Michael Jackson - Wie ein Mythos entsteht


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Michael Jackson - Wie ein Mythos entsteht

Beitragvon Faith » 24. Aug 2010, 20:46

Ich habe den Artikel selbst noch gar nicht ganz gelesen, stelle ihn aber trotzdem schon hier ein, weil an Tagen wie diesen gute Berichte über michael Balsam sind:


Michael Jackson - Wie ein Mythos entsteht


Original Text von Deborah Ffrench


Ein Jahr, nachdem das Schockierende im Sommer 2009 in LA geschah und die Unmengen an Fragen über Michael Jacksons außergewöhnlichen Tod um die Welt gingen, gibt es noch keine Zeichen, dass das Interesse schwindet. Dass Jackson am 25.Juni starb, steht außer Frage. Aber es ist die Art wie er starb, die eine Menge Kontroversen aufwirft. Als TMZ erstmals weltweit um 14:26 den Zeitpunkt verbreitete, an dem Jackson starb, wurde die Welt, wie wir sie kennen beispiellos wachgerüttelt. AOL nannte den darauf folgenden Web-Zusammenbruch einen „bahnbrechenden Moment in der Geschichte des Internets“. Jacksons Tod hatte einen neuen virtuellen Blackout herbeigeführt, der mit nichts anderem als mit Jackson zusammenhing.

Von jetzt auf gleich verbreiteten sich Spekulationen über Jacksons Gesundheitszustand bis zu Verschwörungen von AEG, Sony, Jacksons letzte Berater und seinen Arzt betreffend, wie ein Lauffeuer durch die Medien.

Los Angeles musste, in Folge von Jacksons Tod, mit dem Zustrom Trauernder, der Weltpresse und auch noch mit der schwelenden Spannung zwischen sturen Bevollmächtigten der Stadt fertig werden. Jahrelange Streitigkeiten, die hohen Schulden der Stadt und das gute altmodische Ego, führten dazu, dass öffentlich darum gekämpft wurde, wer die prachtvolle Trauerfeier im Staples Center im letzten Juli zahlen sollte. Simultan in über 22 Länder der Erde übertragen, wurde in den Nachrichten berichtet, dass etwa 1,5 Milliarden Menschen weltweit es sahen, und das machte sie zur meistgesehenen Übertragung der Geschichte. Im Vorfeld des Events sah man zahllose Tribute von Berühmtheiten, Staatsmännern, Politikern, Freunden und Fans. Aber es gab auch Entrüstung und auch eine Wiederholung alter Vorwürfe.

Einen Tag, nachdem Jackson starb, bat die Kongressabgeordnete Diane Watson im Capitol um eine Schweigeminute für Jackson und einige Mitglieder des Kongresses protestierten dagegen und verließen den Saal. Der Kongressabgeordnete John Yarmuth erzählte später dem Radiomoderator John Ziegler, die Geste habe ihn „angewidert“. Am selben Tag erschien die ehemalige Korrespondentin von Vanity Fair, Maureen Orth, auf MSNBC, um zu erklären, Jackson sei „ als Mensch ein Versager“.

Am 29.Juni nannte Rush Limbaugh die Medienberichterstattung eine „entsetzliche Schande“ und am Abend des 7.Juli, dem Abend des Memorial, nahm sich der Kongressabgeordnete Peter King die Zeit auf YouTube Jackson als „Perversen“ und „Abschaum“ zu bezeichnen. Diane Dimond, langjährige Jackson-Gegnerin, antwortete auf die Blogs trauernder Fans auf ihrer Website, wo sie einen Tag nach Jacksons Tod schrieb, dass sie hoffe, dass Jacksons Tod ein „lehrreicher Moment für Millionen“ sei und sie noch hinzu fügte, dass „es in der Natur der Sache liegt, dass Kinder , die zu Opfern werden, wieder Opfer hervorbringen würden, wenn sie erwachsen seien… und dass die Liste dessen was ,Michael Jacksons Leben uns lehren kann, lang ist.“

Die nächsten Monate brachten ähnlich endlose Ströme brutaler Enthüllungen, internationale Spekulationen über die Resultate der Autopsie, die Entdeckung von Propofol und anderer Narkotika in Jacksons Blut, das Neudefinieren des Todes als Totschlag, Argumente darüber, wie fit er für „This is it“ war, immer wieder veränderte Termine für die Beerdigung, das Sorgerecht für die Kinder, sowie der Streit über die Kontrolle seines Besitzes.

Eine Reihe von Tributen bei den BET’s, VMA’s, Emmy’s und Grammy’s- brachte, wenn auch nur kurz, ein wenig Linderung von Hass und Groll. Aber als die Award-Saison vorüber war, kam, als Dr Murray formell wegen fahrlässiger Tötung im Februar angeklagt wurde, das Geschäft damit, herauszufinden was oder wer Jackson tötete, wieder aufs Tapet.

Im darauffolgenden Monat reichten Joe Jackson und sein Anwalt Brian Oxman ein 13-seitiges Dokument beim Bezirksgericht LA ein. Eine wirksame Mitteilung an die Anwälte Murrays über ihre Absicht, eine Zivilklage wegen „widerrechtlicher Tötung“ gegen deren Klienten zu führen, darüber können Chernoff und sein Team nicht überrascht gewesen sein, denn eine staatliche Klage wird oft begleitet von einer Zivilklage.

Schlagzeilen, dass „Michael hätte gerettet werden können“ folgten, nachdem Joe Jackson und Oxman Murray vorgeworfen hatten, nicht schnell genug gehandelt zu haben und den Hilfskräften gegenüber, die Jackson ins Krankenhaus brachten, Informationen vorenthalten zu haben. Beide, Joe Jackson und Oxman beklagten sich darüber, dass, als Jackson im Krankenhaus ankam, die Mediziner aggressive Wiederbelebungsmaßnahmen ergriffen, um einen Puls und einen Herzschlag zu bekommen, der schließlich dann aufhörte. Im Laufe von Murrays Verhandlung treten solche Details in die Mitte des Medieninteresses und was auch ganz klar ist: Für maximalen Effekt und maximale Verkaufszahlen wird der Fokus fast ausschließlich auf Jacksons Medikamentenabhängigkeit liegen.

Im Auge des Sturms, das Schicksal von Murray- ein Mann, der immer mehr den Anschein von jemandem erweckt, der fassungslos darüber ist, wie er zu dieser Schmach kam, scheint sehr surreal. Während die Medien Murray ständig in die Mitte der Ermittlungen stellen, haben sich so gleichzeitig auch bei der Öffentlichkeit Überlegungen verringert, inwieweit sie wohl selbst eine Rolle gespielt haben- oder zumindest wie sehr sie die Voraussetzungen verschärft haben, die Jackson in eine solche Tragödie stieß.

Dies ist keine Verteidigung Murrays , der ursächlich für den Tod Jacksons verantwortlich ist. Fahrlässige Tötung, eine legale Anklage, die kaum Strafen nach sich zieht für den, der dessen schuldig gesprochen wird, und bei Murray sieht es so aus, als qualifiziere er sich dafür. Aber der Fokus der Medien liegt immer noch in der Schuld Murrays und das dient in Wahrheit nur ihnen selbst. Die Wahrheit ist, dass Murray nicht der „gefallene Junge“ ist, wie ihn uns seine Anwälte zeigen- weil er nämlich nicht der einzige Spieler ist in dieser Geschichte.

Berühmt und zurückhaltend hat sich Jackson, nach dem Erfolg von „Off The Wall“ 1979 und dem Phänomen „Thriller“ 1982 , lange schon zurückgezogen hinter sorgsam konstruierter PR und kontrollierten Presseauftritten , um den Druck einer übermäßigen Preisgabe im Zaum zu halten. Nicht ganz fremd gegenüber dem Messer, hatte Jackson 1979 eine Nasen-OP, da er beim Tanzen einen Unfall hatte. Später hatte er weitere OPs an seiner Kopfhaut durch die schlimmen Verbrennungen, die er bei dem Pepsi-Werbespot 1984 erlitt.

In den späten 80ern, in denen Michael immer noch sehr dem „kleinen Michael“ glich, war seine Präsens in der Presse relativ neutral. Fantastische Geschichten über Jacksons Lebensstil in Neverland- von ihm selbst veröffentlicht, waren in der Öffentlichkeit ein Beweis dafür, dass er ein bizarres, jedoch liebenswertes Menschenkind war.

Diese Neutralität verschwand jedoch, Als sich Jackson physisch total veränderte und die wahrgenommene „Seltsamkeit“ in den Jahren zwischen dem sehr erfolgreichen „Bad“ –Album und dem „Dangerous“-Album 1991 anfing, Kritik und Aufmerksamkeit hervorzurufen. Aber es war das Ereignis 1993, dass die zerbrechliche Beziehung zerstörte, die zwischen Jackson und der Presse bestand.

Zu versuchen, einen Überblick über die Tragweite der turbulenten und verheerenden Jahre in Jacksons Leben zu bekommen, ist nahezu unmöglich. So viele wahre, wichtige Informationen wurden von Journalisten nicht veröffentlicht und genau dafür zahlten die Netzwerke. Die meisten Amerikaner blieben unwissend, dass die „Fakten“, die ihnen präsentiert wurden, in beiden Fällen 1993 und 2003/5, keinerlei Ähnlichkeit hatten mit der Wahrheit, die hinter den Schlagzeilen und der allgegenwärtigen Berichterstattung lag. Die Ambivalenz, die viele Menschen gegenüber Jacksons Erbe haben, hängt von diesen Dingen ab.

Natürlich wäre es lächerlich und naiv, zu erwarten, dass Journalisten, Herausgeber und Medien-Netzwerke den „Wert“ der Anschuldigungen gegen Jackson, die 1993 begannen, ignorieren würden. Aber wenn man sich die negative Erzählweise einer ganzen Industrie ansieht, kann man ganz klar sehen, dass das Verhalten der Medien-im Besonderen einiger Individuen in dieser Industrie- sich weit weg bewegte von dem, was wir für einen Berufsstand als akzeptabel ansehen können. Das hochgradig effektive „Monstrum“ Michael Jacksons war beabsichtigt und systematisch herbeigeführt worden. Aber indem wir dieses Konstrukt untersuchen, könnten wir vielleicht verstehen, wie ein Mythos entstand.

Die meisten Menschen glauben, Jacksons Lebensgeschichte zu kennen:
Ein Junge beschuldigt Jackson 1993, Jackson verschwindet, kommt wieder zurück und weint im Fernsehen, Jackson zahlt den Jungen aus. Jackson wird seltsamer und weißer, hält sein Kind über das Balkongeländer, erscheint in einer Dokumentation, mit verheerendem Resultat, steht vor Gericht – kommt frei, weil er berühmt ist.

Aber all das sind nur festgehaltene Medienmomente. Minimale Eindrücke von Ereignissen, die nicht nur das Leben von Michael Jackson beeinträchtigten, sondern auch das vieler anderer. Zweifellos die größte Story von 2009, das Interesse an Jackson steigt exponentiell an. Aber für viele ist die größte Frage nicht, wie er starb, sondern wie er lebte. Platt ausgedrückt: Hat er es getan? Hat er eine kleine Jungs belästigt? Oder ist es die vorherrschende Auffassung über Jackson, wie der britische Journalist Thomson es nennt „der Mord an einem Charakter, in einem Ausmaß, das wir nie vorher sahen“?

Die meisten vernünftigen Menschen sind bereit, Tom Sneddons Schachzug 2005 zu glauben; fragt man sie , wie sie über Michael Jackson denken, sagen sie ausnahmslos „Nun, es kommt alles wieder auf 1993 zurück, nicht wahr?“Überzeugt zählen sie 3 „Fakten“ auf und sagen dir, dass das die Gründe sind, warum sie „wissen“, dass Jackson schuldig ist.

Erstens, dass Jordan Chandler ihn beschuldigt hat, ihn belästigt zu haben. Zweitens, dass Jordan genauestens die Genitalien beschrieben hat und letztlich, dass Jackson Gordan bezahlt hat, um sein Schweigen zu erkaufen. So weit, so unwahr.

Im Gegensatz zu dem, was viele Menschen glauben, sind diese 3 „Fakten“ Mythen. Mythen, die jahrelang immer wiedergekäut wurden, gefördert und ins öffentliche Bewusstsein gepflanzt wurden, genau wie Richard Geres Hamster-Geschichte oder die „lass einen Zahn über Nacht in der Coca Cola“-Fabel. Also wie kommt es, dass diese Mythen Teil unseres Lebens werden und wer oder was hält sie am Leben?

1993- der Zusammenhang zwischen einembösartigen Sorgerechtsstreit zwischen Jordan Chandlers Eltern, der Gebrauch einer Droge, um eine Beschuldigung wegen Belästigung aus einem Kind zu pressen, Beweise von Jordans Vater. Evan Chandler plante und führte mit Hilfe skrupelloser Anwälte erfolgreich eine Erpressung Jacksons aus, die eine nicht zu gewinnende Situation wegen Belästigung zur Folge hatte, und der einzig wahre Grund für die Zahlung war, so wenig wie möglich die Aufmerksamkeit der Presse zu erregen.

Einmal entzündet, pflanzte sich die Story der frühen 90er wie ein Lauffeuer in speziellen Medien , in der Klatschpresse und bei Fernsehjournalisten, fort, sie benutzten kompromittierende Quellenund alle verschleierten entscheidende Fakten vor der amerikanischen Öffentlichkeit. Die Gründe dafür sind eindeutig genug.

