Begegnungen mit Michael


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Begegnungen mit Michael

Beitragvon Mjj forever » 20. Okt 2010, 22:13

verschoben, da es besser hier rein paßt
der Hausmeister RMJ


Es gibt viele Berichte über Begegnungen mit Michael.
Und die sind so toll geschrieben, dass sie auch lesenswert sind.

Michael Jackson - eine Begegnung vor 25 Jahren

Reporterglück – einige unvergessliche Stunden an der Seite von Michael Jackson

Es war nach der Oscarverleihung, wenn ich mich richtig erinnere: 1984. Als Bunte-Reporterin war ich auf die Dinnerparty des Staragenten Irving Swifty Lazar im Morton’s, dem damals angesagtesten Restaurant der Hollywoodelite, eingeladen. Im Jahr zuvor hatte ich Swifty für meine Kolumne „Mein Rendezvous“ interviewt, was mir die Einladung zu dieser elitärsten aller Oscar-Parties eingebracht hatte.

Kurz vor zwei hatte sich der Tisch, an dem ich platziert worden war, aufgelöst: Es war, ich gebe es gerne zu, der Pressetisch gewesen. Aber ich hatte mich mit den Reporterkollegen aus der ganzen Welt gut unterhalten, gut amüsiert. Sie alle waren Stars der Zunft. Jaime Penafiel, der legendäre Chefredakteur der spanischen Holà, Andrew Morton aus London, der spätere Biograph von Prinzessin Diana, und last but not least Dominick Dunne, einer der Starautoren der amerikanischen Vanity Fair. Ich war also auch am Katzentisch in bester Gesellschaft gewesen, hatte Augen und Ohren offen gehalten und die köstlichsten Beobachtungen gemacht und Details für die nächsten Kolumnen in meinem Gedächtnis gespeichert.

Ich war müde von all den Eindrücken, schon bei der Oscar-Verleihung, meiner ersten, die ich am roten Teppich und im Pressezentrum des Dorothy Chandler Pavillons erlebte, war ich schier überwältigt gewesen, von der Freundlichkeit und der Auskunftsbereitschaft der Stars. Mein Block war voll gekritzelt mit Zitaten, am liebsten hätte ich mich sofort an die Schreibmaschine gesetzt und alles zu Papier gebracht; Laptops gab es damals noch nicht!

Aber ich war nicht nur müde, die intime Runde, die da noch an einigen wenigen Tischen saß, war so hochkarätig, dass ich mich nicht traute, mich dazu zu gesellen. Shirley MacLaine und Jack Nicholson, die beide einen Oscar für „Zeit der Zärtlichkeit“ bekommen hatten, Barbra Streisand, die mit Michel Legrand, dem Komponisten ihres Films Yentl, der seinen Oscar nicht aus den Händen ließ, zusammen saß. Und Swifty, der Gastgeber, dieser quirlige kleine Mann mit der ganz großen Brille, gab mir einen Kuß, als ich mich von ihm verabschiedete.

Da stand ich also in einem Vorraum oben auf dem Treppenabsatz und überlegte, ob ich mir ein Taxi bestellen oder einfach eine der unten vor der Tür wartenden Limousinen schnappen sollte, als mir ein junger, fragiler Schwarzer, seine Augen hinter einer großen Sonnenbrille versteckt, entgegen kam, schnurstracks auf mich zu: Ich erkannte ihn natürlich sofort, es war Michael Jackson. Ganz allein, ohne Bodyguard oder irgendeine andere Begleitung.

Er blieb neben mir stehen, sagte Excuse me, nahm höflich die Sonnenbrille ab, seine weißen Handschuhe aber behielt er an, und fragte mich, eine Fremde, mit seiner leisen, hellen Stimme, ob ich wüsste, ob Barbra noch da wäre. Barbra Streisand. Ja, antwortete ich, sie sitzt dort hinten mit Jack Nicholson am Tisch des Gastgebers. Da nahm er mich sanft am Arm – einfach so und bat mich: Please, can you accompany me? Können Sie mich bitte begleiten?

Of course! Selbstverständlich! Was hätte ich auch anders antworten sollen. Nur einen winzigen Moment war ich perplex. Dann aber fühlte ich, wie das Adrenalin des Reporterglücks von meinem Körper Besitz ergriff, mein Herz klopfte wild, mein Lächeln musste ich kontrollieren, damit es nicht zu einem seligen Grinsen entgleiste.
Als wir untergehakt durch den fast leeren Raum liefen, wollte er noch meinen Namen wissen und wo ich denn herkäme, und schon waren wir am Tisch von Barbra und Jack und Swifty angekommen. Shirley MacLaine war schon gegangen, aber ihr Bruder, Warren Beatty, war noch da, umarmte Michael, der das steif mit sich geschehen ließ, ich sah, dass es ihm zutiefst unangenehm war.

Das ist Beate, eine Freundin aus Germany, stellte Michael Jackson mich der Runde vor. Ich hätte ihn küssen können! A friend from Germany. Was für eine Lüge, was für eine Ausrede, was für ein Kompliment für mich, ich erinnere mich noch genau, dass ich damals den Kopf schüttelte, als er das sagte. Swifty Lazar, der Gastgeber, der ja wusste, dass ich eine Journalistin war, nahm mich kurz beiseite und sagte: You are welcome, Beate, but I count on your discretion. Du bist willkommen, aber ich vertraue auf Deine Diskretion. Dann bat er mich, auf dem freien Stuhl neben ihm und gegenüber Michael Jackson Platz nehmen. Der Oscar von Jack Nicholson stand direkt vor mir, zum greifen nah. Nicholson sah meinen Blick und drückte ihn mir in die Hand – als ich ihn Jahre später als Produzentin der Goldenen Kamera in Berlin begrüßen konnte, überlegte ich kurz, ob ich mich in Erinnerung bringen sollte. Ich tat es und er grinste und sagte: That was a noteworthy night, eine bemerkenswerte Nacht. There were some nice girls around / Da waren auch ein paar nette Mädchen.

