«The brilliant Illusion of being a King» / Neverland Lost


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«The brilliant Illusion of being a King» / Neverland Lost

Beitragvon Remember MJ » 21. Mär 2014, 21:38

«The brilliant Illusion of being a King»

Neverland Lost:
Am vergangenen Donnerstag haben Henry Leutwyler und Romano Zerbini zur Pressekonferenz in die Bar des Photobastei Hochhauses eingeladen. Was Leutwyler über Michael Jackson und das Ausstellungsformat zu sagen hatte, wollte weder das Schweizer Fernsehen noch jackson.ch verpassen. Der weltbekannte Portraitfotograf kam extra aus New York angereist.

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Der in die USA ausgewanderte und mehrfach preisgekrönte Schweizer Fotograf Henry Leutwyler vor seinem Portrait «White Wings». Bild: Regula Kreis

Photobastei, Zürich:
Auf sieben Stockwerken verteilt können angehende Fotografen ebenso wie bereits bekannte Namen ihre Werke ausstellen. Möglich dank Romano Zerbini und der Stadt Zürich, die Zerbini ein vor dem Abriss stehendes Hochhaus zur Verfügung gestellt haben. Erneut hat der Kurator und Kunstvermittler einen grossen Namen nach Zürich geholt: Henry Leutwyler, dessen Fotografien «Neverland Lost» – A Portrait of Michael Jackson und «Ballet» – Photographs of the New York City Ballet bis Anfang Mai ausgestellt sind. Erstmals in Europa.

«Der King of Pop war einer von uns», sagt Henry Leutwyler zu den anwesenden Journalisten. Und genau das wolle er mit seinen Portraitfotografien der Neverland-Gegenstände zeigen, den Menschen hinter dem Star. Seine selbstgebastelten Bühnenouftits, seine extravaganten Besitztümer und Sammelstücke, seine Sehnsucht nach der verlorenen Kindheit.

Indem Leutwyler die bisher verborgenen Rückseiten und Details an den Kleidern zeigt – von den Namensschildern bis zu den Schweissflecken – möchte er dem Betrachter einen neuen Blickwinkel eröffnen. So fotografierte er die abgewetzte und von Hand beschriftete Fusssohle des berühmten Moonwalk-Schuhs, die auf den unermüdlichen Fleiss und Ehrgeiz Michael Jacksons schliessen lässt. Oder beim Bild der Socke, von der wir nur den glitzernden, pailletenbestickten Teil kennen, ist nun die Marke «Thorlo» erkennbar, die auf ein amerikanisches Supermarkt-Billigprodukt schliessen lässt und so das ausgeklügelte, bis ins kleinste Detail durchdachte Erscheinungsbild des Entertainers verdeutlicht, der seine Visionen von Mitarbeitern umsetzen liess, egal wie viele Stunden Feinarbeit das in Anspruch nahm. Leutwyler zeigt auch nicht nur den einen berühmten weissen Handschuh, sondern über zehn weitere Paare in anderen Farben, die der King of Pop nie in der Öffentlichkeit getragen hatte. Das Bild von den «Wizard of Oz» Figuren, ist ebenso vielsagend – offenbar haben die Spielfiguren Michael Jackson viel bedeutet, hatte er doch in der Motown-Verfilmung des Musicals «The Wiz» im Jahr 1978 seine erste Rolle als Schauspieler, für die er viel Lob einsteckte. Ausserdem lernte er während den Soundtrack-Aufnahmen Quincy Jones kennen, mit dem er in der Folge die Geschichte schreibenden Alben Off The Wall, Thriller und Bad einspielte.