Eine Industrie, die möglichst schnell viele Leser/ Zuhörer mit den neuesten Meldungen versorgen muss, um immer größere Umsätze zu machen, hat kein Interesse daran, eine Story zu „verzögern“. Die Geschwindigkeit, mit der sich eine Nachricht verbreitet, bekommt eine Eigendynamik und erneuert sich selbst in diesem Prozess. Schlagzeilen haben ihre Zeit, es muss was her und 1993 war es Michael Jackson.

In den letzten 20 Jahren hat das Erscheinen des Satelliten-Fernsehens das Gesicht der Nachrichtenindustrie verändert. Neuigkeiten via Satellit können immer und überall verbreitet werden. Als die Anschuldigungen gegen Jackson erstmals begannen, hätte niemand gedacht, dass Jackson, der zu der Zeit der meist geliebte Künstler und bekannter Anwalt der Kinder war, so schnell zum „ersten Blutopfer“ der radikalen neuen Ära der 24h-News werden würde.

In Amerika, kam der erste Hinweis auf flächendeckende Medienpräsens am 23.August 1993, als KNBC-TV mit der Nachricht herausbrach, dass Neverland am frühen Abend durchsucht worden sei. Sie hatten einen Tag vorher von Don Ray, einem Reporter aus Burbank, einen Tipp bekommen, nachdem er selbst von einer Quelle einen Anruf bekommen hatte. Ray beschrieb den darauf folgenden Medien-Tsunami:“diese Story ging ab wie ein Güterzug“, das tat sie wirklich.

Die Berichterstattung über Jackson wurde zur heißesten Story des Tages- die Enthüllungen von Heidi Fleiss Buch über die Geheimnisse Hollywoods verblassten dagegen. Mary Fisher schrieb in ihrem 1994 erschienenen Artikel „Wurde Michael Jackson verleumdet- die Geschichte, die nicht erzählt wurde“, „innerhalb von 24 Stunden war Jackson die Leitstory auf 73 TV-Stationen allein in LA und er war auf der Titelseite jeder englischen Zeitung.“

Eine dieser Titelblätter gehörte Caroline Graham, ehemals Journalistin der englischen Klatschzeitung von Rupert Murdock „The SUN“. Nachdem sie einen Tipp bekommen hatte, veranlasste Graham ihren Herausgeber, die Titelseite frei zu halten. Die Morgenausgabe titelte mit „J**** Untersuchung wegen Kindesmissbrauch“, genau wie die Schlagzeile vom 23.August. Der Rest der Fleet Street stolperte am nächsten Tag über den Skandal.

Die Ereignisse rollten heran wie eine Lawine, da vertrauliche Dokumente an einen amerikanischen TV-Reporter bei Hard-Copy durchsickerten.
In den frühen Abendstunden des 23. August erreichte das Leck der anonymen Quelle auch Diane Dimond und ihren Produzenten Steve Doran in einem italienischen Restaurant in Santa Monica. Sie verließen das Treffen mit einer illegalen Kopie eines Berichts der Beschuldigungen von Jordan Chandler und seinem Vater (der jetzt verstorben ist), mit Aussagen, die diese vor dem Jugendamt des LA Department (DCFS) gemacht hatten. „Hard-Copy“ bestand darauf, nicht für die Berichte gezahlt zu haben.

Angesichts des drohenden Lecks hielt Jacksons damaliger Sicherheitsberater Anthony Pellicano am 23. Und 24. August eine Pressekonferenz ab in dem Bemühen, die Presse mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen. Er berichtete Reportern, dass die Polizei Klagen wegen Kindesbelästigung nachgehe und dass diese Anschuldigungen eine Folge von „missglückter Erpressung“ seien. Pellicanos Bekanntmachung verhalf einer schon gespannten Presse zu kaum kontrollierbarer Hysterie.

Zu einer Zeit, da die Polizei offiziell keine Informationen offenbarte, hatte das Leck des DCFS seine erste Konsequenz zu beklagen. Pellicano war gezwungen, dem Leck zuvorzukommen, er musste von einer Polizeiaktion berichten, die gerade mal begonnen hatte, Beweise zu sammeln. Der Journalist Allan Hall, damals beim “Mirror“, einer britischen Klatschzeitung, erinnert sich an die Begeisterung der Presse damals, „man hatte das Gefühl, dass Leute aus der ganzen Welt angeflogen kamen“. So groß war der Appetit der Presse auf Jackson, dass innerhalb von 24 Stunden buchstäblich hunderte von Journalisten auf die Stadt der Engel niederkamen.

Die explosionsartige Auflagesteigerung in den Medien durch die anschauliche Beschreibung nicht bewiesener Anschuldigungen gegen Michael Jackson brachten die TV-Netzwerke dazu, mehr für Informationen von zwielichtigen Quellen und Klatsch-Journalisten zu zahlen. Diese Praxis, gekaufte „Zeugen“ zu benutzen hat die Richtung und den Gehalt des Ermittlungsverfahrens gegen Jackson beeinflusst und hatte später einen großen Einfluss auf die Entscheidung der finanziellen Einigung mit den Chandlers.

Die Entscheidung durch TV-Führungskräfte, Produzenten, Zeitungsherausgeber und Reportern, illegal erworbene Dokumente zu verwenden, um aufhetzende Anschuldigungen in die Öffentlichkeit zu tragen, stellt den kritischen Punkt dar, an dem die Medien essenziell in die staatliche Untersuchung „eingriffen“. Nichts wurde nachgewiesen, keine Anklagen erhoben. Aber die Schlagzeilen, die Jacksons Name mit etwas in Zusammenhang brachten, dessen bloße Erwähnung schon zerstört, gingen bereits um die Welt.

Am 25.August erzählte Diane Dimond mit einem offenen „er ist schuldig“ einem 6,1 Millionen Publikum , dass der Bericht von „Hard Copy“ sehr anschaulich und detailliert den sexuellen Aspekt beleuchte“ „Splash News“ versicherte, dass am nächsten Tag jeder Fernseher in Amerika eingeschaltet sei und man auf NBC,ABC oder CBS die Worte sehen könne, die von dem Sozialarbeiter, der das Interview mit Chandler geführt habe, aufgeschrieben worden waren, „während sie nebeneinander lagen, steckte Jackson seine Hand unter die Shorts des Kindes“.

In diesen frühen Tagen kam der Schaden, der Jackson zugefügt wurde nicht durch die polizeilichen Ermittlungen, sondern durch die von der Medienmeute 24 Stunden am Tag immer wiederkehrenden Beschuldigungen, die immer gleichen Angriffe und die immer gleichen unbewiesenen Analysen. Diese Meute stellte nur die reißerischsten Details zur Verfügung. Das Senden des DCFS-Berichts in der Prime-Time-Ausgabe des Fernsehens, genau wie die Geschwindigkeitsbeschleunigung der Jackson-Story führte die Öffentlichkeit dazu, sich eine Meinung aufgrund einer Beschuldigung zu bilden- nicht aufgrund bewiesener Fakten.

Die Fakten waren folgende:

Jordan Chandler, das Kind, das im Zentrum der Anschuldigungen stand, dessen Familie seit 1992 mit Jackson befreundet gewesen war, bestritt immer wieder , belästigt worden zu sei9n, bis der Mutter, June Chandler, das Sorgerecht entzogen wurde. Im April 1993 dann, war die einzige Person, die Jackson wegen was auch immer anklagte, Jordans Vater- Evan Chandler.

Die Beziehung zwischen Jordans geschiedenen Eltern, die schon sehr zänkisch war, verschlechterte sich rapide, als Evans Anstrengungen, Jackson dazu zu bewegen, ihm ein Haus zu kaufen, fehlschlugen. Erst nach dieser Zurückweisung begann Evan Chandler, von Belästigung zu sprechen. Und auch erst, als Jordan unter der physischen Kontrolle seines Vaters stand( eines Mannes, der seinen eigenen Sohn ernsthaft 2006 angriff) beschuldigte Jackson.

Evan, ein Zahnarzt, der zeitweise nur mit Mühe verhindern konnte, seine Lizenz zu verlieren, nachdem die Zahnärztekammer seine Arbeit als sehr „leistungsschwach“ ansah, strebte eine Karriere als Drehbuchautor an. Evan schuldete seiner Ex-Frau 68000 $ Unterhalt, und hatte zu dieser Zeit sehr wenig Interesse an seinem Sohn gezeigt, bis zu dem Moment, da er von der Freundschaft zwischen Jackson und Jordan erfuhr. !994 zitiert Mary A. Fischer Dave Schwartz, den Stiefvater Jordans, der sagte , er glaube, der Grund warum Evan auf seinen Anschuldigungen bestehe, sei dass er (Evan) „mehr Geld“ wolle.

June Chandler, die im August 93 von der Polizei gesagt bekam, Jackson passe in das „Profil eines Pädophilen“ sagte wiederholt aus, dass sie den Anschuldigungen Evans keinen Glauben schenke. Ihr Anwalt zu dieser Zeit, Michael Freeman, sagte „Frontline“ im November 93 (gesendet im Februar 94), dass June ihre Meinung „geändert“ hatte, nachdem sie befürchtete wegen Vernachlässigung ihres Sohnes strafrechtlich verfolgt zu werden.

Die Existenz beträchtlicher zusätzlicher Beweise , in Form von Tonbandmitschnitten, die Schwartz heimlich bei einer Unterhaltung zwischen ihm und Evan im Juni und Juli 93 aufnahm, so wie die Aussage einer Augenzeugin, unterstützten die Ansicht, dass Evan, als er die Dienste von Barry Rothman in Anspruch nahm- einem LA Anwalt mit schonungslosem Ruf und gegen den wegen Verstößen in Kalifornien Untersuchungen liefen- seine Pläne, Jackson zu erpressen , verwirklichte.

Am 11.Juli willigte Jacksons Anwalt, Bertram Fields in die Bitte von Evan und Rothman ein, die es Jordan erlaubte für eine Woche bei seinem Vater zu bleiben, da Bertram Fields einen Prozess abwenden wollte, den er kommen sah, als Jackson ihm erzählte, Evan wollte ihn im Juni zuvor treffen,. Jordan kehrte nie wieder in die Obhut seiner Mutter zurück. Entscheidend ist, dass Jordans Anschuldigungen erst in der Zeit zustande kamen, nachdem er zu seinem Vater gezogen war die war.

Vom 12. Juli bis in den August wurden von Rothman Schritte eingeleitet, die sicherstellten, dass Evan das Sorgerecht für Jordan bekam.

Am 15. Juni präsentierte Rothman Mathias Abrams ein mögliches Szenario eines Missbrauchs, und dieser Abrams, ein Psychiater, versorgte Rothman , ohne Evan oder Jordan je gesehen zu haben, mit einer schriftlichen Stellungnahme, dass „Ereignisse, wie oben beschrieben, die Grundlage darstellen , den Schluss ziehen zu können, dass der Verdacht bestehe, ein Missbrauch könnte stattgefunden haben“. Wenn Beweise gebraucht worden wären um Evan Chandler und Rothman Vorsatz vorwerfen zu können, damit sie behaupten können, eine Belästigung habe stattgefunden, wäre es das für viele vielleicht gewesen.

Der Gebrauch des Medikaments Sodium Amytal bei Jordan während einer Zahnbehandlung durch Evan und einen anwesenden Anästhesisten, Mark Torbiner, hatte das Blatt gewendet. Jordan hatte anschließend dem Kinderpsychologen Richard Gardner (verstorben)erzählt, dass er sich, nachdem er aus der OP „erwachte“, daran erinnerte, gefragt worden zu sein, ob „irgendetwas zwischen ihm und Michael geschehen sei“. Jordan, der immer noch unter dem Einfluss des Medikaments stand, antwortete „ja, es sei etwas passiert“. Evan Chandler behauptete später, dass dies der Moment gewesen sei, da Jordan das erste Mal zugegeben habe, Jackson habe seinen Penis berührt.

Vom 4. bis 16. August leiteten Evan und Rothman die Verhandlungen mit Pellicano ein. Sie verlangten die Summe von 20 Millionen Dollar, die Jackson in 5 Raten zahlen sollte. Bei diesen Treffen wurde von Evan und Rothman klargestellt, dass dieses Geld Evan davon „überzeugen“ sollte, mit seinen Beschuldigungen und Drohungen nicht weiter zu machen und sie nicht zu öffentlich zu machen. Am 13. August wurden diese Verhandlungen unwiederbringlich zerschlagen.

Am 16.August ermächtigte June Chandler, die nun realisierte, dass Evan die Absicht hatte, das Sorgerecht für Jordan zu behalten, ihren Anwalt Freeman, vor Gericht zu gehen, um das Sorgerecht für Jordan zurück zu bekommen. Freeman informierte Rothman darüber, dass die Verhandlung am nächsten Morgen sei. Rothman setzte seinen Klienten Evan sofort darüber in Kenntnis.

Am nächsten Tag, am 17.August, brachte Evan seinen Sohn zu dem Psychiater Mathias Abrams. Rothman hatte sich bereits auf genau diese Wendung der Ereignisse vorbereitet. Jordan wiederholte die Belästigungsgeschichte. Mathias, der die Vorschrift hat, eine solche Anschuldigung an die Behörden weiterzuleiten, tat dies- und Evan und Rothman wussten genau, dass er das tun würde.

