwo auf einem anderen Kontinent. Nun, als ein Ausstellungsstück erkannten wir wie niemals zuvor die unauslöschliche Art, in der Michael uns beeinflusst hatte. Und umgekehrt. Wir konnten die Details bewundern und sie mit jedem Stück in Zusammenhang setzen: die Art und Weise, in der wir unseren kreativen Prozess verfolgten, wie er sich über die Jahre entwickelte und wie viel Spaß wir dabei hatten.

Michael war eine Muse, ein Rätselsteller und ein Witzbold, aber am allermeisten ein Erfinder, der sich weigerte zu glauben, dass irgendetwas unmöglich sei. Durch ihn nahmen wir die gleiche grenzenlose Philosophie an. Dennis und ich, ursprünglich ein Team bestehend aus einem Schneider/Ausstatter und einem Ankleider waren zu Künstlern und Ingenieuren herangewachsen, deren gemeinsame Vision auf der Bühne des Grammy Museums gelandet war.


Die „Lean Shoes“

Es gibt eine Redensart in Hollywood „Wenn du zu schnell arbeitest, dann beförderst du dich selbst wieder aus dem Job heraus“. Aber Dennis und ich boten dieser Logik die Stirn, denn wir arbeiteten rund um die Uhr, manchmal dreißig Stunden am Stück, wenn wir unsere Sachen fertig bekommen wollten. Und es schien, dass je unfassbarer oder komplex Michaels Anfrage war, wir umso weniger Zeit hatten, das Kunststück zu vollbringen. „Wie weit können wir das treiben?“ fragte er oft. Seine Gedanken kannten, wie der Himmel, ganz einfach keine Hürden oder Grenzen. Begrenzungen, das lernte ich durch ihn, sind entweder selbst auferlegt oder basierten auf den eingeschränkten Visionen anderer.

Michael liebte Der Zauberer von Oz aus vielen Gründen: Seine Geschichte, seine Botschaft und wegen des Pioniergeistes des Filmemachens selbst. Wenn der Zinnmann, ursprüngliche Besetzung durch Buddy Ebsen, aber dann gespielt von Jack Haley, sich das Herz über sein Hohlsein / seine Leere heraus sang, dann staunte das Publikum über seine magische Fähigkeit sich ohne überzukippen und so in einen Zinnhaufen zu verwandeln, nach vorne, nach links und nach rechts zu lehnen. Es war eine geschmeidige Bewegung – eine, die Michael auf eine neue Ebene bringen würde und deren Eigentümer er im buchstäblichen Sinn werden würde.

In dem Kurzfilm Smooth Criminal von 1987 zeigte Michael das, was als the lean move bezeichnet wurde. Dank eines kleinen Schraubeneinsatzes, der seine Magie hinter den Kulissen entfaltete, war Michael in der Lage, sich um 45° nach vorn und wieder zurück zu lehnen, und als der Regisseur „Schnitt“ rief, hätte das Funkeln in Michaels Augen Diamanten zerschneiden können, so sehr freute er sich. Ich war auf dem Set und hatte es gesehen, bevor er zu seinem Trailer zurück ging und schwärmte: „Bush, hast du das gesehen? Oh Mann, das hat mir wehgetan!“

Für Michael war „wehtun“ eine gute Sache, das „Äußerste“. Das hieß, die Würfel waren gefallen. Dennis und mir wurde die Verantwortung dafür übertragen, die gleiche Bewegung live möglich werden zu lassen, und noch bevor wir mit der Arbeit anfingen, wusste ich, dass wenn irgendjemand Michael Jackson sich auf der Bühnen nach vorne lehnen lassen könnte, und zwar ohne die Tricks, die auf der Leinwand benutzt wurden, es Dennis war.

Dennis war selten auf dem Set, aber glücklicherweise war er es an genau dem Tag, als der Lean Move aufgenommen wurde. Er sah die ganze Sache und zog als Startpunkt seine Erfahrung als Schlittschuhläufer heran. Er legte fest, dass es einen Weg geben musste, den Schuh hoch genug festzuschnallen, um dem Fuß bei dieser unmöglichen Bewegung ausreichend Unterstützung zu bieten. Dennis erzählte mir, dass er zuversichtlich war, dies hinzubekommen. „Wie“, vertraute er mir an, „das ist meine Herausforderung.“

Es dauerte drei Monate bis Dennis die Herausforderung bewältigte. Zeichnend und überarbeitend machte der Künstler in Dennis dem Ingenieur Platz, bis Dennis der Erfinder zum Vorschein kam. Die Stiefel wurden so gestaltet, dass sie in der Mitte des Spanns zusammengeschnürt wurden, um den Knöchel zu unterstützen und unbeweglich zu machen. Die Außenhülle war nur Fassade, die aussah wie ein regulärer Florsheim Schuh; darunter verborgen war die ganze Mechanik. Auf der Sohle des Schuhs rasteten Stahlblechplatten in Bolzen, die im Boden befestigt waren, ein. Wie wenn Blendwerk durch Licht aufgedeckt wird, gab diese Kreation Dennis die feste Überzeugung, Michael anzurufen und ihm mitzuteilen, dass er für den ersten Lean bereit sei.

