Zum 80. Geburtstag von Quincy Jones


AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 123

Zum 80. Geburtstag von Quincy Jones

Beitragvon Remember MJ » 14. Mär 2013, 21:48

Als Trompeter, Arrangeur und Produzent hat Quincy Jones die Geschichte der afroamerikanischen Musik sechs Jahrzehnte lang mitgeschrieben. Heute wird er achtzig.
Quincy Jones wurde einmal als musikalischer Forrest Gump bezeichnet. Und in der Tat hat die über 60-jährige Karriere dieses Trompeters, Sängers, Komponisten und Produzenten etwas von jener Filmfigur: Immer ist er zur rechten Zeit am rechten Ort. Und immer geht es gut aus. Allerdings, hier liegt ein Unterschied, war Quincy Jones nie bloss Nebenfigur. Schon früh wurde er zum Macher und Mogul, ohne den die afroamerikanische Musik – von Jazz über R'n'B bis Hip-Hop – nicht so klingen würde, wie sie es tut.

Am einflussreichsten war Quincy Delight Jones, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, in den achtziger Jahren. Mit drei Alben, die Michael Jackson zum Superstar und ihn selbst zum Super-Produzenten machten – «Off The Wall», «Thriller», «Bad» – schuf er eine stilistisch-klangliche Vorlage, die den Pop bis heute prägt. Der Produzent fand damals nicht nur den richtigen Zugang zu Michael Jackson – er liess ihn tanzen in einem dunklen Studio, in dem der einzige Lichtspot auf Jackos Mikrofon gerichtet war –, er hatte auch ungewöhnliche Klang- und Arrangement-Ideen: So etwa liess er den Rockgitarristen Eddie Van Halen über «Beat It» ein Solo spielen. Auch die erfolgreichste Single aller Zeiten wäre nicht ohne Quincy Jones entstanden, diesen umfassend vernetzten Tausendsassa, der jeden und jede im Musikgeschäft kennt: die Charity-Single «We Are The World» von 1985. Wiederum bewies Jones Einfühlungsvermögen und Organisationstalent: Weil für das Grossaufgebot an Stars wie Diana Ross, Bruce Springsteen, Bob Dylan und Michael Jackson im Studio nur ein schmales Zeitfenster zur Verfügung stand und bei allem humanitären Drive Rivalitäten zu befürchten standen, liess er am Eingang ein Schild anbringen: «Check Your Ego at the Door».

Quincy Jones, der als erster Afroamerikaner eine Führungsposition bei einem grossen Label (Mercury Records) innehatte und als erster schwarzer Filmkomponist in Hollywood und im US-Fernsehen («Roots») ankam, hat mit so vielen Grössen aus Jazz, R'n'B, Soul und Pop gearbeitet, dass es fast einfacher wäre, die wenigen zu nennen, für die er nicht gearbeitet hat. Ein paar Höhepunkte: Die «Fly Me To The Moon»-Version von Frank Sinatra und Count Basie wurde von Quincy Jones arrangiert, der seinen Spitznamen «Q» übrigens von Sinatra erhielt. Auch hinter Lesley Gores Hit «It's My Party» steckte Quincy Jones, genauso wie hinter manchen Aufnahmen von Dinah Washington oder Sarah Vaughan.

Geboren wurde Jones mitten in der Depression und im grössten Schwarzenghetto der USA – am 14. März 1933 in der South Side von Chicago. Die familiären Verhältnisse waren alles andere als rosig. Als die an Schizophrenie leidende Mutter in eine Anstalt eingewiesen wurde, gab der Vater Quincy zusammen mit seinem Bruder für ein Jahr zur Grossmutter, einer ehemaligen Sklavin, die in bitterster Armut lebte. In seiner Autobiografie schildert Quincy Jones, wie es an manchen Tagen nichts anders gab als gebratene Ratten, die sie zuvor am Fluss gefangen hatten.

Sein Leben bekam Quincy Jones mit Hilfe von Musik und Freunden wie Ray Charles und Count Basie in den Griff. Mochte er vielen Umständen machtlos ausgeliefert sein – etwa der Armut und dem Rassismus –, umso mehr versuchte er sich in der Musik und den Arrangements zu verwirklichen. Der Jazz, so schrieb Quincy Jones, und so hat er in Interviews immer wieder betont, sei für ihn eine Art Mutterersatz gewesen: «Er hat mich niemals im Stich gelassen.» – Mit dem kürzlich verstorbenen Claude Nobs und dessen Montreux Jazz Festival verband Jones eine lange Freundschaft. Er war es denn auch, der Miles Davis dazu brachte, 1991 in Montreux noch einmal mit seinen von Gil Evans arrangierten Big-Band-Klassikern aufzutreten. Sorgen macht sich Quincy Jones seit Jahren um das Musik-Wissen der amerikanischen Jugend. Er forderte deshalb ein spezielles Kulturministerium. Sein Engagement zeigte sich auch in folgendem Beitrag: Quincy Jones soll einst einige hundert Exemplare des legendären Miles-Davis-Albums «Kind of Blue» an Kinder und Jugendliche verschenkt haben – mit dem Hinweis: «Nimm das jeden Tag. Als ob es dein Orangensaft wäre.»
Quelle:http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/uebersicht/der-forrest-gump-der-afroamerikanischen-musik-1.18046085
Bild
Benutzeravatar
Remember MJ
Forum Admin
Forum Admin||
 
Beiträge: 5914
Registriert: 06.2010
Wohnort: Neverland
Geschlecht: weiblich

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Beteilige Dich mit einer Spende
cron
web tracker