Die Gefahren, die dem Gebrauch von Sodium Amytal innewohnen, sind sehr gut dokumentiert. Es reicht aus, festzuhalten, dass kein anderer Zahnarzt oder Psychiater dieses Medikament für eine Zahnbehandlung bei einem Kind einsetzen würde, oder dass es als angemessene Basis für irgendeine Anschuldigung angesehen werden kann. Eine Anschuldigung, die unter dem Einfluss des Medikaments gemacht wurde, kann nicht aufrechterhalten oder als legal und ethisch glaubwürdig angesehen werden.

Evan selbst bestätigte, er habe der Anwendung des Medikaments bei Jordan zugestimmt, als er von einem Reporter von KCBS-TV in LA am 3.Mai 1993 befragt wurde. Der Bericht zitierte Evan der angab, „das Medikament bei seinem Sohn benutzt zu haben“ und fügte hinzu „der Zahnarzt behauptete, er habe das nur getan, um seinem Sohn einen Zahn zu ziehen und dass der Sohn dann unter dem Einfluss des Medikaments mit seinen Anschuldigungen herauskam“.

Änderte die Enthüllungsjournalistin Mary Fischer etwa ihre Meinung über ihren Artikel über Jackson (der 1994 im GQ erschien) aufgrund der unbegründeten Behauptungen, die im Internet kursierten? Nein, das tat sie nicht. Am 25. November 2005 formulierte Fischer in einem Interview mit Greta Van Susteren auf „Fox News“, was sie bereits 1994 gesagt hatte, um:“Es ist ein sehr starkes psychiatrisches Medikament, das eine Person, die unter seinem Einfluss steht, hochgradig beeinflussbar macht. Und dieses Medikament wurde dem Jungen von seinem Vater und dem Freund des Vaters gegeben, der Anästhesist war. Der Anästhesist gab dem Jungen das Medikament in einer Zahnarztpraxis.“

Aber vielleicht ist auch das einzig wichtige Detail, das aufzeigt, dass es sich 1993 um Erpressung gehandelt hat, das offensichtlichste von allen. Bevor die Anschuldigungen in die Öffentlichkeit kamen und während die Verhandlungen über eine finanzielle Einigung liefen, die Evan immer noch voran trieb, wäre es für Jackson das einfachste gewesen, Evan, den verlangten Betrag einfach zu zahlen.

Aber genau das tat Jackson nicht.

Fischer sagte in einer PBS Dokumentation:“Sie konnten keine beiderseitige Übereinkunft erreichen, aber hätten sie die Möglichkeit gehabt? Das Interessante daran ist, dass dieser Fall dann die Mauern dieses Raums niemals verlassen würde.“

Diese einfache Tatsache ging offensichtlich schlichtweg an den Journalisten, den Fernseh-Netzwerken und der allgemeinen Öffentlichkeit 1993 vorbei. Gehen wir dahin zurück, so gab es niemanden, der die Absurdität in einem Vater sah, der annahm, sein Sohn, sei sexuell belästigt worden und dann einen Rechtsstreit anzettelte anstatt einfach zur Polizei zu gehen.

Angesichts der Tatsache, dass Pellicano die gesetzeswidrig erworbenen Aufnahmen der Unterhaltungen zwischen Evan und Schwartz an die Presse und an CBS verteilte- die diese dann als erste sendeten, tauchten wenige Tage nach den Anschuldigungen die ersten Schlagzeilen auf, die offenlegten, wo die Medien in der Frage nach Jacksons Unschuld standen.

„Peter Pan oder Perverser?“ fragten sowohl die „New York Post“ als auch die „Sun“ in Großbritannien innerhalb kürzester Zeit. „Michael Jackson, ein Vorhang fällt“ meinte eine andere. Großbritanniens „The Mirror“ hielt es einfach und machte ein Wortspiel mit Jacksons Hit „He’s bad“, während die „Sun“ mit „Jackson benutzte mich als Sex-Spielzeug“ titelte und „The Washington Post“ mit „Bösartigkeit (Malice) im Wunderland“. Selbst die seriösen Zeitungen machten mit bei dem Gefecht. Besonders „Newsweek“ titelte 1993 „Ist er gefährlich oder nur verrückt?“ und die „Times „Michael Jackson, das Ende der Unschuld?“, sie machten mit bei der Debatte und brachten sie über die Klatschpresse hinaus.

Trotz der Schlagzeilen, kurz nachdem die Anschuldigungen öffentlich wurden, wurde eine gemeinschaftliche Kampagne gestartet, um den Schaden in Grenzen zu halten. Pellicano zeigte mit Wade Robson und Brett Barnes zwei Beispiele für Jacksons „gesunde“ Beziehung zu Kindern, Jacksons eigene Familie zeigte sich gemeinsam vereint und der versammelten Medienmeute wurde Evans Stimme vorgespielt, in der er drohte, wenn „seine Pläne nicht erfüllt würden, wird es ein Massaker geben, wenn er nicht bekommt, was er will“- all dies führte dazu, dass die Öffentlichkeit bis zu einem gewissen Grad wieder etwas sanfter mit Jackson umging.

Meinungsumfragen zu dieser Zeit durch „Current Affair“ , „Entertainment Weekly“ und „The National Enquirer“ ergaben, dass über 70% der Befragten , Jugendliche und Frauen, die Anschuldigungen nicht glaubten.

Es war jedoch genau zu diesem Zeitpunkt, gerade als die Erpressungskomponente als realistischer Grund für die Anschuldigungen angesehen wurde, dass die Medien wieder eine Story entzündeten, die in Gefahr war, sich in Luft aufzulösen. Durch die Abwesenheit jeglichen persönlichen Statements von Jackson (der rechtlich dazu verpflichtet war, den 3.Teil seiner Dangerous-Tour zu erfüllen) würde der „Gewinn“, der durch die Tonbandmitschnitte entstanden war, nur von kurzer Dauer sein.

Damals als „exklusive neue Enthüllungen“ angekündigt, beschleunigte die Presse die Jackson-Story dadurch, dass sie riesige Summen zahlte, um anpassungsfähige „Zeugen“ zu bekommen. Tatsächlich führten die Medien einen gegenseitigen Wettstreit um diese Storys aus, sie trieben die Preise in die Höhe. Die ersten dieser „Zeugen“ waren Stella und Philippe Lemarque, ehemalige Angestellte auf Neverland.

Indem man den Hollywood –Nachforscher und bestens bekannten Klatsch-Schreiber Paul Barresi(von dem man weiß, dass er bisweilen Schusswaffen bei Verhandlungen trägt) schickte, versuchten die Lemarques ihre Behauptungen, Jackson habe den Kinderstar Macauley Culkin missbraucht, an jeden zu verkaufen, der mit dem Scheckbuch winkte. Ihre Story wurde schließlich zuerst vom „Mirror“ gekauft zu einem nicht näher angegebenen Preis. Die Schlagzeile lautete „*****s neue allein zuhause Verleumdung“ und dann der „Globe“, der 15000 $ zahlte mit „Peter Pan oder Perverser? Wir haben Jackson dabei erwischt, wie er einen Kinderstar missbraucht hat“

Lemarque, die behauptete, Jacksons Strategiesei es gewesen, die Kinder so stark zu stimulieren, dass sie kaum noch mitbekommen hätten, was er mit ihnen machte- sie gab im Kreuzverhör 2005 mit Thomas Mesereau zu, Barresi habe sie angewiesen zu sagen, Jacksons Hand sei in und nicht außerhalb Culkins Hose gewesen- dies hat sicherlich den Preis , den sie für die Story bekamen, in die Höhe schnellen lassen. Und tatsächlich hat die Journalistin Maureen Orth in ihrem Artikel von 1994 „Alptraum in Neverland“ geschrieben, dass Barresi ihr zwei verschiedene Versionen der Lemarque-Story gezeigt hat, die ganz klar die Beziehung zwischen Inhalt und Vergütung aufzeigte(Anm. Übersetzer: d.h. je schlimmer die Sachen, die sie erzählen, desto höher das Honorar)

93, als die Lemarque-Story herauskam, bestritt Culkin öffentlich von Jackson belästigt worden zu sein. Aber die Presse hat das gewissermaßen ignoriert, manche wiesen sogar darauf hin, Culkin bestreite es nur, um seine Karriere zu retten. Interessanterweise wurde Culkin 2005 nicht von der Staatsanwaltschaft als Zeuge geladen, obwohl er sich laut der „vorangegangenen Taten“ als „Opfer“ qualifiziert hatte. Culkin bestand jedoch darauf, nach der Zeugenaussage von Lemarque auch auszusagen. Unter Eid bestritt Culkin hartnäckig, dass dieser Vorfall sich wirklich ereignet habe und bezeichnete die Anschuldigungen gegen Jackson als „absolut lächerlich“. Es kam auch heraus, dass Lemarque 1997 eine Hard-Core-Website aufgebaut hatte mit dem Namen „Virtuelle Sünde“, die dann eingestellt wurde.

Jedoch im Jahr 1993, goss ihre Geschichte weiteres Öl auf ein schwelendes Feuer. Der Druck auf Jackson verstärkte sich einfach nur, weil die Medien bereit waren, den geforderten Preis der Lemarques zu zahlen. Den „Enthüllungen“ der Lemarques folgten schnell die von 2 ehemaligen Hausangestellten von den Philippinen, den Quindoys. Drei Tage nach den neuesten Anschuldigungen, schickte ABC einen Reporter nach Manila, um den „Augenzeugenbericht“ zu hören. Und wieder einmal zahlten die Medien für die Begünstigung. In der Zwischenzeit war auch Diane Dimond von „Hard Copy“ scharf darauf, mit den Quindoys zu sprechen. Das Wett-Bieten konnte beginnen.

Das Honorar, das von den „Zeugen“ verlangt wurde und von den Medien gezahlt, ging in die Tausende, so groß war das Verlangen danach und so viel war der kommerzielle Nutzen wert, der in neuen „frischen“ Geschichten über Jackson steckte. Wie Paul Barresi es einmal 1993 in „Frontline“ ausdrückte „jemand braucht nur eine Story, eine Halbwahrheit und das mixt du mit ein wenig Gehässigkeit und dann hast du eine Klatsch-Geschichte“.

Der britische Journalist Allan Hall, der 1991-92 eine Story über Jackson schrieb, interviewte die Quindoys. In seinem Interview, so erinnert sich der Reporter, lieferten die Quindoys einen begeisterten Bericht über ihren Ex-Arbeitgeber , „sie hatten nicht ein schlechtes Wort über ihn zu erzählen, nicht eine schlechte Sache „Der amerikanische Talk-Show- Gastgeber und Journalist Geraldo Rivera hatte die Quindoys auch 1992 in einer Show zu Gast, die den Titel trug „Nun kann es erzählt werden“ .Ähnlich wie Hall erinnerte auch er sich daran, dass die Quindoys nur unverfängliche Dinge über Neverland zu erzählen hatten.

Es schien so, als ob die Quindoys erst, nachdem sie nicht mehr auf Neverland beschäftigt waren und die ersten Anschuldigungen hervorkamen, sich an ihre Zeit auf Neverland anders „erinnern“ konnten. Letztendlich verkauften die Quindoys ihre „Geständnisse“ der „News of the World“ in England, die die Story brachte, ohne dafür zu bezahlen. Die Quindoys gaben später als Begründung dafür, dass sie erst einmal mit ihren Anschuldigungen nicht zur Polizei gegangen sind und stattdessen, die Geschichte der Regenbogenpresse verkauft haben, an, dass sie „nur Zeugen und keine Opfer waren.“

Es ist erwähnenswert, dass Mr. Quindoy in seinem Heimatland ein qualifizierter Anwalt war und noch immer ist. Das macht die Wahrscheinlichkeit, dass Mr. Quindoy den Unterschied zwischen „Zeuge“ und „Opfer“ nicht kennt, soweit es sich um Beweise handelt, die man der Polizei geben sollte, sehr unwahrscheinlich. Es sollte auch erwähnt werden, dass bei einer Befragung 1993 durch die Polizei im Rahmen der Ermittlungen im Fall Jackson, beide, sowohl die Lemarques als auch die Quindoys als glaubwürdige Zeugen von den Ermittlern abgelehnt wurden, wegen ihrer widersprüchlichen Aussagen und weil sie möglicherweise wegen Meineids angeklagt worden wären.

Aber all das ist eine Rückblende. Aus Sicht der Öffentlichkeit, war alles, was sie sahen, eine wachsende Anzahl von Leuten, die vor laufenden Kameras schwören, Jackson sei ein Kindersch****r. Diese Geschichten beeinflussten spürbar die Auffassung, Jackson sei schuldig. Nichts von den Bewegungen von Geld hinter dem Ganzen wissend, die diese endlosen Aussagen erst möglich gemacht hatten, fügte die Öffentlichkeit Jackson großen Schaden zu- während die Quoten in die Höhe schnellten .

Während kleine Geschichten aus dem Büro der Staatsanwaltschaft drangen, wurden immer höhere Honorare angeboten und Anforderungen von Unterhändlern und Klatschkolumnisten gestellt, neue „Zeugen“ zu finden für Shows wie „Hard Copy“, „Geraldo“, „A Current Affair“, „Inside Edition“, „Eye to Eye“, „Prime Time Live“, und „Day One“. Sie ließen nicht lange auf sich warten.