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«Celebrity portrait photographer»
Henry Leutwyler stellt klar, dass er nur Objekte von Personen fotografiere, die er persönlich mag. Er sei ein grosser Fan und Bewunderer Michael Jacksons. Der ausgewanderte Schweizer Starfotograf kann sich seine stolze Haltung leisten. Nachdem ihm eine Karriere in der Schweiz verwehrt blieb, reiste Henry Leutwyler erst nach Paris, Mitte der 90er dann in die USA, wo er bis heute in Downtown Manhaten in New York lebt. Sein Talent, Charakter und Momente einzufangen, das Vertrauen der Stars, aber auch Zufälle verhalfen ihm zum grossen Durchbruch. Heute werden seine Portraits in namhaften Medien wie «Vogue», «Vainty Fair», oder «New York Times» publiziert. Abgelichtet hat er Berühmtheiten wie Michaelle Obama, Julia Roberts, Beyonce, Spike Lee oder Martin Scorsese. Da viele seiner Idole gestorben sind, hat Leutwyler, der sich selbst eigentlich als «celebrity portrait photographer» bezeichnet, auch begonnen, Objekte als Still Life zu fotografieren, um so die Persönlichkeiten im Nachhinein zu portraitieren: Darunter die Gitarre von Jimi Hendrix oder die Brille von John Lennon.

Neverland Auction
Als Leutwyler Michael Jacksons Gegenstände ablichten durfte, lebte dieser noch. Es war Anfang 2009, als eine grosse Auktion von Juliens Auctions angekündigt wurde. Über 2000 Besitztümer von der Neverland Ranch sollten unter den Hammer kommen. Kostüme, Bilder, Pokale, Möbel und Alltagsgegenstände. Henry Leutwyler hatte nur wenige Tage Zeit, diese zu dokumentieren. «An einer Auktion verlieren sich die Spuren der Objekte. Wer am meisten bietet, erhält den Zuschlag, und niemand weiss, wohin die Sachen verschwinden, vielleicht in einen Safe, vielleicht in einen Keller, wer weiss», so Leutwyler. Er habe gewusst, dass Jackson ein «Buyer» gewesen sei, dass er unzählige Dinge um sich hätte haben wollen, und er, Leutwyler, sei deshalb nicht überrascht gewesen, als er dann in einem Warenhaus vor sieben bis acht Containern von Waren gestanden habe. Auf die Frage, ob sich sein ursprüngliches Bild Jacksons nach dem Abschluss der Fotoarbeiten verändert habe, verneint er, und meint, er bewundere ihn nach wie vor sehr als Künstler.

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Michael Jackson war im frühen 2009 jedenfalls finanziell und emotional schwer angeschlagen. Sein letztes Studio-Album erschien vor einer halben Ewigkeit, und auf der Bühne war er seit sechs Jahren nicht mehr gestanden. Seine Angstellten, von Bodyguards bis zu den MJJ Productions Mitarbeitern, externe Dienstleister wie Anwälte und Berater, die Neverland Ranch, in die er seit dem Jahr 2005 keinen Fuss mehr gesetzt hatte, und teils horrende Zinsen für refinanzierte Darlehen, verschlangen Unmengen an Geld. Hinzu kamen Missmanagement und eigene Verschulden. Mit dem Verkauf seiner wertvollsten Besitztümer, wäre MJ seine Geldsorgen auf einen Schlag los gewesen. Darunter Sony/ATV Music Publishing, Mijac Music, der Songkatalog, der unter anderen die Rechte seiner selbst komponierten Songs wie Billie Jean, Smooth Criminal oder Black or White enthält, die Neverland Ranch und das Familienheim Encino, in dem seine Familie kostenlos wohnen darf. Doch Michael Jackson wollte auf keinen Fall verkaufen, seinen Besitz auseinander fallen sehen. So kam es, dass sein damaliger Manager Thome Thome ohne Einverständnis Michael Jacksons dessen Neverland Besitztümer verhökern wollte. Erst als MJ dank seinem 50 Konzerte umfassenden «This Is It» Deal mit AEG Live wieder zu voraussehbaren Einnahmen kam, konnte er die Neverland Auktion wenige Tage vor Beginn stoppen. In einer Pressemitteilung Mitte April hiess es, dass die begehrten Einzelstücke nicht in die Hände von Privat-Sammlern gegeben werden möchten. MJJ Productions und Juliens Auctions hätten Vereinbarungen getroffen, damit die Neverland Sammlung in den kommenden Jahren mit Jacksons Fans geteilt werden könne. Mit dem Deal soll auch Geld in die Stiftung «MusiCares» fliessen, die Künstler in Not unterstütze.