Da saß ich also an diesem Tisch und konnte das Glück des Augenblicks kaum fassen. Was ich erlebte, war einer der entspanntesten Abende meiner ganzen Reporterkarriere, wahrscheinlich der beste überhaupt – einfach nur lachen und schwatzen mit diesen Menschen, die meine Helden waren – und sind. Sie klatschten wie die Waschweiber über Nachbarn und Personal, über Kollegen und Kinder, über Geld, Yachten, Aston Martins und andere Leidenschaften. Und ich gab ab und zu meinen Senf dazu, ich kann, wenn ich will, scharf formulieren. Als Swifty Lazar irgendwann zu mir sagte: I did not know that a German reporter can be so quick-witted / wußte gar nicht, dass ein deutscher Reporter so schlagfertig sein kann, wurde ich rot und fing an zu schwitzen. Jawohl, Michael Jackson sah das und reichte mir ein blütenweißes, handgesäumtes Taschentuch, das ich viele Jahre nicht wusch und hütete wie einen Schatz, bis ich es einer Freundin schenkte, die sterbenskrank war und ihren einzigen Trost und einige wenige Momente der Leichtigkeit in der Musik von Michael Jackson fand.

Es wurde viel Champagner und Bourbon straight getrunken in dieser Nacht, nur Jackson blieb bei Orangensaft mit Schweppes Tonic Water und ich teilte mir mit einer unbekannten Schönen, die so diskret war, dass ich sie niemandem zugesellen konnte, einen grandiosen Chateau Lafite, Jahrgang 1978, den ersten und einzigen meines Lebens.
Michael Jackson’s Schüchternheit, die ihn offensichtlich daran gehindert hatte, den Raum im Morton’s allein zu durchqueren, und durch die er mir das Vergnügen dieses Abends schenkte, war in dem Moment verflogen, als er sich in der Runde nieder gelassen hatte; er kicherte wie ein kleiner Junge, flüsterte Barbra etwas ins Ohr und küsste La Streisand immer wieder die Hand und war fröhlich und konnte kein Ende finden.

Es war nach vier, als alle aufbrachen, für Hollywood verdammt spät; hier liebt ja jeder seinen Schönheitsschlaf. Michael Jackson nahm mich wieder am Arm, als wir die Treppe heruntergingen. Ich hielt Jack Nicholsons Oscar auch jetzt noch in der Hand. Er amüsierte sich darüber prächtig. Als ich ihm seine Trophäe schließlich zurückgab, küsste er mich auf die Stirn. Jack Nicholson küsste mich auf die Stirn ... Bunte-Reporterin zu sein, fand ich in diesem Augenblick, war der Traumjob an sich.
Michael Jackson bat mich in seine Limousine, an diesem Abend war es ein eher kleines Mercedes-Modell, der Chauffeur ein kleiner Mexikaner.

Während der Fahrt erzählte Michael Jackson mir mit seine unglaublich sanften Stimme, dass er sich tatsächlich davon gestohlen hatte von all den Leuten, die auch damals schon nicht von seiner Seite wichen. Er, der King of Pop, hatte sich klammheimlich ein paar Stunden Freiheit genommen. Er brachte mich an meinem Hotel vorbei, dem Beverly Hills, öffnete mir selbst galant den Schlag, machte eine weit ausladende Handbewegung, lächelte mich an, sagte Thanx, Danke. Ich war versucht, ihn zu umarmen, aber da war diese Distanz, die ich beobachtet hatte, als Warren Beatty ihn an den Schultern packte, diese Sonnenbrille, die er nun nicht mehr von den Augen nahm, diese weißen Handschuhe und diese Traurigkeit, diese nach vorne fallenden Schulter, als er wieder im Fond seiner Limousine Platz nahm. Ich winkte ihm hinterher, als er weiter fuhr und habe ihn seit diesem Abend in mein Herz geschlossen.

Wenn ich über diese Episode nachdenke, über diese Zeit, in der sein Leben noch einigermaßen im Lot zu sein schien, zumindest so weit, dass er sich traute, eine Fremde anzusprechen, und über die Isolation, in der er seine letzte Lebenszeit verbracht hat – dann wird mir übel. Und ich bete für ihn.

PS: Ich schrieb in Bunte von 1983 bis 1988 wöchentlich meine internationale Society-Kolumne „Mein Rendezvous“, die Verleger und Chefredakteur Hubert Burda nach dem Vorbild von Hèlène de Turckheims Madame Figaro-Kolumne „Mes Rendezvous“ für mich erfunden hatte.

http://beatewedekind50plus.blog.de/2009 ... n-6399982/

Viele Grüße
Brigitte
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Re: Begegnungen mit Michael

Beitragvon Miss you Mike! » 23. Okt 2010, 18:54

lieb Mjj forever dankeschön fürs posten... :air_kiss:
oh mein gott....mir sind die ganze zeit tränen herunter gelaufen ich konnt gar nicht mehr aufhören! :dfb02: :dfb02:
es ist wirklich sooooo..schön geschrieben! :jc_doubleup:
und wie schön es immer ist zu lesen wie lieb michael war/ist wenn man es selber nicht mit erleben durfte und ich finde so kommt er zu einem zurück und das ist so schön! :mel_s_07:
ganz liebe traurige grüße Miss you Mike! Mike 2
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