Als Diane Dimond im November 93 interviewt wurde für eine PBS-Dokumentation , die über den Anstieg von Klatschgeschichten in öffentlichen Nachrichten berichten sollte, sagte sie „Frontline“, dass angesichts des Problems der Bezahlung für Storys über Jackson, „Hard Copy“ – anders als andere TV-Shows- „absolut makellos“ sei, wir haben nichts gezahlt“. Dieses Statement war gelogen. Als im Dezember 1993 fünf Ex-Angestellte von Neverland mit ihren Anschuldigungen herausrückten, sie hätten gesehen, wie Jackson Kinder belästigt, zeigte ein „Hard Copy“- Vertrag ganz klar, dass eine Summe zwischen 100000 und 150000 $ ausgehandelt worden war, damit die fünf in der Show auftraten. Gegner der Show kündigten die Fünf mit den Worten an. „Sie haben alles gehört, sie haben alles gesehen, sie wissen alles“

Dimond sagte nach Jacksons Freispruch in einem Interview 2005, deutlich:“Ich widerspreche all den Leuten, die sagen, ich sei Pro-Staatsanwaltschaft eingestellt, um mein Programm durchzuziehen und würde nicht beide Seiten anhören. Ich habe niemals gesagt, Jackson sei pädophil und ich habe niemals gesagt, er sei schuldig.“ Am 1. Dezember begann Diane Dimond, eine erfahrene Reporterin, die sehr gut weiß, wie man Unterstellungen streut, ihre „Hard Copy“-Show mit einer Einleitung, die nicht einen einzigen Menschen in Zweifel ließ, was sie glaubte.

Sie erzählte ihren Zuschauern, dass die Bodyguards entlassen worden waren, weil sie „zu viel wussten über Jacksons merkwürdiges Verhältnis zu Jungen „Das Interview wurde sehr schnell ungezwungen, als die Bodyguards eine Story über Fotografien erzählten, von denen sie „gesagt bekamen, sie sollten sie vernichten“ Warum die Bodyguards, die nur bis 1992 bei Jackson beschäftigt waren und die Anschuldigungen 1993 erst aufkamen, den Auftrag bekamen, die Fotos zu vernichten, danach hatte Dimond merkwürdigerweise überhaupt nicht gefragt.

In Wahrheit war Dimonds Statement, das in Millionen Haushalte übertragen wurde, komplett falsch, wie z.B. der von ihr genannte Grund für die Entlassung der Bodyguards. In Wirklichkeit waren die Bodyguards wegen Diebstahls entlassen worden. Einige Monate nach dem „Hard Copy“-Interview hat jeder einzelne der Ex-Bodyguards in einer Voruntersuchung- diese gehörte zu dem Verfahren, das sie gegen Jackson anstrebten wegen „ungerechtfertigter Entlassung“- zugegeben, dass sie niemals gesehen haben, dass Jackson ein Kind belästigte. Diese Verhandlungsprotokolle liegen im Staatsarchiv. In Jacksons Verfahren 2005 gab Ralph Chacon- einer der entlassenen Bodyguards- im Kreuzverhör mit Thomas Mesereau zu, dass er 1992 entlassen worden war, weil er Dinge aus Jacksons Haus gestohlen habe.

Er sagte auch aus, dass er von seinem Anwalt, der ihn 1994/95 in der Sache wegen „unrechtmäßiger Entlassung“ vertrat, angewiesen worden war, die Geschichte der Klatschpresse so zu verkaufen.

Unter Eid sagte Ralph Chacon 2005 auch aus, dass er sich mit Staatsanwalt Tom Sneddon eine Woche vor seiner Aussage getroffen habe, um ihm „mehr Informationen“ zu geben über das, was 1993 passiert war. Jetzt 2005 musste Mesereau Chacon dazu zwingen, sich im Beisein seines Anwalts an seine eidesstattliche Erklärung von 1994 zu „erinnern“, die er in dem Zivilprozess gegen Jackson abgegeben hatte.

Adrian McManus, eine der anderen Ex-Angestellten, die 1994gegen Jackson prozessierten, versuchte 2005, nachdem sie aufgefordert worden war auszusagen, ihr Statement, das sie unter Eid im Zivilprozess wegen „unrechtmäßiger Entlassung“ getätigt hatte, zurückzuziehen.

In ihrer Aussage damals hatte sie erklärt, sie habe nicht gesehen, dass Jackson Culkin unsittlich berührt hat. Als sie unter Eid 2005 von Thomas Mesereau direkt angesprochen und gefragt wurde, warum sie ihre Aussage von damals zurückziehen wolle, antwortete sie ziemlich unaufrichtig:“Ich hatte nicht die Wahrheit gesagt.“

Kassim Abdool, ein weiterer Bodyguard, der wegen Diebstahls an Jacksons Eigentum entlassen worden war, konnte bei der Befragung durch Jacksons Verteidiger keinen Vorfall bestätigen, bei dem Jackson ein Kind belästigt hatte.
Morris Williams, ebenfalls beteiligt an dem Prozess wegen „unrechtmäßiger Entlassung“, gab 1994 bei der Befragung unter Eid ebenfalls zu, dass er niemals persönlich Zeuge einer Belästigung gewesen sei. Als er gefragt wurde, warum er der Meinung sei, Jackson sei ein Kindersch**nderr, sagte er wahrheitsgetreu, weil „es das ist, was ich in den Medien höre.“

Alle Ex-Angestellten, die gegen Jackson prozessierten wegen „unrechtmäßiger Entlassung“ hatten im Juli 1995 den Prozess verloren und wurden dazu verurteilt, zusammen eine Summe von 1,4 Millionen Dollar an Jackson zu zahlen. Schließlich mussten 2 der 5 Kläger Konkurs anmelden, um der Zahlung zu entkommen. Aber aus der Distanz betrachtet war die Wirkung dieser „Geständnisse“ auf Jacksons Namen und seinen Ruf unberechenbar.

Am 15. Dezember erfuhr Jacksons Ruf einen erneuten Schlag, als „Hard Copy“ einen weiteren Ex-Angestellten präsentierte , der sich angeblich an einen „Missbrauch“ erinnerte, Titel der Sendung war „Die schmerzvollen Geheimnisse eines Zimmermädchens“. Und wieder würde Dimond behaupten, nicht für diesen Auftritt gezahlt zu haben. Und auch diese Aussage war falsch.

Für die Sendung wurde mit einem Clip geworben, in dem das Hausmädchen sagte, es habe Jackson mit Jungs in einem Whirlpool gesehen. Blanca Francias Autritt bei „Hard Copy“ bescherte der Ex-Angestellten eine Summe von 20000 $, aber soweit es die Verantwortlichen von „Hard Copy“ betraf, war das Geld gut investiert. „Hard Copys“ Exklusiv-Interview mit Francia bescherte ihnen höhere Einschaltquoten als der gegnerischen „A Current Affair“-Show.

Vor einem Millionenpublikum erzählte Francia Dimond, sie habe Jackson auf Neverland gesehen, wie er mit Jungs geduscht habe, nackt herumgerannt und mit ihnen in den Whirlpool gegangen sei. Sie erzählte auch, sie habe gesehen, dass Jackson sich ihrem Sohn Jason gegenüber unangemessen verhalten habe. Die Reaktion der Klatschpresse war vernichtend. Die „News of The World“ titelte „Ich sah, wie Jackson es tat“ und die „LA Times“ mit „Mädchen erzählt von nacktem Jackson und Jungs“, typische Beispiele, welche Rolle Francias Geschichte in der Presse spielte.

Dimond, die sich laut ihrer aktuellen Website, mit dem Spitznamen „Wiedergeburt der Fernsehpersönlichkeit“ identifizierte, meinte, als sie 2003 darüber befragt wurde , wie wichtig es sei, ihre Quellen auf deren Wahrheitsgehalt zu prüfen, „jeder gute Enthüllungsjournalist wird Ihnen sagen, dass das, was eine einzige Quelle sagt, nicht ausreicht. Natürlich verwertet man Informationen einer Quelle, aber dann muss man es von anderen bestätigen lassen, bevor man es veröffentlicht.“ Wenn man aber nun zurück geht in das Jahr 1993 scheint es so, als seien solche „Bestätigungen“ nicht von Nöten gewesen. Wenn Dimond Francias Behauptungen hätte bestätigen lassen, so hätte sie mindestens zwei Dinge entdecken müssen.

Erstens, dass die Behauptung des Mädchens, sie habe ihren Job gekündigt, weil sie so „angeekelt“ gewesen sei, war beträchtlich weit gefehlt war. Blanca wurde in Wirklichkeit 1991 entlassen. Und wenn Dimond Francias Anklagen, sie habe Jackson mit einem Jungen gesehen, überprüft hätte (was jeder Journalist tun sollte, besonders wenn es um eine ernste Sache wie Missbrauch geht), hätte sie herausgefunden, dass Francias Anschuldigungen haltlos waren.

Der Junge, von dem Francia behauptete, sie habe ihn mit Jackson duschen sehen, war Wade Robson. Hier ein Auszug aus den Gerichtsakten: Das Volk gegen Jackson 2005.
T. Mesereau: Mr. Robson, hat Michael Jackson sie jemals belästigt?
W. Robson: Absolut nicht.
Robson bestritt grundsätzlich jemals mit Jackson geduscht zu haben. Als er gebeten wurde, einen ganz typischen Tag auf Neverland zu beschreiben, erzählte Robson, dass er, Jackson und jedes andere anwesende Kind, Videospiele gespielt haben, fern gesehen, gesprochen, gegessen und manchmal auch Kissenschlachten gemacht hätten.

2005, beim Kreuzverhör durch Staatsanwalt Zonen, wiederholte Robson noch einmal hartnäckig:“ Ich sage Ihnen, nichts ist geschehen.“ Als Francia ihre eidesstattliche Erklärung 1993/94 im Zuge des Prozesses gegen Jackson abgab, sagte sie aus, sie habe Jackson niemals nackt mit einem Jungen duschen sehen oder ihn nackt mit Jungs auf Neverland in einem Whirlpool herumtoben sehen. Sie sagte aus, dass Jackson immer eine Badehose trug, wenn er mit Kindern Wasserspiele gemacht habe. Francias Aussagen vor der Grand Jury im November und Dezember 93 wichen erheblich von der Sensationsstory ab, die sie Dimond in dem „Hard Copy“ Interview gab.

Jahre später, als Francia 2005 von Mesereau befragt wurde, gab sie zu, dass sie ihre Geschichte für „Hard Copy“ „verschönert“ hatte. Sie gab ebenfalls zu, ihre Story an den „National Enquirer“ verkauft zu haben. Francias Sohn Jason sagte aus- als er 2005 von Mesereau befragt wurde- er könne sich nicht an seine Aussage erinnern, dass Polizeiermittler ihn gezwungen hätten, etwas Bestimmtes auszusagen, als sie ihn befragt hatten. Seine Aussage lautete:“Sie wollten, dass ich mit irgendetwas rauskam. Sie übten immer wieder Druck auf mich aus. Ich wollte ihnen nicht nach dem Mund reden.“ Jason Francias Aussage in Jacksons Prozess würde sich später als wenig überzeugend herausstellen.

Der englische Journalist Charles Thompson schreibt in seinem Artikel „Eine beschämende Episode in der Mediengeschichte“ das vierte „Opfer“ Jason Francia ging in den Zeugenstand und behauptete, Jackson habe ihn als Kind bei drei verschiedenen Gelegenheiten belästigt. Als er aufgefordert wurde, Einzelheiten der „Belästigung“ aufzuzeigen, sagte er, Jackson habe „ihn dreimal außerhalb seiner Kleidung gekitzelt und dass er eine jahrelange Therapie hätte machen müssen, um darüber hinweg zu kommen.“

Thompson bemerkt, „obwohl Jason Francia behauptete, die Belästigungen hätten 1990 stattgefunden, hat er darüber nie berichtet bis der Mediensturm über die Chandler-Sache hereinbrach. Zu dieser Zeit bekam seine Mutter, das Hausmädchen auf Neverland, prompt 20000 $ von „Hard Copy“ und 2,4 Millionen Dollar aufgrund einer Vereinbarung von Jackson.“
Zwei Jahre später würde aufgedeckt werden, dass Blanca Francias Beziehung mit der Boulevardpresse viel stärker in die Sache verwickelt war, als irgendjemand sich hätte vorstellen können.

Sie wurde vom "National Enquirer" hofiert sobald sie auftauchte, es scheint, dass dieser ungewöhnliche Schritt tatsächlich getroffen wurde, um einem Enquirer-Reporter dazu zu verhelfen, bei der Polizei- Befragung von Francia dabei zu sein.

Der Journalist George Rush schrieb am 26 Januar 1995 in einem Artikel in der "New York Daily News", mit dem Titel –"Mann oh Mann, das Mädchen berichtet im Auftrag der Fleet-Street“ (überregionale britische Presse)–die britische Zeitung "Today" habe eine Geschichte veröffentlicht, die von der Entdeckung spricht, dass Blanca Francia einen Reporter vom "National Enquirer" als Übersetzer benutzt habe (Lydia Encinas), während sie von der Polizei im April 1993 im Fall der strafrechtlichen Ermittlungen gegen Jackson befragt wurde.

Der "Tabloid-Broker" und Ermittler Paul Barresi hatte nach dem Anhören einer Reihe von inoffiziellen Gesprächen, aufgenommen von Jim Mitteager (inzwischen verstorben) -entdeckt, dass die Enquirer Reporterin Lydia Encinas geholfen hatte Francias Befragung durch die Polizei von 1993 zu übersetzten. Damals bot der Enquirer, jedem der eine „Belästigungs-Geschichte“ über Jackson verkaufen wollte, erhebliche Anreize – alle gebilligt durch den damaligen Herausgeber David Perel.
Zusätzlich zur Zahlung einer ungenannten Summe an Francia für ihre Geschichte mit Encinas, beschattete der "Enquirer" Francia, um so nahe wie möglich an den Untersuchungen im Jackson-Fall bleiben zu können.