Innerhalb derselben Stunde packten wir die Lean Shoes zusammen, gemeinsam mit einem 2 mal 3 Holzbrett, das als Provisorium für den Boden mit Bolzen diente, in den die Stiefel einrasten konnten, und machten uns auf zum Record One, wo Michael wohnte, während er aufnahm.

Bei dem Verkehr in L.A. kamen wir nicht vor 7 Uhr abends an. Großer Fehler. Als die Rezeptionistin uns begrüßte, warnte sie uns vor, dass Michael nicht vor 7.30 Uhr, nämlich dann, wenn die Simpsons vorbei waren, aus seinem Privatquartier herunter kommen würde. Dennis war verständlicherweise fuchsteufelswild. Obwohl, zurückblickend muss ich sagen, weiß ich nicht, warum wir beide so überrascht waren. Wir hätten es besser wissen müssen, als wir während der Rush Hour losfuhren und in der ganzen Aufregung gefangen waren und dabei die Unantastbarkeit der Simpsons vergaßen.

Fröhlich gestimmt – ohne Zweifel durch die dreißigminütige Erheiterung – lief Michael durch den Rezeptionsbereich, wo Dennis und ich unruhig warteten.
„Was habt ihr da?“ Michael beäugte unseren Koffer mit dem Brett, als er den Raum betrat. Er wusste sehr gut, warum wir da waren, wollte aber sicher gehen, dass es wie eine Präsentation durchgeführt würde, nicht wie eine Ablieferung.
„Wie möchtest du dich heute nach vorne lehnen?“ fragte ich ihn. Dennis stand still und stoisch da, während ich Michael seine Loafer auszog und ihm half, die Stiefel zusammenzuschnüren. Obwohl wir gerade dabei waren etwas noch nie Dagewesenes zu tun, jammerte Michael immer noch herum und protestierte: „Bush, das wird nicht funktionieren“, und warf dabei seine Hände in die Luft wie ein Kind, das sich gegen seine Eltern wehrt, weil es sonntags abends seine Hausaufgaben machen soll.
„Michael“, sagte ich mit meiner ruhigsten Stimme, „bleib ruhig. Ich weiß, du magst das nicht, aber du musst sie anprobieren.“
„Ich hab‘ zu tun“, fuhr Michael fort. „Dies hier wird nicht funktionieren.“
Dennis brach sein Schweigen als Stimme der Vernunft, verpackt als gereizte Kampfansage. „Wenn du es nicht probierst, Michael, werden wir es nie erfahren. Du hast noch nie etwas Neues vorher angezweifelt, warum also jetzt?“
Es war, als wenn Dennis ein magisches Wort gesagt hätte, denn wie auf Presto oder Abrakadabra änderte sich Michaels Verhalten mit einem Fingerschnippen. Es war ein seltener Moment, dass Michael an seinen eigenen Glauben an die Magie erinnert werden musste.
Die Stiefel saßen stramm und eng anliegend an den Knöcheln, nicht wie die Florsheims. Und gerade, als wir dachten, wir hätten ihn ruhiggestellt, fing Michael wieder zu fragen an.
„Ich soll in diesen Dingern tanzen?“
„Michael“, verlangte Dennis, „stell dich auf dieses 2 mal 3 (große Brett) und wenn du merkst, dass die Boots einrasten, dann lass deine Brust den Himmel berühren, zieh deinen Bauch ein und lehn‘ dich in Richtung Bush.“
Und das war es genau, was Michael tat. Er pumpte seine Brust auf wie ein Pfau und versteifte seine Gelenke und lehnte sich mit blindem Vertrauen nach vorne, lehnte sich wieder zurück und rang nach Luft. Trotzdem Dennis und ich die Schuhe selbst ausprobiert hatten, bekamen wir nie genug davon sie in Aktion zu sehen.
„Ich kann nicht glauben, dass ihr das hinbekommen habt!“ Michael umarmte uns, und dann gab er Dennis eine wohlverdiente Extra-Umarmung und einen Klaps auf die Schulter.
Dennis wiederum erzählte ihm ganz direkt: „Ich hab dir gesagt, es wird funktionieren, Michael. Wir haben es selbst erst eine Woche lang getestet, bevor wir hergekommen sind.“
Und ich hatte die blauen Flecken, um das zu beweisen. Zweimal pro Tag, jeden Tag der Woche spielte ich die Rolle des Humpty Dumpty. Sich vorwärts zu lehnen, wenn du eine 50/50 Chance hast dir deine Nase an einer Wand zu brechen ist nervenaufreibend. Meine Augen geschlossen, zitterten meine Lider, mein Kopf schnellte zurück, ich versteifte mich und hatte Fehlstarts. „Stell dir vor, du würdest tauchen,“ schlug Dennis mir vor, woraufhin ich schrie: „Aber ich mag kein Wasser!“
Michael war kein Humpty Dumpty. Er spielte eine gute Stunde lang in diesen Schuhen herum, bevor er uns mit einem vorausschauenden Beschluss überraschte: Dies muss patentiert werden. Wir nahmen Michaels Wunsch danach, die Erfindung besitzen zu wollen als Kompliment, also zeichneten wir zwei Monate lang detaillierte Bilder und Beschreibungen für die schriftliche Archivierung, um sie danach an Michaels Anwälte zu senden und selbst mit dem Nächsten weiterzumachen – die erste Live Performance des Lean Move in Tokyo.