«This Is It» Die «This Is It» Konzerte in London sollten jedoch nie stattfinden. Michael Jackson, der an chronischer Schlaflosigkeit litt, starb am 25. Juni 2009, zwei Monate vor seinem 51. Geburtstag, unter der Obhut des extra für die Konzerte eingestellten Leibarztes Conrad Murray.

Bild Henry Leutwyler erinnert sich sehr genau an den Tag, an dem MJ gestorben ist. Er sass in seinem Büro, als ihn ein Freund anrief und ihm die traurige Nachricht mitteilte. Er habe aber der Quelle, einer einschlägigen Online-Newsseite, erst nicht vertraut und habe erst später erfahren müssen, dass es doch wahr sei. «Das Traurige an diesem Projekt ist», so Leutwyler, «dass er ein so kurzes Leben hatte. Wenn man jetzt diese Bilder anschaut, ist es wie ein Testament. Es ist eine traurige Geschichte. Die Bedeutung der Bilder ist heute eine total andere als sie sein würde, wenn er noch am Leben wäre.» Leutwyler vergleicht Michael Jackson immer wieder mit Marilyn Monroe und Elvis Presley – sie alle seien in Einsamkeit gestorben und an einem Schlafmittelcocktail. Er empfinde tiefes Verständnis für die Stars, die einfach nur noch schlafen wollten und nicht mehr weiterwussten.

«Children of the World»
Der 52-jährige Fotograf erklärt den Journalisten an diesem Donnerstag im Photbastei-Hochhaus, dass Jackson keine Kindheit gehabt habe, da er schon sehr früh auf der Bühne gestanden habe. Diese Kindheit habe er mit seiner Ranch «Neverland» kompensiert, seinem eigenen Wunderland, zu dem ihn seine Lieblingsgeschichte Peter Pan inspiriert hatte. Henry Leutwyler dokumentierte auch das: Die Erstausgabe vom Peter Pan Buch mit dem abgenutzten Cover. Ein anderes Foto zeigt eine für Neverland hergestellte Tafel, auf die Michael Jackson eines seiner eigenen Gedichte gravieren liess: «Children of the World» Darin notierte er: «Well meet on endless shores, Making sandcastles and floating our boats, While people fight and defend their point of view, Forever putting on masks that are new, Well swing the tide of time and do it. Children of the world, well do it.» Die abgebildeten Zeilen portraitieren Michaels Ehrfurcht vor den kindlichen Quallitäten und der Unvoreingenommenheit, genauso wie seine Sehnsucht nach der Kindheit, die er nie hatte. «While philosophers grapple and continue to tackle, Endless dilemmas of body and mind, Physicists wander, continue to ponder, Perennial questions of space and time, Archaeologists survey, continue to dig, Bygone treasures small and big, Psychologists probe, analyze the tears, Of hysterical notions, phobias, fears, While priests take confession, In a serious session, And people struggle, In the hustle and bustle, In the noise and din, On the meaning of sin, Well touch the stars, embrace the moon, Break the barrier, arrive there soon, Ride the rainbow, the cloud, the storm, Flying in the wind, changing our form, Children of the world, well do it, With song and dance and innocent bliss, The soft caress of a loving kiss, Well do it.» Der Text kann in Michael Jacksons 1992 erschienenen Gedichtesammlung «Dancing the Dream» nachgelesen werden.
«White Wings» Das letzte Bild der «Neverland Lost» Ausstellung sagt ebenfalls viel über Michael Jacksons Inneres aus: «White Wings» zeigt Engelsflügel, die ihn ähnlicher Form etwa in der Will You Be There Bühnenshow zum Einsatz kamen und die sinnbildlich für seine Sehnsucht nach Liebe verstanden werden können. Seit Michael Jackson als Fünfjähriger erstmals auf der Bühne stand, gab es für ihn nur eines: von den Leuten geliebt zu werden, das war alles, wonach er strebte. Nach der Schule wurde zu Hause geprobt, im Studio aufgenommen, oder auf der Bühne gestanden. Spätestens nach dem Durchbruch der Jackson 5 bei Motown war der Terminkalender noch voller. Die einzigen Freunde, die Michael Jackson hatte, waren seine Brüder. Und je bekannter er wurde, desto schwerer war es, Freundschaften zu schliessen. Songs wie «Will You Be There» oder das 1995 erschienene «Stranger In Moscow» zeugen von seiner Einsamkeit, die ihn, wie er bereits in Interviews als junger Erwachsener offen zugab, schier zerriss. Geliebt wurde er einzig von seinen Fans, und sie bedeuteten ihm alles. Wahre Freunde konnte er nach eigenen Angaben an einer Hand abzählen. Wenn überhaupt. Das Bild «White Wings» macht nicht nur deswegen betroffen. Es lässt erahnen, wie sich der King of Pop gefühlt haben muss in den Jahren vor seinem Tod: Nach dem Prozess im Jahr 2005, der zwar mit einem vollumfänglichen Freispruch endete, jedoch tiefe Wunden hinterliess.