Es ist nicht bekannt, ob die polizeilichen Ermittler wussten, dass Encinas eine Klatschreporterin ist, aber da viele von der Polizei von den Klatschblättern beeinflusst waren, es ist unwahrscheinlich, dass diese Erkenntnis es verhindert hätte, sie von der Beteiligung Francias, die ja dazu führte, dass der Fall vorankam, abzubringen.

Am 4. April 2005 berichtete die Journalistin Michelle Caruso, (damals bei der "Daily News") in einem Artikel über die bevorstehenden Bezeugungen aus 'vorherigen Handlungen' in Jacksons Verfahren von 2005, dass die 'Mitteanger-Aufnahmen (Tapes) auch Sitzungen enthalten mit dem damaligen Herausgeber des "Enquirer" – David Perel..
Mitteanger sagte am 23 März 1994: "der Grund warum Lydia Encinas daran ist beteiligt ist, sei weil sie Spanisch spricht und ein gutes Verhältnis mit Blanca hat." Auf dem Band sagte Perel weiterhin, dass Francia's Englischkenntnisse höchstens der "sechsten Klassenstufe" entsprächen.

Caruso spürte den LA Detektiv Russ Birchim auf, der Francia 1993 interviewt hatte, um die Geschichte zu bestätigen. Caruso berichtete, Birchim habe ihr erzählt, dass "Lydia Encinas nicht die Übersetzerin war. Aber ich hatte ein Treffen mit ihr in Los Angeles."
Caruso wies auch darauf hin, dass, als er Birchim bat zu erklären, warum er sich im Zuge einer strafrechtlichen Ermittlung mit einem Reporter des "National Enquirer" traf, dieser sich weigerte darüber Auskunft zu geben.
Caruso schloss daraus: "Wenn man die Decke über dieser Geschichte etwas lüftet, hat Bezirksstaatsanwalt Tom Sneddon "mehr zu beißen als er kauen kann".

Das Hausmädchen und ihre Zahlung von "Hardcopy" und die daraus resultierende Klage geben weniger Auskunft über Jackson als über die Gier und den Ehrgeiz derer, die in seinem Umfeld sind. Um die Geheimnisse um Jacksons 'vorangegangene Handlungen,' zu entwirren, könnte Sneddon Thomas Mesereau viel Raum gegeben haben, die Verbindungen zwischen all diesen Personen zu untersuchen. Und das wäre eine viel interessantere Story, als all das, was wir bisher hörten.

Es war also um die "Glaubwürdigkeit" der "Zeugen" so bestellt, dass die Verantwortlichen bei "Hardcopy" und anderen Medien Tausende dafür bezahlt hatten. Zu der Zeit war jedoch die kumulative Wirkung dieser nie endenden Ansammlung von Menschen, die bereit waren Jackson öffentlich der Kindesbelästigung zu beschuldigen jedoch katastrophal.

Während Jacksons Abwesenheit wurden diese Ankläger zu jenen Stimmen, die die Schlagzeilen in Radio-Debatten und TV-Talkshows dominierten. In den Wohnungen und Büros in ganz Amerika verlor Jackson – der noch immer in einer Britischen Klinik wegen seiner Schmerzmittelabhängigkeit in Behandlung war - den Medien-Krieg.

Die Tatsache, dass diese „Zeugen“ nur mit der Sprache rausrückten, wenn ihnen Geld angeboten wurde, verlor sich in der verzerrten öffentlichen Darstellung. Als die Jackson-Geschichte sich etablierte, warf der "Enquirer" noch vor allen anderen Klatsch -Publikationen alles auf den Markt, was er an Journalisten, Redakteuren, Ermittlern und in seinem Informanten-Netzwerk hatte. Der "Enquirer" sorgte für schnelle Ergebnisse.
Er verknüpfte die Aspekte aus einer alte Geschichte, die sie zuvor gebracht hatten – 'Ja***'s Neue Adoptiv-Familie, " mit Daten aus ihrem Besitz, sodass die Ermittler die Chandlers in Brentwood ausfindig machen konnten.

Der Jackson-Skandal zahlte sich für den "Enquirer" sehr gut aus, der in den nächsten sechs Monaten, nachdem die Jackson-Story publik wurde, Jackson nicht weniger als 12 Mal auf dem Titelbild zeigte. Dies erklärt vielleicht den erstaunlichen Rückzug von traditioneller Enthüllungs-Berichterstattung den sie im Dezember 1993 versuchten. Roger Friedman, hausinterner Kolumnist bei "Fox-411", offenbarte Matt Drudge in einem Interview im April 2005 den extremen Aufwand, den der "Enquirer" wegen dieser Geschichte betrieben hatte. Laut Friedman bereitete sich der "Enquirer" darauf vor mit härteren Bandagen zu kämpfen, während Jackson sich um seine Gesundheit sorgte, und seine Anwälte um seinen guten Namen kämpften.

Daran interessiert, das nächste Stück der sich endlos entfaltenden Jackson-Story abzubekommen, streckte der "Enquirer" seine Fühler nach jungen Burschen aus, die bekanntermaßen Zeit mit Jackson verbracht hatten. Der Reporter Jim Mitteanger fand dann die Newt Jungen Robert und Ronald Newt Jr. (inzwischen verstorbenen) Beide aufstrebende Musiker, die mit Jackson und seiner Familie um 1985 befreundet waren, als Jackson noch zuhause in Encino bei der Jackson-Familie lebte.

Mitteanger, näherte sich mit der Unterstützung von David Perel, Ronald Newt Sr. an (dem Vater der Jungen) – einem Typen mit einer bunten Vergangenheit, der sich sowohl mit Filmproduktion als auch in 'Zuhälterei' versucht hatte, und versuchte einen Vertrag im Wert von $ 200.000 auszuhandeln, wofür die Newt-Jungen Jackson der Belästigung beschuldigen sollten.

Der Vertrag wurde aufgestellt zwischen dem "Enquirer" und Newt Sr. und Robert Newt begleitete sogar einmal seinen Vater zum Marriot Hotel in San Francisco, um Mitteager zu treffen. Robert Newt erinnerte sich in einem aufgezeichneten Interview mit Roger Friedman daran, wie Mitteanger ihm sachlich erklärte, wie die Dinge sich möglicherweise entwickeln würden. Er sagte Robert Newt, er würde möglicherweise sogar zu Oprah gehen, und Mitteager fügte hinzu, dass Robert dann erwähnen soll, Jackson hätte ihn am Hintern berührt.

Sprichwörtlich in der letzten Minute schlug Ronald Newt Sr. die Transaktion doch noch aus. Seine genauen Gründe sind unbekannt. Aber vielleicht war es sogar einem alten 'Unternehmer' wie Newt Sr. nicht wert, die Unschuld seiner Kinder in dieser Weise ausnutzen zu lassen. Nachgewiesen durch einen Vertrag mit David Perels Unterschrift, nahm Mitteager auch eines der Treffen mit den Newts auf.

Die "Mitteager-Tapes" wurden über die Jahre von vielen Journalisten und Redakteuren angehört. Am meisten beunruhigend ist vielleicht an Friedmans Rolle bei diesen Vorgängen in einer mächtigen Boulevardzeitung, wie eindeutig hier die echte Bösartigkeit einer Branche veranschaulicht wird, die eigentlich für etwas ganz anderes stehen wollte.
Als Steven Moore in einem im November 1993 erschienenen Artikel im Guardian" schrieb: "Der Michael Jackson Skandal ist zu einer Medien Orgie geworden" – "Es ist ein Unglück, dass die Presse, die die Grundfreiheiten gewährleisten soll, Gefahr läuft, selbst das Instrument zu werden, das uns diese wegnimmt."

Im Herbst ' 93 kamen weitere Qualen für Jackson aus seiner eigenen Familie hinzu. Seine Schwester Latoya, zu dieser Zeit von ihrer Familie entfremdet, welche ihre Aufnahmen für den Playboy und ihre Ehe mit Jack Gordon missbilligte, (ein Mann mit einer kriminellen Vergangenheit und einer Vorliebe für Gewalt gegen Frauen) – erschien auf "US Today" und in der "Howard Stern Radio-Show", und sagte, dass sie "hoffe“, die Vorwürfe gegen ihren Bruder wären nicht wahr. Obwohl sie dafür sofort durch den Rest der Jackson-Familie gerügt wurde, prangerte die Presse ihre Aussagen als Zustimmung an, aus denen am 8. Dezember schließlich definitive Anschuldigungen werden würden.

Ende August erhoben Jacksons Anwälte Anklagen gegen Evan Chandler und Barry Rothman wegen Erpressung. Versehentlich zwang dies Evan Chandler dazu, einen neuen Anwalt zu finden, da eine weitere Vertretung durch jemanden, der nun ein Mitangeklagter war, Befangenheit bedeutete. Eine kämpferische Gloria Allred aus Philadelphia trat in die Bresche. Da sie ab dem 31. August als neue Anwältin der Chandlers tätig war, hielt sie am 2. September eine turbulente Pressekonferenz, in der sie unnötig bildlich über Einzelheiten des angeblichen Missbrauchs sprach. Diese Pressekonferenz wurde natürlich weltweit übertragen.

Allred erzählte der Presse "Mein Mandant möchte seinen Auftritt vor Gericht haben" und erklärte "[Jordan] ist bereit, er ist entschlossen, er ist imstande auszusagen." Damalige Quellen aus dem engen Umfeld Chandlers berichteten, dass Allred und Chandler persönlich in Streit geraten waren und es einige Hinweise gab, dass sie sich grundlegend uneinig waren, wie man dem Prozess- und der Presse- begegnen sollte. Folglich erhielt Allred Tage nach der Konferenz einen Brief von Chandlers neuem Anwalt, Larry Feldman, der Allred Sanktionen der Rechtsanwaltskammer androhte, wenn sie nicht umgehend vom Fall zurücktrete. Erfolgreich ausgeschaltet trat Allred noch in derselben Woche zurück.

Für Jacksons Anwälte bedeutete dieser Wechsel jedoch , dass sie bald mit einem weiterem Problem zu rechnen hatten- mit einer Zivilklage, die am 14. September 1994 vom sagenhaften Feldman gegen Jackson für $ 30 Millionen eingereicht wurde. Diese Zivilklage, die von Mary A. Fischer 1994 als "der Anfang vom Ende" bezeichnet wurde, bewies in vielerlei Hinsicht, dass sie genau dies war.

Aufgrund der damaligen falschen Berichte sind die Gründe für diese Regelung nicht nur von der amerikanischen Öffentlichkeit sondern auch von Betrachtern im Allgemeinen jahrelang falsch verstanden worden. Verständlicherweise ist die schwerste Frage, an der die meisten Leute scheiterten, warum Jackson sich dazu entschied, den Chandlers eine beträchtliche Zahlung zukommen zu lassen anstatt den Fall vor Gericht auszutragen. Es gibt die Vermutung, dass Jackson sich vor der Aussage des Jungen fürchtete. Diese – bis heute weit verbreitete - Vermutung ist vollkommen falsch. Es gab viele Gründe, warum Jackson sich entschied zu zahlen. Aber der entscheidende Faktor war eine Rechtsfrage.

Bevor Santa Barbara Rechtsanwalt Tom Sneddon die Gesetzgebung in Kalifornien dahingehend abänderte, dass einem Strafprozess nicht länger ein Zivilprozess vorausgehen konnte, wenn der Angeklagte mit den gleichen Anschuldigungen belastet ist, besagte das Gesetz von 1993 allerdings noch, dass Jackson seine Verteidigungsaussage im Zivilprozess würde machen müssen, bevor er im anschließenden Strafprozess aussagte.

Vereinfacht ausgedrückt: Wenn der Zivilprozess dem Kriminalprozess vorausginge, hätte die Staatsanwaltschaft einen Platz in der ersten Reihen und damit Einblick in Jacksons Verteidigungsstrategie gehabt. Dann wäre für Jackson nur noch eine Option offen geblieben- sich auf den fünften Zusatzartikel zur Verfassung zu berufen. Diese Option greift jedoch nur auf dem Papier. Ein Prozess, bei dem sich die Anschuldigungen um so etwas Emotionales und gleichzeitig Abscheuliches wie Kindesmissbrauch drehen mit einem Angeklagten, der fortwährend antwortet "Ich berufe mich auf den fünften Zusatzartikel, Herr Vorsitzender." ist in Wirklichkeit kein Prozess. Das ist gesetzlich unterstützter Selbstmord.

Wenn Jacksons Anwälte darauf bedacht wären, den Kriminalprozess zu gewinnen, müssten sie verhindern, dass der Zivilprozess sich vor dem Kriminalprozess vollzieht. Im 2003-2005er Zivilprozess stahlen Polizeiermittler unter der Leitung von Tom Sneddon vor allem Verteidigungsdokumente mit der eindeutigen Aufschrift "Mesereau" aus dem Haus der damaligen persönlichen Assistentin von Jackson, Evelyn Tavasci. Sie überschritten zudem die Grenzen des Durchsuchungsbefehls, um in das Büro des Privatdetektivs Bradley Miller, der zum damaligen Zeitpunkt für einen von Jacksons Anwälten arbeitete, eindringen zu können, und verstießen somit gegen das Recht des Anwalts. Dementsprechend war sich die Staatsanwaltschaft eindeutig nicht zu fein, die Anklage auf den Verteidigungsprozess zuzuschneiden.