Ich hatte Magenschmerzen, wie üblich, wenn wir etwas zum ersten Mal live machten. Ganz egal, wie oft wir es geprobt hatten, ich wusste, dass nichts jemals in Stein gemeißelt war, als sich Michael also am 23. Februar 1988 auf die Stelle mit dem Bolzen auf der Bühne in Kansas City zubewegte, war alles, was ich tun konnte, nicht meine Augen zuzukneifen.
Michael war ein Meister. Singend und tanzend unter heißer Beleuchtung, mit einer Live Band, Tänzern und Zehntausenden von Menschen, die nach ihm schrien, war er so konzentriert, als er seine Lean Shoes über die Bolzen gleiten ließ und sie einrasten ließ. Und sich vorlehnte. Live. „Smooth Criminal“ hatte die Nacht elektrisiert.
Michael kam von der Bühne, immer noch nach Atem ringend und sagte: „Du musst Dennis dieses Paar geben.“
Dennis hatte einen Home Run erzielt, und der Ball wurde zu seinem Gedenken an ihn zurückgespielt. Ich zog Michael die Lean Shoes aus, seine Florsheims wieder an und schickte ihn raus für seinen nächsten Song. Als wenn die Frage während der Show in seinen Gedanken brannte, kam er nach dem Finale von Bühne und fragte mich: „Ich hab‘ doch noch ein Paar weitere Schuhe, nicht wahr?“
Das war so typisch Michael. Bevor er an sich dachte, dachte er erst mal an Dennis. Überlasse die Erfindung dem Erfinder; lass ihm die Anerkennung zukommen, wo Anerkennung geboten ist. So war Michael, der uns ständig erzählte: „Ihr müsst Anerkennung für eure Kunst bekommen.“

Und Michael lebte seine Worte. Mehr als eine Dekade nach der Bad Tour berichtete Katie Couric in ihrer Sendung Today, dass ein Patent für Michael Jacksons Lean Shoes öffentlich geworden ist. Bis dahin bezahlten Michaels Manager eine vertrauliche Jahresgebühr, um so etwas zu vermeiden; jemand hatte die Zahlungsfrist verpasst und die Schriftstücke wurden öffentlich gemacht. Das Geheimnis darüber, wie Michaels Lean Shoes funktionierten war nun gelüftet. Ich fragte Michael, ob er darüber nun wütend sei und er sagte mir, dass er es nicht wäre.
„Ich möchte nur wissen, warum, Bush“, sagte er. „Die Magie sollte erhalten bleiben. Warum haben sie es für jedermann ruiniert?“
„Michael, ich weiß es nicht“, war das Beste, was ich herausbekam. Nachdem sich das Patent über das Internet rasend schnell verbreitet hatte, schlugen Dennis und ich es nach und wurden umgehauen von dem, was wir da fanden. Da konnte man lesen: „Verfahren und Mittel für die Herstellung der Anti-Schwerkraft Illusion; Erfinder: Michael J. Jackson, Michael L. Bush, Dennis Tompkins.“ Die ganze Zeit bereits hatte Michael das Patent gemeinsam mit uns gehalten. Es war ein außergewöhnlicher und bestätigender Augenblick für uns, dass wir die Anerkennung für unsere Kunst bekamen, als wir es nicht erwartet hatten.

Quelle: MJJforever / Maja und Lilly
Bild
Benutzeravatar
Remember MJ
Forum Admin
Forum Admin||
 
Beiträge: 5910
Registriert: 06.2010
Wohnort: Neverland
Geschlecht: weiblich

VorherigeNächste

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Beteilige Dich mit einer Spende
cron
web tracker