Henry Leutwyler und Romano Zerbini ist mit ihrer Ausstellung in Zürich ein umfassendes Portrait vom King of Pop gelungen.

Die Photobastei als Ausstellungsort
Leutwyler lobt das neuartige, in Zürich nie gesehene Ausstellungsformat. Er betont, es sei beeindruckend, was Romano Zerbini da aufgezogen habe und bezeichnet die Existenz der Photobastei als ein politisches Statement der Stadt Zürich – es sei einiges sinnvoller, leerstehende Räume mit Kunst zu bespielen, anstatt sie mit teurer Security zu bewachen. Er hofft, dass das Erlebnis nicht einmalig bleiben wird und die Stadt nach Abriss des Gebäudes an der Bärengasse 29 neue Immobilien für ähnliche Zwecke zur Verfügung stellt.

Zerbini erklärt, der Erfolg der Photobastei sei nicht vorauszusehen gewesen, aber inzwischen seien praktisch bis zum Ende des Projekts im August 2014 alle Ausstellungsflächen vermietet. Er will erreichen, dass sich Fotografen weniger isolieren und sich wieder mehr austauschen, und ist mit dem bisherigen Resultat sehr zufrieden.

«Neverland Lost» – A Portrait of Michael Jackson und «Ballet» – Photographs of the New York City Ballet sind vom 13. März – 4. Mai 2014 ausgestellt.
Photobastei, Bärengasse 29, 8001 Zürich. Öffnungszeiten: Di-So 12:00 bis 21:00 Uhr. Eintritt: 10 / 15 CHF

www.photobastei.ch Weiterlesen unter http://www.jackson.ch/artikeldetail/the ... ng-a-king/ Copyright © jackson.ch

Der Tagesschau-Beitrag vom Schweizer Fernsehen zur Ausstellungseröffnung siehe hier. http://www.srf.ch/player/tv/tagesschau-am-mittag/video/schweizer-top-fotograf-mit-premiere?id=2a4ab2d5-c663-4545-bf02-7bfdedc3fd0a

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Das im Jahr 2010 publizierte Buch «Neverland Lost: A Portrait of Michael Jackson», kann hier bei CeDe.ch oder bei Amazon.de bestellt werden.

Auch die eindrücklichen Portraits des New Yorker Ballets, mit tollen Perspektiven auf die Bühne und einem interessanten Blick hinter die Kulissen, sind als Buch erhältlich: «Ballet – Photographs of the New York City Ballet» (Steidl)

Quelle: Photobastei Medienkonferenz vom Do, 13. März 2014. Bilder: Regula Kreis, Neverland Lost Bilder: Henry Leutwyler, z.Vfg. von dokzerbini.ch / jackson.ch
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Re: «The brilliant Illusion of being a King» / Neverland Lost

Beitragvon Remember MJ » 21. Mär 2014, 21:41

Habe zum Geburtstag dieses Buch bekommen.
Es ist wirklich sehr schön gestaltet und zeigt jede Menge tolle Bilder.
Schade, daß es solch eine Ausstellung nicht hier bei uns gibt.

Knuddelgrüße
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