Quelle: http://www.pr-presse.de/news/michael-ja ... teht/39569
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Re: Michael Jackson - Wie ein Mythos entsteht

Beitragvon Faith » 24. Aug 2010, 20:47

Teil 2
"Das Austragen des Zivilprozesses vor einem Strafprozess" erklärt Charles Thomson "würde der Staatsanwaltschaft uneingeschränkten Zugang zu Jacksons Verteidigungsstrategie verschaffen. Falls Jackson in seinem Zivilprozess ein Alibi nachwies, könnte Sneddon zurück ins Büro gehen und die Termine für die Strafanklage ändern. Falls Jackson Zeugen aufrief, die seine Version der Vorgänge bestätigen sollten, könnte Sneddon zurück in sein Büro gehen und seinen Fall den Zeugenaussagen entsprechend aufziehen. Er könnte seinen Fall genau der Verteidigungsstrategie anpassen und Jackson es damit unmöglich machen, den Strafprozess zu gewinnen. Der einzige Weg für Jackson, einen fairen Strafprozess zu bekommen, war, den Zivilprozess zu verhindern."

Jacksons Rechtsteam: Einer feindlichen Presse in die Augen sehen zu müssen, das fortwährende Erschweren ihrer Bemühungen, und ein Mandant, der – wie Bert Fields Reportern in einer Pressekonferenz am 12. November erzählte, als er ankündigte, dass Jackson die übrigen Tour-Termine absagte, um eine Klinik zur Behandlung einer Abhängigkeit von verschreibungspflichtigen Medikamenten aufzusuchen – "kaum in der Lage war, auf einem angemessenen intellektuellen Niveau zu arbeiten", all das führte dazu, dass Jacksons Rechtsteam nun mit den Nerven am Ende war. Diese Spannungen spitzten sich in weniger als zwei Wochen weiter zu.

Howard Weitzman, der andere "Power"-Anwalt im Jackson-Fall, war wütend auf Fields, weil dieser Jacksons mentalen Zustand öffentlich der Presse preisgab, und war noch mehr empört, als Fields einem vollen Gerichtssaal am 23. November erzählte, dass ein Strafprozess gegen Jackson wahrscheinlich war. Fields, der irrtümlicherweise dachte, dass dies den Richter davon überzeugen würde, mit einem Termin für den Zivilprozess zu warten, wurde später durch Weitzmans öffentliche Berichtigung dieser Aussage gedemütigt. Schließlich lehnte der Richter den Antrag der Verteidigung ohnehin ab und setzte einen Prozesstermin für den 21. März 1994 an. Pellicano und Fields traten innerhalb von Tagen mündlich zurück und gaben den Fall letztendlich Mitte Dezember ab.

Die gescheiterten Versuche von Jacksons Anwälten, zu verhindern, dass der Zivilprozess vor dem Kriminalprozess stattfand, hatten etwas Ironisches, da Jackson gar nicht kurz davor stand , strafrechtlich belangt zu werden. Die Durchsuchungsaktionen in Neverland und in Jacksons Century City Apartment im August, und jene in Jacksons Familienhaus in Encino im November hatten keinen objektiven Beweis geliefert, durch den Beschuldigungen und sogar eine Inhaftierung Jacksons gestützt werden könnten.

Im späten November und Oktober bauschte die Presse durchgesickerte Meldungen auf, welche besagten, dass Polizeiermittler ein Buch auf Neverland gefunden hatten: "The boy: A Photographic Essay" mit Bildern von bekleideten und nackten Kindern. In Wirklichkeit waren die aktuellen Umstände dieses "Fundes" völlig harmlos. Noch als Geschenk verpackt war als Widmung innen im Buch zu lesen "Für Michael: Von Deinem Fan, Rhonda. In Liebe xxxooo Rhonda – 1983, Chicago."

Der Mangel an unterstützendem Beweismaterial im Kriminalfall wurde von einem Polizisten der Polizeibehörde von Los Angeles bestätigt. Dieser berichtete der "LA Times" im Jahre 1993, dass "kein Hinweis (medizinische Anhaltspunkte, Bild- und/oder Videomaterial) gefunden werden konnte, der eine strafrechtliche Antragstellung gegen Jackson bekräftigen würde". Obwohl die Polizei bei der Vernehmung von etwa 30 Kindern, die mit ihren Familien über Jahre Gäste auf Neverland gewesen waren, einschüchternde Methoden anwendete (wie zum Beispiel Kindern zu erzählen, dass nackte Fotos von ihnen existierten), verneinten alle, dass irgendein Missbrauch stattgefunden hatte.

Einmal befragten Polizisten sogar Jacksons jüngere Cousins und Neffen, ob sie jemals von ihrem Verwandten "missbraucht" worden waren. Die Ermittler, die sich darauf beschränkten, den reißerischen "Aufmachern" der Klatschblätter Glauben zu schenken, befragten die Lemarques und die Quindoys. Jedoch, obwohl die Ex-Angestellten von ihren verkauften Stories profitiert hatten, lehnten sie es ab, sich offiziell zu äußern und Jackson des Missbrauchs zu bezichtigen.

Ehemalige Mitglieder des großen Geschworenengerichts 1993 in Santa Barbara sagten in einem Interview mit der "News Press" im Jahre 2004, dass ihnen niemals genügend Beweise für eine Anklage gegen Jackson vorgelegt wurden. Ihre Aussagen stützten die Stellungnahme von Thomas Mesereau. Am 29. November 2005 sagte Mesereau vor einem gemischten Publikum, bestehend aus legalen Berichterstattern, Studenten, Diplomabsolventen und Reportern der Harvard University:

"[Sneddon] hatte das große Geschworenengericht in den frühen 90ern einberufen, um eine Anklage durchzusetzen und er scheiterte. Das Geschworenengericht traf sich ungefähr 6 Monate lang und beschuldigte Michael Jackson für nichts. Und ich habe inzwischen mit jemandem gesprochen, der erst kürzlich im Geschworenengericht in Los Angeles saß. Sie war Mitglied eines Geschworenengerichts in Los Angeles, das zu jener Zeit einberufen wurde. Und sie hatten echte Probleme mit diesen Anschuldigungen. Und [diese] wirklichen Probleme waren der Natur, dass Leute versuchten, Michael Jackson Geld abzuluchsen, indem sie derartige Beschuldigungen konstruierten."

Während dieser Frage und Antwort-Sitzung machte Mesereau außerdem deutlich, dass Jordan Chandler hervorgetreten war, um eine Aussage im 2005er Prozess zu machen und dass er [Mesereau] Zeugen hatte, die bereit waren Folgendes auszusagen: Jordan habe ihnen gesagt, dass die Gründe für seinen Entschluss zu einer rechtliche Befreiung von seinen Eltern auf Jordans Wut und Ärger über eine erzwungenen Lüge gegen Jackson zurückzuführen waren. Mesereau bekundete ferner, dass er bereit gewesen war, Zeugen aufzurufen, die bestätigten, dass Jordan im Laufe der Jahre immer wieder erklärt hatte, Jackson habe ihn nie missbraucht und die Anklagen seien lediglich aufgrund von Evans Geldgier erhoben worden.

Im November ´93 füllten die Medien dennoch 65 % ihrer Berichterstattung mit der Jackson-Story. Jacksons Rechtsteam setzte der Zivilprozess mit seiner bemerkenswert niedrigen Beweislast und der Tatsache, dass man Jackson dazu zwingen konnte, sich auf den fünften Zusatzartikel zur Verfassung zu berufen, trotz des langsamen Fortgangs der Kriminalermittlung unter Druck.

Zusätzlich verstärkt wurde diese Anspannung durch die verfälschte Berichterstattung der Medien. Mit jedem Tag, den Jackson außerhalb des Landes verbrachte, jammerte die Presse immer lauter um seine Rückkehr. Frustriert über ihre eigene Unfähigkeit, Jackson ausfindig zu machen und eine Reaktion von Seiten des Jackson-Lagers zu provozieren, fand die Presse teilweise Gefallen daran, Jackson in den Schlagzeilen zu verhöhnen- Schlagzeilen, die unterstellten, dass die offiziellen Aussagen über seine Abhängigkeit bloß ein Trick waren, um "der Gerechtigkeit zu entfliehen".

In "The New York Times" schrieb Neal Gabler in "Persona Goeth Before a Fall": "Die neueste Teilzahlung von Mr. Jackson verspricht alles andere in den Hintergrund zu drängen.“Call it Michael Jackson, The Fugitive?" ("Wird man ihn Michael Jackson, den Flüchtigen, nennen?"). Der britische "Daily Mirror" forderte "Arrest Jackson" ("Verhaftet Jackson") und stach später durch einen "Spot the *****"-Contest ("Finde *****"-Wettbewerb) hervor. Dieser versprach jedem, der Jacksons Aufenthaltsorte voraussagen konnte, einen üppigen Gewinn in Disneyland. "The Daily Express" zeichnete ein reißerisches, völlig aus dem Zusammenhang gerissenes Bild von Jackson mit den Worten "Drug Treatment Star Faces Life On The Run" ("Drogenbehandelter Star steht kurz vor einem Leben auf der Flucht") und am 29. November titelte das "People Magazin" mit dem Schocker: "MICHAEL JACKSON CRACKS UP!" ("Michael Jackson dreht durch!").

Ob die Presse wirklich bezweifelte, dass Jackson ein Problem hatte oder nicht- sie hatten nun so oder so, was sie wollten- eine Reaktion. Jacksons Rechtsteam war gezwungen, eine Pressekonferenz abzuhalten, nur um zu bestätigen, dass Jackson immer noch wegen einer Schmerztablettenabhängigkeit behandelt wurde. Am 19. November wurden Weitzman und der Neuankömmling im Team, Bürgerrechtsanwalt Johnny Cochran Jr. , mit einem GAU konfrontiert- ein Fall, den sogar sie nicht hätten vorhersagen hätten.

Weitverbreitete Gerüchte, angeheizt durch bruchstückhafte inoffizielle Polizeimeldungen, rasten über Wochen immer schneller durch die Medien. Spekulationen darüber, dass Jordan ein Bild von Jacksons Genitalien gemalt hatte und man Jackson dazu zwingen würde, sich bei seiner Rückkehr nach Amerika einer polizeilichen Leibesvisitation zu unterziehen, waren im November 1993 in aller Munde. Auf einer Pressekonferenz im November wurden Weitzman und Cochran wiederholt um eine Bestätigung darüber gebeten, ob Jacksons Genitalien verfärbt waren und ob dieser plante, in die Vereinigten Staaten zurückzukehren, um sich jener Leibesvisitation zu fügen. Der gekränkte Weitzman verneinte diese Geschichte und sagte "Wenn Mr. Jackson irgendeine Ausrede benötigte, um außerhalb der Vereinigten Staaten bleiben zu können, hätte er nur seine Tour fortsetzen müssen. Er hat keine Absicht die Vereinigten Staaten zu meiden."

Bis Dezember wurde der auf Jacksons Team lastende Druck unerträglich. Am 8. Dezember hielt Latoya, mit Ehemann Jack Gordon an ihrer Seite, eine Mitternachtspressekonferenz in Tel Aviv ab. Sie erzählte einem ungläubigen Pressepack, dass sie nicht länger eine "Kollaborateurin" der Verbrechen ihres Bruders "an kleinen Kindern" sein könne. Diese Ankündigung hätte zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen können. Jacksons Anwälte, die versuchten, sich als vereinte Front zu präsentieren, während sie die Bedingungen für die Rückkehr ihres Klienten aushandelten, konnten Latoyas Aussagen nur als Untergrabung betrachten.

Rothman, Richter des Kammergerichts, hatte bereits angeordnet, dass Jacksons eidesstattliche Aussage im Zivilprozess vor Ende Januar bestätigt sein musste, zudem hatte die Einberufung der zwei großen Geschworenengerichte im November den drohenden Strafprozess immer näher rücken lassen. Nachdem Jackson einer Aussage unter Eid für den 18. Januar und der Leibesvisitation zugestimmt hatte unter der Bedingung, dass sie auf Neverland stattfand und 25 Minuten dauerte, kehrte er schließlich am 10. Dezember nach Amerika zurück.

Am 14. Dezember trafen sich Feldman, Cochran, Weitzman und der stellvertretende Staatsanwalt Lauren Weis hinter geschlossenen Türen mit Richter Rothman um die Anschuldigungen zu besprechen, die bereits in dem Zivil-Verfahren diskutiert wurden. Nach dem Treffen sagte Feldman, der ständig zynische Bemerkungen über Jacksons monatelange Abwesenheit gemacht hatte, zu den Reportern draußen: "was mich überrascht, ist, dass Jackson sich so schnell erholt hat... Es sollte acht Wochen dauern, und kaum gibt es eine Vereinbarung mit dem Büro des Staatsanwalts, ist er zurück.”
Der Haftbefehl selbst, dessen Inhalt es war Jacksons ganzen Körper zu prüfen, zu fotografieren und zu filmen, "einschließlich seines Penis, Anus, Hüften, Gesäß und allen anderen Teilen seines Körpers" wurde am 20 Dezember auf Neverland ausgeführt.

Jacksons Anwälten wurde eine Kopie der beeidigten Erklärung verweigert, die den "glaubhaften Hinweis“, enthalten hätte, mit anderen Worten die Hinweise, die auf Jacksons Genitalien laut Jordan angeblich existierten.

Vor seinen zwei Anwälten, Dr. Arnold Klein, Louis Swayne (Jacksons Fotograf), Sergeant Gary Spiegel (der Polizei Fotograf), Dr. Richard Strick (einem Dermatologen der Staatsanwaltschaft) und einem Bodyguard, entfernte Jackson - deutlich unter Stress stehend - seinen Bademantel und stand für 25 Minuten in der Mitte des Zimmers, während er eingehend begutachtet wurde. Für Jackson, jemand der wohl mit seinem Körper nicht in Einklang und fast pathologisch schüchtern war, war diese Erfahrung ein unbeschreiblicher Tiefpunkt. Tief beschämt sagten Jacksons Familie und Freunde darüber später, dass Jackson von diesem Ereignis unwiderruflich zerstört wurde.

Für Jacksons Rechtsanwälte wurde mit dieser Untersuchung und der damit wachsenden Attraktivität dieses Falls, die Weigerung des Richters das Zivilverfahren hinauszuschieben, jetzt zur Gewissheit.

Weit entfernt von dem "überzeugenden Beweis" als den Feldman die Fotos beschrieb, unterschieden sich die Fotografien und Jordans Beschreibung von Jacksons Körper im Vergleich doch offensichtlich: Jordan hatte kategorisch erklärt, dass Jackson beschnitten sei. Er war es nicht. Es könnte spekuliert werden, das Jordan als das Kind eines jüdischen Vaters möglicherweise selbst beschnitten ist, und dann einfach annahm, alle anderen seien es auch. Wenn es so war, würde es auch bedeuten, dass Jordan keine intime Kenntnis über Jacksons Körper hatte.

Vitiligo ist eine sich immerzu weiterentwickelnde Krankheit. Das Bild verändert sich ständig, und die Merkmale sind bei jedem Betroffenen unterschiedlich ausgeprägt. Einige Patienten haben riesige depigmentierte Flächen, bei anderen, wie Jackson, entsteht ein kompliziertes Muster. Wenn man Farbe sehr leicht über eine Fläche sprenkelt, sieht man am Ergebnis, wie man sich Jacksons Vitiligo vorstellen kann.
Die Idee, dass Jordan in der Lage wäre, solche subtilen Markierungen zu identifizieren, aber noch nicht einmal den Unterschied zwischen einem beschnittenen und einem nicht beschnittenen Penis erkennt – ist unhaltbar.
Für jeden Mann ist der Unterschied dazwischen ganz klar definiert, und jeder Hinweis, dieser Fakt sei unwesentlich ist damit hinfällig.

Der "dunkle Fleck" den Jordan, laut Diane Dimond, auf der Unterseite von Jacksons Hoden gesehen haben will, wurde während der Sitzung nicht fotografiert, (laut des anwesenden Polizei-Fotografen) Diese Tatsache, dass ein Foto des so genannten einzigen 'verräterischen' Hinweises nicht gemacht wurde, der anscheinend ja auch der Grund dafür war, dass die Körperuntersuchung in der Form überhaupt erlaubt wurde, ist schon äußerst bemerkenswert. Allerdings ist die Spekulation auf diesen Punkt sowieso unnötig, da die deutlichste Abweichung von Jordans Beschreibung bereits festgestellt worden ist. Da kein Foto von diesem 'dunklen Fleck" aufgenommen wurde, und es auch keine Anzeichen über dessen wirkliche Existenz gab, kann es weder widerlegt noch bestätigt werden. Die Zeichnung, die Jordan von Jacksons Penis anfertigte, war rein "generisch"(allgemeingültig). Es bestehen immer grundsätzliche Ähnlichkeiten zwischen einer Zeichnung und dem Objekt. Kurz gesagt, ein Penis, egal welcher Farbe, ist immer ein Penis.

Es ist wichtig daran zu erinnern, dass Jackson im Februar ' 93, in einem groß angekündigten Interview mit Oprah Winfrey der Welt mitteilte er habe eine Hautkrankheit. Es wurde bekannt, dass diese Störung Vitiligo heißt und Jacksons Offenbarung wurde ein viel diskutiertes Thema in dieser Zeit. Folglich gab es Debatten im Fernsehen, in Radio-Shows, und in der Presse, mit Bildern von Vitiligo-Kranken die durch die Medien gingen. Es ist logisch anzunehmen, dass Evan Chandler diese Berichte auch gesehen hat, zumal er zum Zeitpunkt des Winfrey- Interviews schon mit Jackson befreundet war. Grundsätzliche Forschung über Vitiligo die schon seit über 20 Jahren an die Öffentlichkeit kam, enthüllt Informationen wie z. B. die Tatsache, dass Vitiligo normalerweise an den Extremitäten beginnt – an Händen, Füßen und Genitalien. Wenn also versucht würde jemanden zu erpressen, von dem bekannt ist, dass er Vitiligo hat, wäre das "Risiko" zu behaupten, dass seine Genitalien davon betroffen sind eindeutig nur sehr gering.

Wie auch immer die fragwürdigen Resultate der Untersuchung ausfielen, die Schäden an Jacksons Namen und Ruf, entstanden nicht durch die Tatsache dieser öffentlichen Untersuchung an sich, sondern auch durch die Umstände, wie sie stattgefunden hatte. Einer der größten Entertainer der Welt, stand nackt mitten in einem Raum, während Fotos von ihm gemacht wurden. Es ist schwer vorstellbar was noch erniedrigender sein könnte, selbst wenn nur die Beteiligten davon wussten. Was diese Erfahrung für Jackson so schlimm machte, war die Tatsache, dass es überall diskutiert wurde, seziert und besprochen von jedem Nachrichtenkanal, von jedem Fernsehmoderator, in jeder Radioshow und Zeitung der Welt.

Am 22. Dezember sprach ein deutlich traumatisierter Jackson von Neverland aus via Satellit über die Untersuchung, die er als "die demütigenste Erfahrung seines Lebens" bezeichnete. Jackson wurde am nächsten Tag von Feldman kritisiert indem er Jackson beschuldigte, diesen Fall in die Presse zu bringen.

An einer Stelle seines Statements appellierte Jackson direkt an gewöhnliche Amerikaner, die Voreingenommenheit der Medien zu ignorieren, in dem er sagte "bei jeder Gelegenheit haben die Medien diese Behauptungen verfälscht und bearbeitet um ihre Schlussfolgerungen zu erreichen. Ich bitte alle von ihnen abzuwarten und die Wahrheit zu hören, bevor Sie mich beschuldigen und verurteilen.”

Wie auch immer, soweit es die Medien betraf, waren die Fragen bezüglich der Anschuldigungen gegen Michael Jackson bereits beantwortet worden – mit oder ohne die Körperuntersuchung. Von Ende Dezember bis zur Einigung, behaupteten die Presse und Feldman weiterhin, dass es eine vollständige Übereinstimmung zwischen den Fotografien und Jordans Beschreibung von Jacksons Körper gäbe.

Am 5. Januar 1994 gab Feldman eine völlig irreführende Erklärung an die Presse, weil er (angeblich) vor Gericht ging um zu versuchen Aktfotos von Jackson zu erhalten.
Damals liefen die Verhandlungen über die Einigung unter Vorbehalt. Feldman tat, was jeder zuständige Rechtsanwalt tun würde, er nutzte die Gelegenheit sich an das Gericht zu wenden, um Druck auf Jacksons Juristen-Team auszuüben. Im Gespräch mit der außerhalb des Gerichts versammelten Presse, sagte Feldmann, "Wir denken, dass die Tatsache, dass mein Klient beschreiben kann, wie Herr Jackson nackt aussieht, ein sehr deutlicher Hinweis auf Herrn Jacksons Schuld ist.“ Man musste ziemlich blind sein um nicht zu sehen, dass Feldman versuchte, die öffentliche Meinung im Sinne seiner Klienten – den Chandlers, und deren Nachfrage nach Geld zu verwenden.

Davon ausgehend, dass sein Mandant mit dem Strafverfahren noch weiter gehen würde, sendete Feldman zwei klare Nachrichten:
Zu Jacksons Juristen-Team sagte er: "Egal was die Fotos beweisen, wichtig ist was die Leute glauben."
Zur Öffentlichkeit sagte er: "Die Fotos beweisen - Jackson ist schuldig".
Nur zwei Medien -Veröffentlichungen gaben indessen die korrekte Information weiter, die eine war Reuters, die andere von USA Today.

Am 28. Januar 94, als die Artikel geschrieben wurden, war die Zivilklage bereits seit drei Tagen am Laufen. USA Today berichtete, dass "Eine mit dem Fall vertraute Quelle sagte, die Fotografien wiesen Ungleichheiten auf mit der Beschreibung, die Jordan Chandler gemacht hatte." und dass "die Bilder einfach nicht mit der Beschreibung des Jungen übereinstimmten."

Der Artikel in Reuters sagte, "Die Fotos von Michael Jacksons Genitalien stimmen nicht mit der Beschreibung des Jungen überein….wenn dem so ist, könnte dies mögliche strafrechtliche Aktionen gegen den Sänger schwächen."

Ende Dezember '93, wurde für Jacksons Juristen-Team die Zeit knapp. Unabhängig davon, dass die Beweise gegen Jackson sehr schwach waren, von ihrem Standpunkt aus sah es so aus, als wäre die Polizei von LA und Santa Barbara mit dem Fall auf der Flucht nach vorn. Mit der Einberufung der zwei Grand Jurys im November konnte die Entscheidung, darüber Klage einzureichen oder nicht, nicht mehr warten. Die Frage polarisierte, es ergaben sich noch mehr Fragen und noch mehr Antworten.

Mit Blick auf den Wortlaut des Abkommens ist es klar, dass ein Kompromiss ausgehandelt wurde. Aber es ist auch klar, dass die Annahme und Zulassung eines strafbaren Verhaltens seitens Jacksons – nicht verhandelbar war. Die einschlägigen Klauseln sind: "Das 1993 gemachte Abkommen wurde von Herrn Jacksons Versicherungsgesellschaft gemacht und war nicht unter Herrn Jacksons Kontrolle.

Die Vergleichsvereinbarung wurde für allgemeine Forderungen der Fahrlässigkeit gemacht und vertreten durch Herrn Jacksons Versicherungsträger." Im Abkommen heißt es weiter: "Die Parteien erkennen an, dass die Vergleichszahlung, der im Absatz 3 aufgeführten Schadensersatzansprüche von Jordan Chandler, Evan Chandler und June Chandler, für angebliche Verletzungen aufgrund von Fahrlässigkeit und nicht für Ansprüche von absichtlicher oder unrechtmäßiger Handlung und Belästigung gemacht wurden."

Der wichtigste Teil der Vergleichsvereinbarung, aus Jacksons Perspektive, war die Schlüssel-Klausel "Kein Schuldeingeständnis". Diese Klausel war unabdingbarer Bestandteil – und es war klar, dass Jackson dieses Abkommen machen konnte aufgrund der Feststellung, dass er nicht schuldig im Sinne der Anklage war. Jacksons Team hatte die Einbeziehung dieser Klausel ausgehandelt, und nur unter der Bedingung, dass diese Klausel aufgenommen wurde, hatte Jackson das Abkommen unterzeichnet. Die Tatsache, dass dies mit den Chandlers vereinbart wurde, ist erstaunlich insoweit, dass es vielleicht am deutlichsten die finanziellen Absichten von Evan Chandler zeigt. (und ebenso Junes – die auch finanziell gewinnen würde). Für die meisten Eltern eines angeblich "belästigten" Kindes ist dies eine Klausel, die nicht hinnehmbar wäre.

Ein anderer wichtiger Punkt in dieser Vereinbarung ist, dass nirgends geschrieben stand, dass Chandlers Rechte, ein Strafverfahren zu verfolgen, betroffen sind. Diese Tatsache spiegelte sich in einem Bericht von USA Today am 28. Januar 1994 wider, drei Tage nachdem die Vergleichsvereinbarung angekündigt wurde. Alle anderen Medien berichteten zu diesem Zeitpunkt das Gleiche: "Die Zivilklage wurde diese Woche außergerichtlich besiegelt. Die Anwälte des Jungen sagen, das Abkommen hindere den Jungen nicht daran, in einem Verfahren auszusagen, auch wenn die Anklagevertretung ihn nicht zwingen kann, gegen seinen Willen auszusagen."

Auf einer Pressekonferenz in Santa Monica am 25. Januar 1994 gaben die Anwälte beider Seiten bekannt, dass eine Vereinbarung von beiden Parteien abgeschlossen wurde. Die Spekulationen der Medien über die tatsächliche Höhe der Zahlung schwankten genauso wild wie der Rest ihrer Berichterstattung. Zahlen zwischen £ 25.000.000 bis zu einem Viertel von Jacksons Vermögen wurden geschätzt. Die tatsächliche Zahlung lag bei $ 15,331.250.

Cochran berichtete den anwesenden Reportern: "Die Auflösung dieses Falles ist in keinster Weise ein Eingeständnis einer Schuld von Michael Jackson. Kurzum, er ist ein unschuldiger Mann, der nicht die Absicht hat, seine Karriere und sein Leben durch Gerüchte und Anspielungen aufs Spiel zu setzen." Cochran sagte anschließend dem JET Magazine: "Sie [Hard Copy] wollen Schlagzeilen. Sie bezahlen Zeugen. Jede Ähnlichkeit zwischen der Wahrheit und Hard Copy ist rein zufällig."

Auf der gleichen Konferenz bestätigte Feldman Cochrans Worte den Reportern, "Niemand hat ein Schweigen erkauft.“ Soweit die Beantwortung von Fragen darüber, ob Jackson sich aus einem Strafverfahren freigekauft hat oder nicht. Tatsache ist, dass die Vereinbarung in keinster Weise hätte verhindern können, dass die Chandlers in irgendeiner Weise als Zeuge in einem Strafverfahren auftreten könnten. Sie hätten lediglich Jackson eine Mitteilung geben müssen, dass sie dies tun.

"Im Falle eines Minderjährigen, erhalten der Anwalt des Vormundes des Minderjährigen, also Evan und June Chandler eine Vorladung oder Anfrage für Informationen als natürliche oder juristische Person.
Erhalten sie irgendeine Vorladung stimmen sie zu „ eine schriftliche Mitteilung“ an Jacksons Anwalt zu machen, hinsichtlich der Art und des Umfangs einer solchen Vorladung und Auskunft zu geben, soweit es nach Gesetz zulässig ist“.

Doch sie taten es nie. Dass die Familie dann die Aussage verweigerte war ihre eigene Entscheidung und war völlig unabhängig von einer Zivilklage. Die Abmachung betraf nur eine zivile Klage, nicht eine strafrechtliche Verfolgung, deren Akten nach weiteren acht Monaten endgültig im September 94 geschlossen wurden.

Diejenigen, die noch immer nicht überzeugt sind, dass es die weltweite Medien-Diffamierung, eine aggressive Taktik von Evan Chandler und Feldman und der anhaltende Druck von zwei Polizeidepartments war, die Jackson dazu zwangen, die Vereinbarung zu treffen, sollten sich fragen, welche Alternative Jackson und die Leute, die ihn zu diesem Zeitpunkt berieten, hatten.

Die Parteien, die für die Vereinbarung der Streitschlichtung Bedeutung hatten, waren abgesehen von den Anwälten, die Chandlers, Jackson, die Sony Corporation, Elizabeth Taylor und Lisa-Marie Presley.

Auch wenn Sony nicht in der Vereinbarung genannt wurde, ist es Realität, wenn Y $ 65.000.000 in X investiert, dass dann Y ein Mitspracherecht hat, ob X ein potenziell stark beschädigendes Klageverfahren riskiert – Sony hatte mit Jackson 1991 einen neuen Vertrag unterzeichnet für eine Summe, die alle bisherigen Rekorde überbot.

Aus Sonys Sicht, war die Art, wie ihr Superstar seit August gedemütigt wurde, schlecht fürs Geschäft, zumal Pepsi Cola bereits am 14. November bekannt gegeben hat, dass ihre Zusammenarbeit mit Jackson beendet ist. Dies bedeutete, jetzt würde Sony alle zukünftigen Touren und Promotionskosten alleine tragen müssen. Ein Urteil gegen Jackson, entweder zivil- oder strafrechtlich hätte alle großen Investitionen zerstört. All dies bedeutete, dass hinter den Kulissen, Sony nachdrücklich nach einer Lösung gedrängt hat.

Presley und Taylor, sind auch nicht in der Vereinbarung genannt. Als Jacksons Freunde zählte aber ihre Meinung. Jackson sei damals (mental) nicht in der Lage gewesen, den Anforderungen einer Prüfung standzuhalten. Auch sie rieten ihm zu einer Vereinbarung.
Das Risiko, dass Jackson sich einer Verteidigungsstrategie im Zivilprozess hätte aussetzen müssen war hoch. Es kann nicht oft genug betont werden. Kein Verteidiger in der Welt würde raten, einen Zivilprozess vor einem Strafprozess zu durchlaufen. Und damit war Jackson 1993 konfrontiert.

Mary A. Fischer, die viel von dem Einfluss der Rodney-King-Unruhen 1992 inspiriert war, als Los Angeles brannte, Plünderungen folgten, es der Stadt Millionen an materiellen Schaden kostete, aber viel mehr in den kulturellen Beziehungen, analysierte 1994 in ihrem Artikel:
"Obwohl viele Leute denken, dass Jackson jemand war, der irgendwie eine Veränderung seiner Rasse wollte, war er trotz der Veränderung seiner Hautfarbe psychologisch jemand der für einen afro-amerikanischen Mann stand.

Neuerdings haben die meisten journalistischen Beiträge, Mediengruppen und sozialen Kommentatoren, das Verhalten der Medien 1993 gegenüber Jackson als grenzenlose Ausschweifung und Zügellosigkeit beschrieben. Für Jackson mag das Gefühl weitaus persönlicher gewesen sein."

Weitzman und Cochran standen im Anschluss an die Leibesvisitation, nun mit einem emotional gebrochen Klienten, vor schwierigen Entscheidungen. Sollten sie ihre Verteidigungsstrategie in einem zivilrechtliches Verfahren mit einer signifikant niedrigeren Beweislast einbringen oder eine Vereinbarung treffen und den Alptraum eines Falles beenden, der mit einer anhaltenden Verzerrung der Medien durch die Berichte von kompromittierenden "Zeugen", die in Wahrheit durch die Medien gezahlt wurden, einherging.

1994 sagte John Branca - Jacksons langjähriger Wirtschaftsanwalt, „Jackson änderte seine Meinung darüber, den Fall vor Gericht auszutragen, als er in dieses Land (USA) zurückgekehrte. Er hatte bis dahin nicht die massive feindselige Berichterstattung gesehen. Er wollte nur die ganze Sache erledigt wissen.“

J. Randy Taraborrelli, respektierter Jackson Biograph und jemand, der Jackson persönlich kannte, erinnerte sich, wie er nach der Abwicklung der Vereinbarung mit Jackson gesprochen und ihn gefragt hat, warum er sie bezahlt hat.

Auszug aus einem Artikel von Taraborrelli am 1. Juli 2009 geschrieben:

"Ich war der erste Reporter der Michael interviewte nach dieser umstrittenen Vereinbarung.
Ehrlich gesagt, ich war wütend, dass er sich auf eine Zahlung eingelassen hatte. Ehrlich gesagt, wusste ich nicht, ob er Jordy belästigt hatte oder nicht - alles, was ich wusste war nur, dass er mir gegenüber darauf bestanden hat, dass er unschuldig war, und ich hatte es veröffentlicht."

"Also, warum haben Sie das Kind bezahlt, wenn Sie so unschuldig waren?" fragte ich [Taraborelli] ihn. "Weil ich mit meinem Leben weitermachen musste." Er [Jackson] sagte mir das sehr sachlich und nüchtern.

"Die ganze Sache hat mich getötet. Ich habe es nicht getan. Ich schwöre, ich habe es nicht getan. Also machte ich die Vereinbarung nur um es hinter mich zu bringen."

Ich argumentierte, dass die Leute immer annehmen werden, dass er schuldig war. Hat er das bedacht?"

„Wissen Sie was? Es ist mir egal was die Leute denken. Zum ersten Mal in meinem Leben gebe ich nichts auf den Scheiß."

Am 25. Januar 1994 wurde die Einigung zwischen den Chandlers und Jackson unterzeichnet.
Die Medien, die seit Anfang Januar wussten, dass dies wahrscheinlich war, waren sich einig in ihrer Verurteilung.
The Guardian titelte am 26. Januar 1994: „Gerechtigkeit gegen Zahlung." Innerhalb der Zeitung im Artikel selbst erklärt ein Zitat vom New Yorker Anwalt Raoul Felder, was viele fühlten in dieser Zeit: "Die Vereinbarung ist ekelhaft. Es verbreitet eine Meinung in Amerika, wer reich und berühmt ist, kann ein wenig Gold auf die Waage werfen und die Gerechtigkeit kaufen. Gerechtigkeit steht zum Verkauf."
Am 26. Januar titelte The Times: "Jacksons Scheckheft-Gerechtigkeit.“

Esquire veröffentlichte auch im Januar eine "Dubiose Auszeichnungs-Liste 1993 - Jackson als ein starker Anwärter neben Bill Clinton."
Am 30. Januar sprach The Sunday Times Bände mit: "Jacksons Schweigegeld?“ und spitzte den Artikel zu mit der Zeile: "Wenn Du ein reicher Popstar bist, kannst Du Dich aus allen Schwierigkeiten heraus kaufen.“

Am 5. Februar veröffentlichte Billboard eine Schlagzeile: "Industrie zeigt Unterstützung“. Der interessante Aspekt in dem Artikel war, dass er ein Zitat von Bob Burch enthielt, vom KEZK St Louis Radio, das besagte, dass seine Radio-Station weiterhin auf unbestimmte Zeit keine Musik von Jackson spielen werde.

TIME posaunte mit "Der Preis ist gerechtfertigt", geschrieben am 7. Februar von Richard Corliss: "So, jetzt ist seine Freiheit gesichert, aber sein Ruf ruiniert." Am 7. Februar schrieb Newsweek:"Der Scheck ist in der Botschaft, "während das People-Magazin den Nerv mit „Dodgin THE Bullet“ traf

Im Januar '94 bewerteten die Gallup-Umfragen die Meinungen der Öffentlichkeit aus dieser Zeit:
59% der Amerikaner dachten Jackson hätte kämpfen sollen und nicht eine Vereinbarung treffen
23% der Amerikaner glaubten, dass Jackson richtig gehandelt hat.
56% der Amerikaner glaubten Jackson sollte vor ein Gericht gestellt werden.

Diese Zahlen spiegeln das Unverständnis der amerikanischen Öffentlichkeit wider über die Gründe und Fakten, die hinter der Entscheidung standen. Sie waren das Ergebnis von monatelanger tendenziöser Berichterstattung und Desinformation. Es wäre verwunderlich gewesen, wenn diese Zahlen anders gewesen wären. Warum sollte die Öffentlichkeit nicht annehmen, Jackson hätte sich ein Frei-Fahrt-Ticket aus dem Gefängnis erkauft? Die Profis werden bezahlt um richtig und genau zu informieren, aber sie haben es nicht getan.

Benommen von ihrer eigenen Macht, Meinungen zu gestalten, konnte man von der gleichen Branche, die ihrerseits zweifelhafte Quellen nutzte und nach ihren Vorstellungen umgestaltete, eine faire Berichterstattung nicht mehr in Betracht ziehen.
Ende 1993 waren die folgenden Jahre für June Chandler, Dave Schwartz und Evan Chandler ausgefüllt mit gegenseitigen Auseinandersetzungen vor Gericht wegen verschiedener Beschwerden, emotionalem Stress und anderen Klagen.
Evan Chandler wollte eine weitere 60 Millionen-Schadensersatz-Klage 1996 anstreben, als er behauptete, Jackson habe die Vertraulichkeit verletzt.

Evan Chandler forderte das Recht sein eigenes Album zu machen - EVANstory, was in gewisser Weise eine Art von Freudscher Zumutbarkeit war.

Jordan führte sein Leben in einer selbst auferlegten Anonymität weiter, sprach niemals mehr mit seiner Mutter oder seinem Onkel Ray Chandler, der entschied, dass es das Beste für seinen jungen Neffen wäre, ein „Ich erzähle Alles-Buch“ zu veröffentlichen, an dem sich sein Onkel bereichern konnte. Jordan hat sich wahrscheinlich gesetzlich von seinen Eltern emanzipiert, wurde aber 2006 von seinem Vater mit einer Hantel und Pfefferspray körperlich angegriffen. Jordan wollte Strafanzeige stellen, hat aber in letzter Minute seine Meinung geändert.

Und Michael Jackson wollte lange Zeit kämpfen, bis die Schlacht ihn niederschlug und er erkannte, dass er nicht wirklich gewinnen konnte. Mit Blick auf ein Leben mit Lisa-Marie, muss er bei der Vereinbarung gehofft haben, dass dies das Ende der Schmerzen sein würde. Aber das war es nicht. Taraborrelli hatte recht gehabt. Diese Regelung würde Jackson den Rest seines Lebens verfolgen wie ein böser Traum. Wie ironisch ist es, dass, wenn er es nur Evan Chandler zurückgezahlt hätte im August '93 – wäre dieser Artikel nie geschrieben wurden.

Die Medien-Maschinerie war sich bewusst, dass diese neue Spielart mit ihrem Objekt der Begierde- ein goldenes Ticket zum Gelddrucken- gerade erst begonnen hatte.

http://www.stereoboard.com/content/view/97709/44

Quelle: http://www.pr-presse.de/news/michael-ja ... teht/39569
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Re: Michael Jackson - Wie ein Mythos entsteht

Beitragvon Michaela1903 » 24. Aug 2010, 20:52

ohh danke Faith,

der ist wirklich sehr lange, muß ich auch morgen in Ruhe lesen ...

LG Dagi
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Re: Michael Jackson - Wie ein Mythos entsteht

Beitragvon Remember MJ » 24. Aug 2010, 21:35

Danke für`s posten Faith,

werde ihn mir mal in Ruhe durchlesen.

Ganz liebe Knuddelgrüße
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Re: Michael Jackson - Wie ein Mythos entsteht

Beitragvon JacksonWoman » 25. Aug 2010, 20:42

Oh Faith, danke für den tollen Artikel, den muss ich mir mal ganz in Ruhe durchlesen. :0337rainbow:

LG
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